Denksport-Rätsel

Als Damenstrümpfe teurer als Gold waren

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel geht es um eine bahnbrechende Erfindung, über die sich vor allem Frauen gefreut haben.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen.


Bereits zu Cäsars Zeiten schützten sich Roms Legionäre mit Strümpfen vor kalten Füßen. Zwei Jahrtausende lang diente der Strumpf vor allem dem Schutz vor Wärmeverlust, auch wenn Modeeinflüsse sein Erscheinungsbild hin und wieder modifizierten. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war er aus Wolle, Baumwolle, Seide oder Viskose, und die meisten Strümpfe hatten einen gemeinsamen Nenner: Sie kratzten und saßen schlecht. Letzteres bedauerten vor allem die Damen.

Ende der 30er-Jahre experimentierte man in deutschen und amerikanischen Chemielabors mit Kunststoffverbindungen. W. H. Carothers, ein Angestellter des Chemiekonzerns DuPont, entdeckte eine strapazierfähige Verbindung von Adipinsäure und Hexamethylen. An Damenstrümpfe dachte Mr. Carothers dabei wohl eher nicht, aber genau das wurde daraus. 1939 baute DuPont die erste Nylonspinnanlage. 20 Millionen Dollar hatte der Konzern in die Forschung investiert. Das Ergebnis waren Damenstrümpfe, teurer als Gold: Die ersten Modelle kosteten pro Paar stolze 250 Dollar. Trotzdem wurden „Nylons“ vom ersten Tag an zum Verkaufsrenner. Sie gehörten zu den wenigen Produkten, für die es selbst nach Kriegsende in den USA noch einen Schwarzmarkt gab.

In Deutschland produzierte man die begehrten Beinhüllen ab 1950. Rasch wurden sie zum Statussymbol und zum zarten Banner des Neubeginns. Zunächst saßen sie allerdings immer noch nicht besonders gut. Für die Produktion passgenauer Konfektionsware mussten erst Normen ermittelt werden. Dafür sahen die Hersteller den Damen genau auf die Beine. Um diesen schnöden Zweck werbewirksam zu camouflieren, lobte man die Wahl zur „Beinkönigin“ aus. So bekam man die einschlägigen Maße Tausender Durchschnittsbürgerinnen und konstituierte das „Normalbeinmaß“. Amerikas Beinkönigin renommierte mit einem Fesselumfang von 21,2 Zentimeter und dem Wadenumfang von 31,2 Zentimeter.

Bald umhüllte die Kunstfaser nicht nur Damenfesseln, sondern sorgte als Material für Blusen, Kleider, Hemden und Hosen für einen textilen Strukturwandel. „Die junge Frau braucht nicht zu flicken“, warb ein Hersteller, „nicht mehr so viel zu bügeln. Das Waschen wird leichter... Der Kleiderwohlstand wächst. Man kann sich besser anziehen und gefällt einander.“


In Deutschland wurde das epochale Nylon auch unter einer ähnlich lautenden Bezeichnung berühmt. Wie hieß diese? Die Antwort steht morgen im Abendblatt. Die Lösung der gestrigen Ausgabe: Emser Depesche.

( jasch )

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