Kreis Segeberg

Immer mehr Marderhunde in Norderstedt

Marderhunde haben bei uns keine natürlichen Feinde. Sie werden auch in Norderstedt gejagt.

Marderhunde haben bei uns keine natürlichen Feinde. Sie werden auch in Norderstedt gejagt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Ronald Wittek / picture-alliance/ dpa

Auch Waschbären vermehren sich stark. Sie stellen Bedrohung für heimische Tierwelt dar und können Krankheiten übertragen.

Norderstedt/Segeberg.  Marderhunde und Waschbären breiten sich im Kreis Segeberg immer mehr aus. Innerhalb eines Jahres stieg die Anzahl der geschossenen Tiere im Kreisgebiet auf mehr als das Doppelte an – ein Hinweis darauf, dass die Populationen deutlich wachsen und damit auch die Gefahren vor allem für heimische Tierarten.

Nach Angaben der Kreisjägerschaft wurden in der Saison 2018/19 insgesamt 641 Marderhunde und 21 Waschbären zur Strecke gebracht – bei beiden Tierarten entspricht das einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um mehr als 100 Prozent. Sorgen bereiten den Jägern im Kreis Segeberg vor allem die Marderhunde. Die nachtaktiven Allesfresser – auch als Tanuli oder Enok bekannt – kommen ursprünglich aus Asien und Russland. In Deutschland haben die tierischen Einwanderer (Neozoen) keine natürlichen Feinde. ,,Marderhunde vermehren sich sehr stark. Ein Paar zieht pro Jahr in zwei bis drei Würfen bis zu zehn Welpen auf“, berichtet Oliver Jürgens, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Bad Segeberg. Die Abschüsse steigen, die Jagdstrecke wird immer größer. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf das Anwachsen der gesamten Population ziehen.

Marderhunde haben Glashütte und das Glasmoor entdeckt

Marderhunde sind mittlerweile flächendeckend im Kreisgebiet unterwegs – und das längst nicht nur in der Abgeschiedenheit von Wäldern. ,,Sie sind überall. Es sind mehrfach Marderhunde im LevoPark aufgetaucht“, nennt Jürgens ein aktuelles Beispiel. In Norderstedt waren die Tiere in den vergangenen Jahren ausschließlich im Bezirk Garstedt zu finden. Mittlerweile haben sie auch die Feuchtgebiete von Glasmoor und Glashütte ebenfalls für sich entdeckt und die Harksheide erobert, berichtet Eggert Lüdemann, Hegeringwart in Norderstedt. ,,Die Population steigt enorm. Wir jagen die Tiere in der Harksheide und verzeichnen in dem Revier eine Steigerung um rund 100 Prozent gegenüber der vorigen Saison. In diesem Jahr haben wir schon 50 Marderhunde geschossen, oder sie tappten in unsere Fallen“, sagt der Jäger.

Für Andreas Falk, Hegeringwart von Bad Bramstedt und Bramstedt Land, ist die ,,massive Ausbreitung des Marderhundes eindeutig zu viel“. Sorgen bereitet ihm, dass die Tiere als zusätzliche Fressfeinde des heimischen Niederwildes auftreten. Hinzu komme, dass Gelege von Singvögeln und gefährdeter Bodenbrüter wie Kiebitze und Feldlerche und junge Hasen ganz oben auf der Speisekarte der Allesfresser stehen.

Für den Menschen indes bilden die bis zu 70 Zentimeter großen Eindringlinge nach einhelliger Meinung von Fachleuten keine direkte Gefahr. Gleichwohl können sie gefährliche Krankheiten wie Staupe und Räude auf andere Säuger übertragen. ,,Die heimische Tierwelt leidet. Hunde und Füchse werden angesteckt. Der Fuchs wird vom Marderhund verdrängt“, sagt Hegeringwart Andreas Falk.

Mit Lebendfallen und Gewehr rücken die Jäger Marderhund und Waschbär zu Leibe. ,,Allein im Hegering Bad Bramstedt haben wir in der Jagdsaison 2018/2019 insgesamt 104 Marderhunde zur Strecke gebracht“, sagt Falk. Ein Jahr zuvor waren es mit 50 Exemplaren nicht einmal die Hälfte.

Waschbären konnten aus Pelztierfarmen entwischen

Der vorwiegend nachtaktive Waschbär aus der Familie der Kleinbären bevorzugt Mischwälder in Gewässernähe. Er ist sehr anpassungsfähig und erobert zunehmend auch besiedelte Bereiche. Sein natürliches Verbreitungsgebiet ist Nord- und Mittelamerika. In Europa ist der Waschbär heimisch geworden, weil er aus Pelztierfarmen und Gehegen ausgebrochen ist.

Gelegentlich wird der Waschbär – wegen seiner ähnlichen Fellzeichnung und Größe – mit dem Marderhund verwechselt. Im Kreis Segeberg ist der Waschbär auf dem Vormarsch, die Abschusszahlen weisen nach oben. In der Jagdsaison 2018/2019 wurden 21 Waschbären zur Strecke gebracht. ,,Das entspricht einer Zunahme von 111 Prozent in einem Jahr“, sagt Falk. Die Chance, einen Waschbären mit dem Gewehr vom Hochsitz aus zu erlegen, sei gering: ,,Waschbären sind nachtaktiv. Sie sind schnell und ständig in Bewegung“. In der Regel werden die Tiere in Lebendfallen gefangen und anschließend erschossen.

Waschbären sind Allesfresser und nicht gerade wählerisch. Beeren, Früchte, Nüsse und Eicheln stehen ebenso auf ihrem Speiseplan wie Würmer, Frösche, Schalentiere, Vögel und Kleinsäuger wie Mäuse. Von einer regelrechten Waschbär-Plage zu sprechen, wie sie etwa im Kreis Herzogtum Lauenburg seit einiger Zeit zu beobachten ist, sei es im Kreis Segeberg aber noch zu früh, da sind sich Falk und seine Jagdkollegen einig.

Wer einem Waschbären begegnet, sollte allerdings auf der Hut sein. Mit den knuffigen Bären ist nicht zu spaßen. Sie suchen im Unterschied zum Marderhund die Nähe des Menschen und können gefährliche Krankheiten wie den Waschbärspulwurm auf den Menschen übertragen. Eine Infektion mit dem Parasiten kann beim Menschen zu Erblindung, Organversagen und in manchen Fällen bis hin zum Tode führen.