Schröters Wochenschau

Norderstedt – ein Stadt-Traum aus Lebkuchen

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Stadt soll nachhaltiger werden, jetzt wurde das Konzept „Essbare Stadt“ vorgestellt. Was sich Jan Schröter darunter vorstellt.

Kreis Segeberg.  Die Stabsstelle „Nachhaltiges Norderstedt“ hat jetzt im Umweltausschuss ein akribisch erarbeitetes Konzept vorgestellt. Titel: „Essbare Stadt“. Essen interessiert mich grundsätzlich. Ambitionierte Projekte begeistern mich ebenfalls. Da das Weihnachtsfest diesmal in puncto Feierlichkeiten und Geselligkeit pandemiebedingt voraussichtlich arg reduziert daherkommt, darf man im Zuge der Ersatzbefriedigung kalorienmäßig gerne eine Schippe drauflegen – auch wenn’s mit Messer und Gabel verzehrt wird.

Bisher musste ich mich zur Weihnachtszeit immer mit maximal einem piefigen Lebkuchenhaus zufriedengeben. Beim Stichwort „Essbare Stadt“ denke ich deshalb sofort an ein Norderstedt aus Lebkuchen im Maßstab 1:1 und jubiliere. Nahrhaft gedeckte Dächer mit Schokoschindeln, Zuckerwatte quillt aus Schornsteinen von feinstem Dominogestein, hinter Fensterläden aus Krokant lugen putzige Gummibärchen hervor. Wir werden eine Weihnachtsgans haben und zum Dessert Norderstedt.

Und dieser Nachtisch wird mindestens bis Ostern reichen, bis wir uns quasi übergangslos mit Knickebein-Eiern in den Frühling schlemmen. Doch ach, diese verlockende Vision hat die Stabsstelle im Konzept „Essbare Stadt“ gar nicht vorgesehen. Es geht darin um Streuobst, Gemüse und Kräuter, die auf städtischen Flächen gepflanzt, von Institutionen wie Kitas und Schulen gepflegt sowie von den Bürgern geerntet und verzehrt werden sollen.

Diese Idee wurde in diversen Städten bereits realisiert. Und ich finde sie ebenfalls großartig, obwohl sie nicht ganz an meinen Lebkuchentraum heranreicht. Und obwohl sie ursprünglich aus England kommt, nämlich aus einem Ort namens „Todmorden“, was eher wenig vertrauenerweckend klingt und zwischen Leeds und Manchester gelegen ist. Todmorden würde ich nicht essen wollen, Norderstedt schon. Was für ein Spaß, wenn man sich demnächst bei Tisch unterhält: „Schatz, die Tomaten sind köstlich! Vom Bahndamm?“ – „Verkehrsinsel am Parkstreifen Rathausallee.“

Heimatkundige Feinschmecker brillieren in geselliger Runde mit einschlägiger Kenntnis über die Herkunft des aufgetischten Gemüses. Experten erkennen am Geschmack, ob der Park, in dem die verwendeten Kräuter gezogen wurden, eher von Dackeln oder von Pudeln frequentiert wird. Vielleicht ließen sich für Nicht-Vegetarier die Dackel und Pudel sogar ins Konzept der „Essbaren Stadt“ integrie…

Pfui! Aufhören, Schröter. Sonst kriegst du böse Leserbriefe. Verdientermaßen.