50 Jahre Norderstedt

Samira-Maria Philipp ist die perfekte Norderstedterin

Projektkoordinatorin und Programmchefin Samira-Maria Philipp auf der Treppe in einem der Konferenzräume der TriBühne.

Projektkoordinatorin und Programmchefin Samira-Maria Philipp auf der Treppe in einem der Konferenzräume der TriBühne.

Foto: Thorsten Ahlf

Projektkoordinatorin ist für die Planung und Ausrichtung von Events in den Veranstaltungshäusern der Stadt verantwortlich.

Norderstedt.  Manchmal passiert es. Einfach so. Ohne, dass sie etwas dagegen tun kann. Dann springt ihr plötzlich ein Detail ins Auge, das nicht stimmt. Ein paar Servietten, die schlecht gefaltet sind. Luftballons, deren Farbe nicht zum Rest der Deko passt. Oder eine Beleuchtung, die falsch eingestellt ist. Selbst auf privaten Feiern oder Konzerten ist das schon vorgekommen. Manchmal nervt sie das selbst. Trotzdem passiert es immer wieder.

Samira-Maria Philipp ist Perfektionistin – auch wenn sie diese Eigenschaft in ihrem Alltag selbst überhaupt nicht mag. Im Beruf gehört der Perfektionismus dazu und ist sogar notwendig. „Nur so kann ich für einen Kunden das bestmögliche Ergebnis erzielen“, sagt die 29-Jährige. Als Projektkoordinatorin der Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH (MeNo) ist sie für die Planung und Ausrichtung von Events in den Veranstaltungshäusern der Stadt verantwortlich: in der TriBühne, dem Kulturwerk am See und dem Brauhaus Hopfenliebe.

„Egal, ob es um eine Messe oder einen Abiball geht – ich möchte, dass jede Veranstaltung perfekt wird“, so der Anspruch von Philipp, die schon als Teenager für ihr Organisationstalent bekannt war und in ihrer Kirchengemeinde regelmäßige Treffen sowie Sommerferienlager für Kinder geplant hat. „Ich fühle mich einfach nicht wohl, wenn irgendetwas nicht gut geplant ist“, sagt Samira-Maria Philipp, die erst vor ein paar Monaten nach Norderstedt gezogen ist – als Langenhornerin aber einen engen Bezug zu der Stadt hat. „Ich hatte viele Freunde in Norderstedt und bin mit ihnen zum Shoppen eher ins Herold-Center gegangen als in die Innenstadt gefahren“.

Samira-Maria Philipp hatte eigentlich andere Pläne

Auch wenn sie heute als Veranstaltungskauffrau arbeitet – eine Ausbildung in diesem Bereich konnte sie sich nach dem Abi zunächst nicht vorstellen. Der Weg schien irgendwie nicht zu passen, erinnert sie sich und entschied sich für ein BWL-Studium, das sie mit einem Bachelor of Arts abschloss. Ihr Schwerpunkt: Tourismus und Eventmanagement. Eigentlich genau ihr Ding – „wenn es nur nicht so theoretisch gewesen wäre. Der Praxisbezug hat mir am Anfang schon sehr gefehlt“.

2016 hat sie ihren Abschluss gemacht und mit der Jobsuche begonnen. Vergeblich. „Ohne Berufserfahrung war es fast unmöglich, einen Arbeitsplatz zu finden“, erinnert sich Samira-Maria Philipp. Sie weiß nicht mehr, wie viele Bewerbungen sie geschrieben – und wie viele Absagen sie bekommen hat. Aber sie weiß noch genau, wie sich das angefühlt hat. Das Gefühl, abgelehnt zu werden, nicht zu genügen, keine Chance zu bekommen. Selbst nach einer dreimonatigen Fortbildung zur SAP-Spezialistin schien die Lage auf dem Arbeitsmarkt aussichtslos, sodass sich die engagierte Frau für einen drastischen Schritt entschied – und noch mal als Praktikantin anfing. Als Rückschritt hat sie das jedoch nie empfunden. Sondern als weiteren Schritt, als Chance.

Ihr erstes Projekt: Der Craft Beer Day 2019

Samira-Maria Philipp ist niemand, der sich unterkriegen lässt. Sondern jemand, der sein Ding durchzieht, das Ziel nicht aus den Augen verliert. So ist es heute, wenn sie ein Event plant und tausend Sachen gleichzeitig zu erledigen sind. Und so war es damals, als sie sich immer weiter und weiter beworben hat. Bis sie schließlich einen Job bei der MeNo bekam. Befristet auf ein Jahr, als Elternzeitvertretung. 2018 war das.

Das Jahr ist inzwischen vorbei. Sie durfte trotzdem bleiben. Und ist darüber immer noch so glücklich, dass sie es manchmal selbst kaum fassen kann. „Ich habe hier eine Chance bekommen, zu zeigen, was ich kann“, sagt Philipp, die am Anfang vor allem ihre Kollegen bei der Planung unterstützte, bevor sie ihr erstes eigenes Projekt bekommen hat: den Craft Beer Day im Kulturwerk am See 2019. Neun Monate hat die Planung insgesamt gedauert. Neun Monate, in denen sie Aussteller kontaktierte, Kühlschränke und Pavillons mietete, Flyer erstellte und drucken ließ – und in den letzten Tagen vor dem Event Hunderte Mal den Wetterbericht checkte.

„Die Veranstaltung war im April – und der macht ja bekanntlich, was er will“, sagt die Norderstedter Eventmanagerin und lacht. Heute fällt es ihr leicht, darüber zu lachen – damals war sie am Boden zerstört, dass es ausgerechnet an ihrem großen Tag regnete. „Ich dachte, das ist der Weltuntergang – war es aber gar nicht. Die Leute sind trotzdem gekommen“, sagt Philipp und erzählt, dass es ein regelrechter Ansturm war und sie mehrmals den Einlass stoppen mussten. Bei der Erinnerung muss sie seufzen. Eine Menschenmenge von dem Ausmaß ist heute undenkbar.

Corona-Krise trifft Veranstaltungsbranche hart

Die Veranstaltungsbranche ist von Corona besonders hart getroffen worden. „Eine Veranstaltung nach der anderen ist abgesagt worden“, erinnert sich die junge Frau, die früher selbst gerne in Konzerte und Discos gegangen ist. Früher, vor Corona. „Als ich das erste Mal von diesem Virus hörte, hatte ich ein ganz komisches Gefühl. Fast so eine Vorahnung.“ Aber dass es so schlimm wird, das habe sie sich nie vorstellen können. Nicht vorstellen können, dass es so lange dauert, dass es nach dem ersten Lockdown noch eine zweiten geben wird. Dass alle Veranstaltungen auf 2021 verschoben werden müssen – und selbst dann vielleicht nicht stattfinden können. Und dass sie irgendwann in Kurzarbeit gehen muss.

Manchmal hört sie von Leuten, dass es doch cool sein müsse, weniger zu arbeiten. Dann schüttelt sie den Kopf und wundert sich, dass einige Menschen so denken. „Ich würde lieber voll reinhauen“, so ihre Devise. Aber bitte nicht falsch verstehen, sie will kein Mitleid, bloß nicht. Schließlich geht es nicht um sie, sondern um die anderen. „Es ist bedrückend, wie sehr die Branche darunter leidet und wie viele Unternehmen aufgeben müssen. Verglichen mit denen geht es uns noch gut“, sagt sie.

Sie hofft, dass sich die Lage nächstes Jahr entspannt. Wieder mehr Veranstaltungen möglich sind: Messen, Tagungen und Abibälle. Davon hat sie inzwischen schon einige organisiert. Sie mag das, den Kontakt zu den Abiturienten. „Die meisten von ihnen sind dankbar für jede Hilfe. Es macht Spaß, wenn man sich so stark bei der Planung einbringen kann“, sagt die 29-Jährige, die schon auf fünf Abibällen war. Ihrem eigenen – und vier, die sie organisiert hat. Sie hält sich im Hintergrund, sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Und freut sich darüber, wenn alles perfekt ist!