Kreis Segeberg

Urteil: Rasender Beamter beging Unfallflucht

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht (Symbolbild).

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht (Symbolbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Landgericht bestätigt Urteil des Norderstedter Amtsgerichts - 6400 Euro Geldstrafe und ein Jahr Führerscheinsperre.

Norderstedt/Kiel.  Bei seiner Vereidigung schwor der Angeklagte feierlich, „alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren“. Doch auf der Fahrt zum Dienst beging der Beamte aus dem Kreis Segeberg „einen Akt der Selbstjustiz“ , sagt der Staatsanwalt im Berufungsprozess vor dem Kieler Landgericht.

Das jetzt rechtskräftige Urteil des Amtsgerichts Norderstedt: Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung und Unfallflucht wird der Mann zu 6400 Euro Geldstrafe (80 Tagessätze á 80 Euro) verurteilt. Härter trifft den Besitzer eines 300 PS-Sport-Coupés der kalte Entzug seiner Fahrerlaubnis.

Erst nach Ablauf einer einjährigen Führerscheinsperre darf der Mittdreißiger, der zuvor schon drei Bußgeldbescheide und zwei Fahrverbote wegen überhöhter Geschwindigkeit kassierte, die Wiedererteilung neu beantragen. Dazu muss er seine Eignung nachweisen, möglicherweise durch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU).

Angeklagter wollte Führerscheinsperre abwenden

Der Sachverhalt: Am 30. Oktober 2019 hupt der Beamte vor einer roten Ampel vehement den Fahrer eines Kleintransporters an, schüttelt wütend die Faust. Bei Grün gibt er Gas, überholt den Transporter und bremst ihn scharf aus. Der Fahrer weicht nach links aus und kollidiert mit einem dritten Fahrzeug. Schaden: 3300 Euro. Ungeschoren bleibt zunächst nur der Unfallverursacher. Der Angeklagte fährt davon, wird später jedoch ermittelt. „Die Situation tut mir sehr leid“, sagt er vor Gericht. Er werde künftig „bewusster und ganz anders an die Sache herangehen“.

Als Beleg für seinen guten Willen legt er die Bescheinigung einer Psychologin vor, die er keine zwei Wochen vor dem Prozess kontaktierte. Den Tatvorwurf und die Geldstrafe im Urteil des Amtsgerichts Norderstedt akzeptiert der Angeklagte im Berufungsverfahren. Nur die Führerscheinsperre hätte er gerne abgewendet oder deutlich verkürzt. Im Prozess argumentiert der Pendler, ÖPNV sei eine Zumutung und behauptet, wegen der Geldstrafe ohnehin sein Auto verkaufen zu müssen. Doch Staatsanwalt und Gericht lehnen ab.

Die Tat sei zu massiv, begründet Richter Gunther Döhring das Urteil. Der Gang zur Psychologin komme zu spät. Die Fahrverbote in den Jahren 2016 und 2017 hätten als Warnung nicht ausgereicht. Von dem zerknirschten Eindruck, den der Angeklagte bis zur Beratung der Kammer machte, bleibt wenig übrig, als er mit einem zischenden „Sch….“ auf den Lippen den Saal verlässt.