Kaltenkirchen

A7: Hunderttausende Amphibien kommen unter die Räder

Der Wildschutzzaun steht schon an der A 7, sodass ein Amphibienzaun mit nur wenig Aufwand installiert werden könnte, meint Mirko Schütte vom Tennisclub an der Schirnau.

Der Wildschutzzaun steht schon an der A 7, sodass ein Amphibienzaun mit nur wenig Aufwand installiert werden könnte, meint Mirko Schütte vom Tennisclub an der Schirnau.

Foto: Wolfgang Klietz

Mirko Schütte befürchtet ein Massensterben an der Autobahn 7, wenn die Behörden nicht bis zum Frühjahr handeln.

Kaltenkirchen.  Wenn in den nächsten Monaten nicht 2000, vielleicht 3000 Euro investiert werden, kommt es zu einem „Massaker“, wie Mirko Schütte es schon mehrfach erlebt hat. Hunderttausende junge Amphibien werden sich im Frühjahr vom See im Kaltenkirchener Freizeitpark auf den Weg machen und irgendwann an die Autobahn 7 kommen. Dort steht ihr Schicksal fest. Sie kommen buchstäblich unter die Räder.

„Von den Tieren bleibt nichts übrig“, sagt Schütte, Vorsitzender des Tennisclubs an der Schirnau. „Das ist wirklich total traurig.“ Vor dem Ausbau der Autobahn auf sechs Spuren sei es vielen Fröschen und Lurchen noch gelungen, über die Fahrbahnen unter der Mittelleitplanke hindurch auf die andere Seite zu gelangen. Doch der Weg ist jetzt versperrt. Haben die Tiere unter Lebensgefahr die Hälfte der A 7 überwunden, kommen sie an den neuen Betonelementen in der Mitte nicht mehr weiter. „Früher hatten die Tiere noch eine kleine Chance zu überleben“, sagt Schütte. „Doch die gibt es jetzt nicht mehr.

Die grüne Armada kommt aus dem geschützten Biotop am Freizeitpark. Der See und Feuchtgebiete entstanden durch den Kiesabbau. Die Tiere können sich jetzt in Ruhe und ungestört entwickeln – zur Freude von Schütte und anderen Naturfreunden. Doch dann beginnt in jedem Frühjahr bei den Jungtieren die Odyssee auf der Suche nach einem neuen Lebensraum.

Viele Vereinsmitglieder haben bereits Tiere eingesammelt

Bis vor Kurzem führte der Weg über die acht Außenplätze des Tennisclubs, die sich unter dem Ansturm grün färbten. An Tennisspielen war zeitweise kaum zu denken, weil die Tiere die Flächen bedeckten. Zigtausende starben, wenn die heiße Sonne auf die Plätze schien und die Tiere sich nicht in den Schatten retten konnten. Viele Vereinsmitglieder schnappten sich vor den Spielen Eimer und sammelten die Amphibien ein, doch nie konnten alle gerettet werden. Besonders die Jugendlichen hätten sich sehr engagiert, sagt der Vereinsvorsitzende.

Um die Invasion und das Massensterben auf dem Vereinsgelände zu stoppen, haben Schütte und viele Vereinsmitglieder vor zwei Jahren einen 300 Meter langen Zaun gezogen und einen Krötenzaun installiert, den Frosch und Co. nicht überwinden können. „Damit haben wir jetzt Ruhe auf den Plätzen“, sagt Schütte. „Doch über die A 7 laufen sie immer noch.“

Er wunderte sich, dass das Problem der wandernden Frösche beim Ausbau der Autobahn nicht berücksichtigt wurde. Hunderte Millionen wurden nicht nur in die Verbreiterung von vier auf sechs Spuren investiert, sondern auch in die Ökologie. Haselmauspopulationen wurden aufwendig umgesiedelt, Schutzzäune für Kiebitze errichtet und gewaltige Wildbrücken gebaut. Nur an die Frösche bei Kaltenkirchen hat offenbar keiner der Planer gedacht.

Jetzt ist die Kreisverwaltung am Zug, eine Lösung zu finden

Beim ersten Massaker habe er die Planungsgesellschaft Deges informiert, die dem Bund und mehreren Bundesländern gehört, berichtet Schütte. Zwei Herren der Deges hätten sich die Situation vor Ort angesehen und Abhilfe versprochen. Doch geschehen sei seitdem nichts, klagt der Vereinsvorsitzende. Seit Mai 2019 hat er von der Deges nichts mehr gehört. Schütte geht davon, dass der Krötenschutzzaun und die Installation am bereits bestehenden Wildschutzzaun um die 3000 Euro kosten würde. Notfalls würde er einen Bagger beschaffen und mit Vereinsmitgliedern in Eigenleistung die etwa 30 Zentimeter hohe Barriere befestigen, sagt Schütte. „Die Deges hätte nicht einmal die Arbeit.“ Doch auch auf dieses Angebot sei die Gesellschaft nicht eingegangen. „Das ist wirklich kein großer Aufwand“, sagt Schütte. Steht der Amphibienzaun erst einmal, werde er mit einem Eimer die Tiere einsammeln und zu einem neuen Zuhause tragen. Er ist sicher, dass er dabei auf die Unterstützung der Club-Kinder zählen kann.

Wer wann die Frösche bei der Planung der Autobahn vergessen hat und warum nach dem Gespräch mit Schütte nichts passiert sei, könne man nicht mehr rekonstruieren, heißt es bei der Deges. Fest stehe außerdem, dass sie gar nicht zuständig ist.

„Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde des Kreises“, sagt Deges-Sprecher Christian Merl. „Wir werden unsererseits dem Hinweis nachgehen und die Behörde informieren. Wichtig ist eine ganzheitliche Lösung zum Schutz der Amphibien zu finden.“ Damit ist die Kreisverwaltung jetzt am Zug, ein weiteres Frosch-Massaker auf der Autobahn zu verhindern.