Norderstedt

Er will aus dem Schandfleck ein Wohnquartier machen

Projektentwickler Christian Laue vor dem „Moby Dick“. i

Projektentwickler Christian Laue vor dem „Moby Dick“. i

Foto: Michael Schick

Das Grundstück am Ochsenzoll-Kreisel ist seit Jahren ein Ärgernis am Eingang der Stadt. Ein Projektentwickler will das schon lange ändern.

Norderstedt.  Christian Laue schöpft Hoffnung. Sein Endlos-Projekt könnte doch noch Wirklichkeit werden. Seit zehn Jahren will der Projektentwickler Wohnungen am Ochsenzoll-Kreisel bauen und den städtebaulichen Schandfleck am Stadteingang nach Norderstedt aufhübschen – bisher vergeblich. Wo seit Jahren die ehemalige Party-Kneipe „Moby Dick“ verfällt, sich Gerümpel türmt und, wie Laue sagt, Menschen in die Ecken pinkeln, soll nach seinem Willen ein Haus mit 86 Wohnungen entstehen.

Die Stadtvertretung hatte das Vorhaben allerdings im Januar 2019 abgelehnt: zu viel Lärm, zu viele Abgase zum Wohnen, überdimensioniert, Bäume müssten fallen, die Verkehrssituation sei problematisch. Nun steht das Thema wieder auf der Tagesordnung. Am Donnerstag, 19. November, wollen die Politiker im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr über die Rahmenbedingungen diskutieren, die die Verwaltung für die Entwicklung der prominent gelegenen Fläche vorgibt (ab 18.15 Uhr, Rathaus).

Damit hält Baudezernent Christoph Magazowski Wort. Er hatte angekündigt, das Dauerprojekt wieder zum Thema zu machen. Zuvor hatte Laue mehrfach bei der Verwaltung nachgefragt, hörte nichts und warf den Fachleuten im Rathaus schließlich „Untätigkeit, abstrafende Behandlung und Ignoranz“ vor: „Die Wohnungen wären schon fertig und bewohnt am „Schmuggel-Park“, nahe dem U-Bahnhof Ochsenzoll – hervorragend am Schmuggelquartier gelegen“, beschwerte sich der Projektentwickler schriftlich beim Baudezernent. Statt die in Norderstedt dringend benötigten Wohnungen bauen zu können, müsse er Mietausfall und hohe Kosten verkraften. Etwa 180.000 Euro habe er bisher in Gutachten und Planung investiert.

Die Stadt macht potenziellen Bauherren Vorgaben

In der Vorlage für die Ausschusssitzung teilt die zuständige Stadtplanerin Laues Ansicht: Das Areal, das zum Gebiet des Bebauungsplans 336 gehört, komme seiner Funktion als attraktives Einfallstor nach Norderstedt keineswegs nach. Um das zu ändern und den Eingang in die Stadt aufzuwerten, gibt die Stadt einen Rahmen für Bauherren vor. An der Ecke Ochsenzoll-Kreisel und Langenhorner Chaussee soll ein Winkelbau als Lärmschutzriegel entstehen, der den Lärm von der Straße sowohl für die Bewohner als auch für den dahinter liegenden „Schmuggel-Park“ dämpft. Die Gebäudehöhe muss sich an der anschließenden Bebauung wie dem Sparkassenbau und an der Baumhöhe im Park orientieren. Vier Vollgeschosse lautet die Vorgabe, fünf können es als „städtischer Hochpunkt“ direkt an der Ecke zum Kreisel sein.

Die Hälfte der Wohnungen muss als Sozialwohnungen nach dem 1. und 2. Förderweg gebaut werden. Zur Baufläche gehört auch der Parkplatz, den jetzt vornehmlich Kunden der Geschäfte am Schmuggelstieg nutzen. Im hinteren Bereich begrenzen die Bäume das Wohngebäude. Laut Verwaltung ist nur eine gemeinsame Ein-und Ausfahrt zum Gebäude möglich, und zwar am südlichen Ende. Dort, wo die Zufahrt vom Kreisverkehr zur Langenhorner Chaussee endet, sollen die Bewohner nach rechts einfahren und nach rechts auf die Langenhorner Chaussee den Wohnkomplex wieder mit dem Auto verlassen. In den Flächenbereich gehört auch ein Renommierprojekt, mit dem die Metropolregion Hamburg die Mobilitätswende voranbringen will: der Radschnellweg. Fest steht schon, dass die Radler von Norden an der Schleswig-Holstein-Straße entlang fahren sollen. Der Weg endet am Kreisel, der allerdings aus mehreren Gründen als weiterer Streckenteil ausfällt.

Die Verwaltung will stattdessen die schon vorhandene Unterführung unter der Ohechaussee nutzen, an deren Ende allerdings Fahrstühle die Passanten wieder ans Tageslicht bringen. Von dort sollen die Radler vor dem geplanten Wohngebäude und dann weiter an der Langenhorner Chaussee entlang fahren.

16 Millionen Euro müssten in den Bau investiert werden

Der Projektentwickler begrüßt die Vorgaben der Verwaltung grundsätzlich, deckten sie sich doch weitgehend mit seinem Konzept, dort Wohnraum für 120 Menschen zu schaffen. Die Gegenargumente der Politiker stechen für Laue nicht: „Mit Dreifach-Verglasung und einer gut gedämmten Fassade bleibt viel Lärm draußen, die zulässigen Belastungswerte werden deutlich unterschritten.“ Außerdem würden die Wohn- und Schlafräume zum Park hin ausgerichtet. Auch die Abgase kämen nicht in die Wohnungen, Lüfteranlagen tauschten Frisch- gegen verbrauchte Luft.

Gut 16 Millionen Euro werde es kosten, den prägenden Wohnkomplex zu bauen, bei dem Christian Laue wegen der schwierigen Verkehrssituation auf Senioren als Bewohner setzt: Die verzichteten eher aufs eigene Auto, zumal der Weg zur U-Bahn und zum Einkaufen vom Ochsenzoll-Kreisel nicht weit sei. Bei flottem Start des Bauprojekts könnten die Wohnungen in zwei Jahren bezugsfertig sein.