Bad Segeberg

Karl-May-Spiele: Rassismusvorwürfe gegen Alexander Klaws

Dieses auf Instagram veröffentliche Foto ist der Stein des Anstoßes. Es zeigt Alexander Klaws als Winnetou und Thomas Gottschalk als Old Shatterhand.

Dieses auf Instagram veröffentliche Foto ist der Stein des Anstoßes. Es zeigt Alexander Klaws als Winnetou und Thomas Gottschalk als Old Shatterhand.

Foto: alexanderklaws83/Instagram

Auf Instagram erntet der Darsteller Kritik wegen seiner Winnetou-Rolle. Kalkberg GmbH weist Vorwürfe zurück.

Bad Segeberg. Eigentlich ein harmloses Foto: Alexander Klaws im Winnetou-Kostüm und Thomas Gottschalk im Old-Shatterhand-Dress. Beide reiten als Blutsbrüder durch den Westerwald und ließen das Zusammentreffen für eine TV-Show aufzeichnen, die am 29. Dezember unter dem Titel „Gottschalk holt’s nach“ in der ARD gesendet wird.

Alexander Klaws erhält kritische Kommentare bei Instagram

Nachdem der Segeberger Winnetou-Darsteller Alexander Klaws das Foto allerdings auf Instagram veröffentlicht hatte, gab es fast 400 Kommentare, einige wohlwollende, aber auch viele kritische. Dem Schauspieler, der Segeberger Kalkberg GmbH und der TV-Produktion werden Rassismus vorgeworfen.

„Ich weiß nicht, warum das 2020 noch durchgeht“, schreibt Instagram-User sa_vio, „dass ein weißer Mann einen Indianer-Häuptling spielen kann und auch noch mit ,Redfacing‘ durchkommt.“ 150-mal wurde dieser Beitrag geliked.

Instagram-User: "Redfacing" im Jahr 2020 unreflektiert

Die Fans bemängeln, dass die Produktion ausgerechnet Alexander Klaws als Titelfigur gewählt hat und mit Make-up nachhilft, um die Hautfarbe von Winnetou zu kreieren („Redfacing“). Sie hätten sich lieber einen dunkelhäutigen Schauspieler in der Rolle gewünscht. „Geht gar nicht“, schreibt s14n, „extrem unreflektiert sowas…“

Hanita_tomita schreibt: „Redfacing vom Feinsten. Wie kann es sein, dass ein Produktions-Team so etwas absegnen kann? Im Jahre 2020?! Und da tut Deutschland immer noch so, als wäre es in Hinsicht auf Rassismus besser als die USA. Ihr solltet euch schämen!“

Alexander Klaws wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe

Von einem anderen Instagram-User wird Klaws in Schutz genommen: „Wenn Schauspieler keine Rollen mehr spielen dürfen, ohne gleich als rassistisch bezeichnet zu werden, wird die Film- und Theaterwelt leer.“

Alexander Klaws wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe. „Fakt ist, dass es das Letzte war, irgendjemanden hier zu verletzen oder gar zu diskriminieren“, schreibt er auf Instagram und kündigt für die kommende Woche einen größeren Beitrag an.

Keine neue Diskussion für Segeberger Kalkberg GmbH

Für die Segeberger Kalkberg GmbH ist diese Diskussion nicht neu, sie flammt immer mal wieder auf. Das Hamburger Abendblatt hat Geschäftsführerin Ute Thienel um eine Stellungnahme gebeten. „Als Theater, in dessen Stücken das Thema Hautfarbe Jahr für Jahr auf der Bühne thematisiert wird, befassen wir uns natürlich sehr intensiv mit dieser Frage. Im vergangenen Jahr sagte Winnetou in ‚Unter Geiern‘ gleich bei seinem ersten Auftritt: ‚Sehen wir auf die Farbe der Herzen, nicht auf die Farbe der Haut.‘“

Das gelte auch in anderen Bereichen der Kunst. Ute Thienel erinnert daran, dass Ben Kingsley für seine herausragende Darstellung des Mahatma Gandhi den Oscar als Bester Hauptdarsteller bekommen hat. „Hätte er als Brite den indischen Freiheitskämpfer gar nicht spielen dürfen? Die Filmwelt wäre um einiges ärmer gewesen.“

Am Kalkberg werden alle Darsteller geschminkt

Bei der Suche nach einem Winnetou-Darsteller sei mit Alexander Klaws der beste Schauspieler für diese Rolle gefunden worden – wegen seiner „besonderen Aura, Magie und durchweg positiven Ausstrahlung“. Wegen seines schauspielerischen Könnens, seiner reiterlichen und sportlichen Fähigkeiten, seiner hochprofessionellen Berufsauffassung, seines liebenswerten Charakters und „weil er einfach gut in unser Team passt“.

Weder sein Teint, seine Haarfarbe noch die Reaktion seiner Haut auf Sonne hätten dabei eine Rolle gespielt. Ute Thienel betont zudem, dass die Aufführungen der Karl-May-Spiele seit Jahrzehnten ein Plädoyer für die nordamerikanischen Ureinwohner, aber auch für Frieden, Freundschaft und das harmonische Miteinander von Kulturen, Religionen und Menschen unterschiedlicher Hautfarben seien.

Symbolisiert werde all das durch Winnetou, der für diese Werte eintritt und am Ende dem Guten Seite an Seite mit seinem Blutsbruder Old Shatterhand zum Sieg verhilft. „Das alles ist natürlich ein Märchen. Wir stellen keine historische oder kulturelle Realität dar. Winnetou ist eine lediglich in der Wirklichkeit verankerte Fantasie-Figur.“

Karl-May-Spiele: Alle Darsteller werden geschminkt

Sie stellt auch klar, dass am Kalkberg in Segeberg alle Darstellerinnen und Darsteller geschminkt werden – auch die „weißen“ Westleute, die sich der Story nach entweder in der brennenden Sonne des Wilden Westens oder auch in Mexiko aufhalten – und das auch im grellen Scheinwerferlicht zeigen sollen. Die Farbe des Make-ups unterscheide sich dabei nicht. „Zwischen Black- beziehungsweise Redfacing und einem natürlich wirkenden, dezenten Bühnen-Make-up besteht, so finden wir, ein entscheidender Unterschied.“

Nach einer ähnlichen Diskussion im vergangenen Jahr hatte sich mit Robert Alan Packard ein Angehöriger der Sioux in South Dakota via Internet zu Wort gemeldet. „Überzogene politische Korrektheit ist das moderne Gift unserer Zeit“, betonte er und brachte seine Sympathie für die Karl-May-Spiele zum Ausdruck. „Die Bevormundung durch Außenstehende macht mich wirklich wütend.“