Kreis Segeberg

Nachhaltigkeit – Norderstedt, die „Essbare Stadt“

Das Anlegen von Blumen- und Gemüsebeeten im öffentlichen Raum ist ein Trend, dem sich nun auch Norderstedt anschließen will.

Das Anlegen von Blumen- und Gemüsebeeten im öffentlichen Raum ist ein Trend, dem sich nun auch Norderstedt anschließen will.

Foto: fotografixx / Getty Images

Verwaltung soll Konzept erarbeiten, wie der öffentliche Raum zum Anbau von Lebensmitteln genutzt werden kann.

Norderstedt .  Äpfel, Birnen und Kirschen direkt vom Obstbaum – Tomaten, Gurken und Erdbeeren im Hochbeet ernten: Was normalerweise fleißigen Gartenbesitzern vorbehalten ist, soll in Zukunft allen Norderstedtern ermöglicht werden. ,,Essbare Stadt“ lautet das Stichwort. Mit Streuobstwiesen, selbst angebautem Gemüse und Kräutern auf öffentlichen und privaten Flächen zur kostenlosen Ernte soll der Gemeinsinn der Bürger und die Artenvielfalt der Natur gestärkt werden .

Die Zahl der Städte, Gemeinden und Bezirke, die sich ,,essbar’’ nennen, steigt stetig. Im Jahr 2017 waren bereits über 140 Initiativen im Web zu finden. Vor zwei Jahren hat sich auch Norderstedt auf den Weg zur ,,Essbaren Stadt“ gemacht: Der Umweltausschuss stimmte damals einstimmig für einen Antrag der SPD, die Verwaltung zu beauftragen, ein Konzept zu erstellen und Maßnahmen zur Umsetzung zu prüfen und dem Umweltausschuss zu präsentieren. Jetzt kommt Schwung in die Sache: Die Stabsstelle Nachhaltiges Norderstedt hat im Umweltausschuss gezeigt, wie es geht und worauf es bei der Umsetzung der ,,Essbaren Stadt“ ankommt. Erfahrungen anderer Städte wurden einbezogen. Demnach sind Kooperationen mit Kitas und Schulen, Flexibilität bei der Flächenauswahl und finanzielle Unterstützung des Projekts durch die Stadt unerlässlich. Eine Arbeitsgruppe kümmert sich nun um die weitere Feinabstimmung des Konzepts.

Kräuter für alle gratis? Wie soll das gehen?

Umweltpolitiker von SPD und Grünen unterstützen das Vorhaben und machen Vorschläge. ,,Vorhandene Streuobstwiesen wie an der Grundschule Harkshörn könnten in die ,Essbare Stadt’ einbezogen werden“, sagt die umweltpolitische Sprecherin der SPD, Sybille Hahn. ,,Flächen neben Fahrradwegen, die ins Grüne führen, bieten sich dafür ebenfalls an.“

Für die Pflege der Pflanzen in Hochbeeten könnten Kitas, die sich bereits mit Biodiversität befassen, als Kooperationspartner gewonnen werden. Das Schulzentrum Süd arbeitet bereits mit dem Schmetterlingsgarten zusammen. Die Grundschule Glashütte bewirtschaftet eine Parzelle in einem Kleingarten. ,,So etwas könnte erweiteret werden“, sagt die SPD-Politikerin. Es gehe jetzt vor allem darum, ein Netzwerk aufzubauen und Kooperationen mit Schulen, Kitas und Nachbarschaftstreffs aufzubauen.

,,Die Stadt muss schauen, wo geeignete Flächen sind und für die Bepflanzung sorgen“, sagt Dagmar Feddern, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Umweltausschuss. Sie schlägt vor, die großen Wiesen vor dem Naturgarten im Ossenmoorpark als Obstwiesen mit einzubeziehen. Hochbeete auf dem Rathausplatz, von denen alle profitieren können, sind für sie ebenfalls denkbar. Kräuter für alle gratis? Wie soll das gehen? ,,Die Stadt muss für die Bepflanzung sorgen und zunächst die Pflege übernehmen. Später können das Privatleute und auch Kitas fortführen“, sagt die Grünen-Sprecherin.

Vom kommenden Frühjahr an Jahr an soll die ,,Essbare Stadt“ Wirklichkeit werden – und Norderstedt damit noch ein bisschen grüner.

In Deutschland gibt es mehr als 140 Initiativen

In der englischen Stadt Todmorden haben 2008 Pam Warhurst und Mary Clear das Konzept „edible City“ (Essbare Stadt“) entwickelt. Von dort hat sich der Ansatz für Ernährung und mehr Miteinander weltweit verbreitet.

Im Mai 2009 wurde in Kassel der Verein „Essbare Stadt“ gegründet. Kurz darauf startete auch Andernach nördlich von Koblenz als „Essbare Stadt“ – sie gilt als bundesweites Vorbild für den urbanen Acker. Die Pfälzer haben Beete angelegt und bepflanzt, unter anderem 100 Tomatensorten in die Erde gebracht. Motor des öffentlichen Anbaus war ein Mitarbeiter der Andernacher Stadtverwaltung, der als Verantwortlicher für das städtische Grün nicht mehr bereit war, Eisbegonien oder Tagetes zu pflanzen. Die 30.000-Einwohner-Stadt wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet .

Seit das Konzept der „Essbaren Stadt“ im Jahr 2014 auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt wurde, wächst die Zahl der Städte, Gemeinden und Bezirke, die sich essbar nennen, rapide an. Im Jahr 2017 waren bereits mehr als 140 solcher Initiativen im Internet zu finden.