Kolumne

Ein Spartopf für Feiertage – für die Zeit nach Corona

Kolumnist Jan Schröter schreibt das Quarantäne-Tagebuch.

Kolumnist Jan Schröter schreibt das Quarantäne-Tagebuch.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Kolumnist Jan Schröter schreibt das Quarantäne-Tagebuch und macht sich heute Gedanken zum Freizeitsparen.

Halloween fällt diesmal aus. Das empfiehlt jedenfalls die Familienministerin Franziska Giffey, weil das Ansteckungsrisiko beim Laufen von Tür zu Tür einfach zu groß ist.

Ich weiß zwar nicht, was man als Skelett, Zombie oder Wasserleiche noch von einem Virus zu befürchten hat, aber die Ministerin wird vermutlich Recht haben.

Okay, dann feiern wir nächsten Sonnabend eben nicht Halloween, sondern, wie früher, den Reformationstag. Gehen in die Kirche und schmettern Halleluja, bis die Aerosole aus den Gesangsbüchern tropfen.

Hmm. Wahrscheinlich auch keine gute Idee. Sehen wir der Tatsache ins Auge: Feiern sind nicht länger zeitgemäß. Nicht, solange Covid-19 die Runde macht. An Feiertagen sitzen wir jetzt brav daheim und konzentrieren uns darauf, uns nicht gegenseitig was zu husten. Was schon reichlich Disziplin erfordert, wenn in den immer gleichen Räumlichkeiten stets dieselben Leute aufeinander hocken – und bitte nicht mehr als zehn, demnächst sicher noch weniger, bis irgendwann jeder in einer virendichten Einzelzelle nur noch mit sich selbst redet.

Seien wir ehrlich: Auf solche Feiertage können wir verzichten. Warum tun wir das nicht? Ich finde, wir sollten.

Lasst uns alle Feiertage streichen, vom Reformationstag bis Weihnachten, von Neujahr bis Ostern. Sollte kein Problem sein, wir erleben momentan ja fast täglich, wie im Blitztempo Verbote, Gebote und Regeln etabliert werden.

Bevor man mich jetzt mit einem Shitstorm überzieht, sei angemerkt, dass in meinem Modell die gestrichenen Feiertage nicht verfallen, sondern sozusagen „angespart“ werden. Je später die Pandemie vorbei sein wird, desto mehr Feiertage sind im Spartopf.

Gleichzeitig wird jeder Haushalt dazu angehalten, all das Geld, was man sonst für Halloween-Süßigkeiten, Weihnachtsmarkt-Nippes, Geschenke und Ostereier ausgegeben hätte, ebenfalls zu sparen.

Mein Vorschlag wäre, dass Olaf Scholz später die angesparte Summe pro Haushalt um den Faktor „Zehn“ aufstockt. Was für eine Konjunkturspritze ergäbe das!

Man stelle sich vor: die Pandemie vorbei, alle kriegen ein paar Wochen Extra-Urlaub und haben die Taschen voller Geld. Kaufrausch, Dauerparty, jeden Tag Stimmung, aus den Masken nähen wir uns Bademode á la „Borat“ und tanzen darin auf den Straßen. Wer will, hängt gleich noch ein Sabbat-Jahr hintendran. Wäre das nicht fabelhaft?

Wir hätten es alle verdient. In Bad Bramstedt wurde das „Candle-Light-Shopping“ abgesagt. In Lübeck der Weihnachtsmarkt, wie in vielen Orten. Laternenumzüge fallen aus, es wird finster im Land. Und kein Mensch weiß, wann uns mal wieder ein Lichtlein brennt. Eine Pandemie lässt sich nicht davon beeindrucken, ob irgendwer dagegen protestiert. Aber man kann sie bekämpfen. Mit Selbstdisziplin, Zähigkeit und einer gehörigen Portion Demut. Das fällt nicht leicht. Doch etwas leichter, wenn man sich die Zeit vor Augen ruft, da es wirklich geschafft sein wird.

Wir holen alles nach. Jede Feier, jeden Urlaub, jedes Konzert, jeden Tanz. Machen Sie mit?