Verwaltung online

Kreis Segeberg startet kommunales Digitalisierungs-Projekt

Einen Antrag für die Kindertagespflege kann man bei der Kreisverwaltung jetzt ganz einfach online stellen.

Einen Antrag für die Kindertagespflege kann man bei der Kreisverwaltung jetzt ganz einfach online stellen.

Foto: Kreis Segeberg

Wer einen Antrag auf Kindertagespflege im Kreis Segeberg stellen will, muss jetzt nicht mehr zum Amt laufen.

Bad Segeberg.  In einer besseren Welt muss sich der Bürger für die Dienstleistungen des Staates nicht mehr in schlecht belüftete Wartezonen setzen und wertvolle Lebenszeit verbrauchen. Diese bessere Welt ist voll digitalisiert, ermöglicht jeden Service vom heimischen Sofa aus, bei Wahrung des Datenschutzes, versteht sich. Und genau hier liegt bei den meisten digitalen Dienstleistungen der Verwaltungen noch das Problem – technisch möglich wäre vieles. Datenschutzrechtlich erlaubt ist nur einiges. Und das ist auch gut so. Man will ja keine chinesischen Verhältnisse.

Die bürgernahe Online-Verwaltung wächst deswegen nur langsam – aber sie wächst. Zum Beispiel in Bad Segeberg. Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht und Landrat Jan Peter Schröder haben gemeinsam den Startschuss für die erste Freischaltung von Online-Diensten in Schleswig-Holstein aus dem Sozialbereich gegeben.

Digitale Anträge auf Kindertagespflege im Kreis Segeberg

Bürgerinnen und Bürger des Kreises Segeberg können in Zukunft die Anträge für den Bezug von Leistungen aus der Eingliederungshilfe für Minderjährige nach SGB IX und der Kindertagespflege nach SGB VIII online beantragen. Zudem stellt der IT-Verbund Schleswig-Holstein (ITV.SH) ein solches Verfahren ab diesem Zeitpunkt allen anderen Kommunalverwaltungen in Schleswig-Holstein zur Verfügung.

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Nun fragt sich vielleicht der eine oder andere Bürger: Wer braucht das? Wie relevant ist so eine Dienstleistung? Nun – laut Auskunft der Kreisverwaltung ist sie sehr relevant. Für das landesweite Pilotprojekt haben der Fachbereich Soziales, Jugend, Bildung und Gesundheit des Kreises, das Ministerium, Dataport und ITV.SH zusammengearbeitet. Wie die Leiterin des Fachbereiches Karin Löhmann erklärt, werden pro Jahr für beide Leistungen zusammen etwa 1300 Anträge gestellt, mit steigender Tendenz. „Das Online-Verfahren stellt eine erhebliche Entlastung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar“, sagt Löhmann. Aus Sicht von Landrat Schröder trägt das Online-Verfahren wesentlich zur Effizienzsteigerung der kommunalen Verwaltungen bei. „Ich wünsche mir, dass möglichst viele zuständige Sozialämter in Schleswig-Holstein auf diese neue Möglichkeit umstellen“, so Löhmann.

Minister: Onlinedienste machen Bürger "vom Bittsteller zum Kunden"

1300 Menschen, die bisher den Gang zum Amt machen mussten, können sich jetzt also einfach online einloggen und den Antrag zwischendurch erledigen. Und wenn noch mehr Kommunen und Kreise dem Beispiel demnächst folgen, werden Tausende in Schleswig-Holstein dazukommen. „Ich freue mich sehr, dass wir als Kreis Segeberg mit diesem Pilotprojekt einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur Digitalisierung kommunaler Leistungen beitragen können“, sagte Landrat Schröder am Montag anlässlich der Freigabe. Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht lobte: „Für alle, die bei ihrer Kommune einen Antrag stellen möchten, ist diese Freischaltung ein großer Gewinn und zugleich erhebliche Erleichterung. Ich freue mich daher, dass wir gemeinsam schon an der Digitalisierung sieben weiterer Verwaltungsleistungen arbeiten.“ Bürgernahe Angebote wie dieses zeigten, dass Schleswig-Holstein Vorreiter in der Digitalisierung sein könne, sagt Albrecht.

Zudem sei ein Onlinedienst wie dieser Ausdruck eines neuen Verhältnisses zwischen Staat und Bürger: „So versteht sich der Staat zunehmend als serviceorientierter Dienstleister, während der Bürger vom Bittsteller zum Kunden wird“, sagt der Digitalisierungsminister.

"Engagierte Kommunen treiben Digitalisierung der Verwaltung voran"

Der Geschäftsführer des ITV.SH, Philipp Willer, ergänzte, dass der IT Verbund die notwendigen Anpassungen in den Onlinediensten für die Übertragung auf andere Kommunalverwaltungen kurzfristig leisten könne und im Zuge der Nachnutzung dieses priorisiert angeht. „Die meisten Verwaltungsleistungen für die Bürger erbringen die Kommunen vor Ort“, sagte Torsten Koß, Vorstand „Digitale Transformation“ bei Dataport.

„Indem sie ihre Dienstleistungen online bereitstellen, treiben engagierte Kommunen wie der Kreis Segeberg die Digitalisierung der Verwaltung voran. Als kommunaler IT-Dienstleisterunterstützen wir sie dabei, indem wir sie im gesamten Prozess der Konzipierung und Entwicklung der Online-Dienste mit unserem Know-how begleiten – bis hin zum Betrieb der fertigen Online-Dienste auf unserer Online-Service-Infrastruktur.“