Rätsel

Ein Wunder der Antike, gefertigt aus Kriegsschrott

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. In unserem heutigen Denksport-Rätsel geht es um ein Bauwerk, das einem Erdbeben zum Opfer fiel.

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen.


Um 305 v. Chr. saß man auf Rhodos zwischen allen Fronten. Die Rhodier waren vermögend und betrieben eine beachtliche Handelsflotte, was die Gier vieler Neider weckte. Neben dem noch jungen Römischen Reich waren dies vor allem die Seleukiden. Deren Herrscher Demétrios ließ seine Truppen vor den Mauern von Rhodos aufmarschieren. Demétrios schmückte sich mit dem programmatischen Beinamen Poliorketés – „der Städtezertrümmerer“.

Die belagerten Kaufleute zogen alle Register ihres Verhandlungsgeschicks. In ihrer Stadt stand ein Denkmal des Demétrios und dessen Vaters. Man erklärte sich generös bereit, das Kunstwerk unbeschädigt zu lassen. Im Gegenzug versprachen die Angreifer, Gefangene weder zu töten noch zu versklaven. Der „Städtezertrümmerer“ war sich des Sieges ohnehin sicher, befand sich doch in seiner Ausrüstung ein hochmodernes High-Tech-Monster: ein seilgezogener, fahrbarer Turm, mittels dessen seine Männer die Stadtmauer übersteigen würden wie ein Weidegatter. Feixend brachten die Seleukiden die Maschine in Position. Doch dann bewiesen die Rhodier, dass versierte Kaufleute selbst mit Exkrementen gute Geschäfte machen. Sie entleerten schwallweise den gesammelten Inhalt ihrer Kloake auf den anrollenden Angriffstrupp. Das schwere Gerät zeigte sich dem antiken Elchtest nicht gewachsen, geriet auf schleimiger Fahrbahn ins Schleudern und zerschellte – Ende des Angriffs, man einigte sich. Demétrios rückte unter Zurücklassung des martialischen Schrotthaufens ab.

Die aufatmenden Rhodier gaben umgehend beim renommierten Bildhauer Chares von Lindos eine Monumentalstatue zu Ehren ihres Stadtheiligen Helios, dem Sonnengott, in Auftrag. Chares benutzte die Buntmetalle aus dem Kriegsschrott als Metalllegierung für die 32 Meter hohe, innen hohle Statue, ein wahres Weltwunderwerk. Das weithin sichtbare Monument diente der Götterverehrung und als Seefahrts-Orientierungshilfe, obwohl es nicht, wie in späteren Jahrhunderten oft dargestellt, spreizbeinig über der Hafeneinfahrt stand. Der Riesen-Helios war kein Standbild für die Ewigkeit. 224 v. Chr. fiel er einem Erdbeben zum Opfer – irgendwann kippt alles, was zu groß ist.


Unter welcher Bezeichnung ging das Monument in die Weltgeschichte ein? Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der Montagausgabe suchten wir den Namen eines Schiffes. Gemeint ist die „Lusitania“.