Kreis Segeberg

Bau der S-Bahn nach Kaltenkirchen verzögert sich

Bis eine S-Bahn wirklich nach Kaltenkirchen fahren wird, wie auf dieser Fotomontage, wird es wohl noch dauern.

Bis eine S-Bahn wirklich nach Kaltenkirchen fahren wird, wie auf dieser Fotomontage, wird es wohl noch dauern.

Foto: DB / dpa,Montage: Thorsten Ahlf

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz räumt Probleme bei der Planung der Linie zwischen Quickborn und Kaltenkirchen ein.

Kreis Segeberg/Kiel.  Hätten die Politiker der Landesregierung im Jahr 2015 Recht behalten, wäre die S-Bahnlinie nach Quickborn, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen in diesem Jahr eröffnet worden. Bekanntlich ist daraus nichts geworden, vielmehr drohen dem Projekt weitere Verzögerungen. Minister Bernd Buchholz (FDP) räumte am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Landtages ein, dass das Planfeststellungsverfahren für das Projekt länger als gedacht dauern wird. „Die Verzögerungen sind nicht unerheblich“, sagte er und bestätigte damit Berichte des Hamburger Abendblatts und von nahverkehrhamburg.de.

Damit verschiebt sich der Zeitplan ein weiteres Mal. Inzwischen ist das Verkehrsministerium in Kiel nicht mehr sicher, dass – wie bislang behauptet – spätestens im Januar 2022 der Planfeststellungsbeschluss gefasst ist. „Ob das gelingt, ist ein bisschen zweifelhaft“, sagte Buchholz. Verzögert sich der Termin, wäre auch die geplante Inbetriebnahme im Dezember 2025 nicht mehr sicher.

Buchholz deutete im Ausschuss mehrfach an, dass diese Termine nicht gehalten werden können. Die Gründe sind nach seinen Angaben die Probleme bei den Erörterungsterminen wegen der Corona-Pandemie und die hohe Zahl der Einwendungen von betroffenen Bürgern und dass damit zu erwartende Risiko, dass es zu Klagen gegen das Projekt kommt.

Die größten Konflikte sind im Bereich Ellerau zu erwarten, wo sich Anwohner der Bahnlinie gegen den Streckenausbau wehren. Die Landesregierung hat alle Grundstückseigentümer an der Strecke angeschrieben, um mit ihnen über Verkäufe zu verhandeln. Doch nur zehn Prozent hätten geantwortet, sagte Buchholz.

Das Verfahren dauert – und die Dokumente sind veraltet

Die Planer hatten bereits vor Jahren beschlossen, wegen der zu erwartenden Proteste auf einen zweigleisigen Ausbau in Ellerau zu verzichten und damit das Verfahren zu beschleunigen. Dieser Plan habe jedoch nicht funktioniert, sagte Buchholz. Tatsächlich mussten wegen des neuen Konzepts große Teile der Planfeststellung von vorn beginnen. Die Folge war keine Beschleunigung, sondern eine Verzögerung. Hinzu kommen sehr hohe Kosten für den Lärmschutz im Bereich Hasloh und Bönningstedt.

Da das Verfahren bereits seit 2015 andauert, sei es denkbar, dass manche Dokumente mittlerweile veraltet seien und neu erstellt werden müssen. „Wir könnten in Schwierigkeiten kommen“, sagte der Minister.

Optimistisch zeigte sich Buchholz hingegen, eine Einigung mit dem Land Hamburg über die S-Bahnzüge zu erzielen. Die Kaufoption beim Hersteller endet im Mai 2021, bis dahin müssen die Fahrzeuge bestellt werden. Andernfalls drohen deutliche Kostensteigerungen im zweistelligen Millionenbereich. Außerdem deutete der Minister an, dass der Bund seinen Anteil an den Kosten von 60 auf 75 Prozent erhöhen wird. Den Rest übernehme Schleswig-Holstein zu 75 und Hamburg zu 25 Prozent. Das entspricht den jeweiligen Anteil an der Streckenlänge in den beiden Bundesländern. „Gespräche mit dem Bund stehen an“, sagte Buchholz im Ausschuss.

Der Kosten-Nutzen-Faktor darf nicht unter Eins fallen

Dass der Bund zahlen wird, hält der Minister für sicher. Der Kosten-Nutzen-Faktor muss über Eins liegen, derzeit liegt er bei 1,9. Das bedeutet, dass jeder investierte Euro einen Nutzen von 1,9 Euro bringt. Auch der hohe Kostenaufwand für den Lärmschutz in Hasloh und Bönningstedt werde an einem positiven Faktor voraussichtlich nichts ändern. Falle der Faktor jedoch unter Eins, werde der Bund nicht zahlen. In diesem Fall wäre das Projekt beendet.

Die immer neuen Verzögerungen bei Planung und Bau der S-Bahn sorgen in den Kommunen an der Strecke seit Jahren für erhebliche Kritik. Die Bürgermeister reagieren mit Unverständnis und Empörung. Die ersten Konzepte für eine S-Bahn, die auf der bestehenden AKN-Trasse fährt, sind bereits Jahrzehnte alt. Verantwortlich für Planungen ist das Eisenbahnunternehmen AKN.