Norderstedt

Feinkost Popp ist seit 100 Jahren in aller Munde

Die Urzelle des Unternehmens: Das erste Geschäft 1920 in Dresden.

Die Urzelle des Unternehmens: Das erste Geschäft 1920 in Dresden.

Foto: Feinkost Popp

Wie Walter Popp aus Dresden in Kaltenkirchen mit Kartoffelsalat und Co einen der größten Anbieter von Feinkost in Deutschland aufbaute.

In diesen Zeiten feiert man nicht groß Geburtstag. Nicht einmal den 100. und auch dann nicht, wenn der Jubilar in ganz Deutschland bekannt und buchstäblich in (fast) aller Munde ist. Das betagte Geburtstagskind heißt Popp Feinkost, hat seinen Sitz in Kaltenkirchen und musste auf das geplante große Straßenfest mit Hunderten Gästen und Köstlichkeiten wegen der Corona-Pandemie verzichten.

Dennoch werden viele Kunden bemerken, dass 2020 für die Feinkost-Spezialisten ein besonderes Jahr ist: Walter Popp ist wieder da, zumindest virtuell. Der Gründer des Unternehmens erscheint auf Verpackungen und in Werbespots, inklusive der zeitgenössischen pomadigen Frisur, schmalem Bärtchen und mit strenger Brille, aber in bester Laune zum Geburtstag. Der alte Herr soll für Traditionsbewusstsein und hohe Qualität stehen.

Der Geschmack der Kunden ist die Konstante bei Popp

Noch immer arbeiten zwei Popps im Unternehmen. Vertriebsleiter Walter Popp und Enkel des Gründers sowie sein Sohn Hauke Popp, Fachmann im Marketing. Er kann sich kaum noch vorstellen, wie damals in einer kleinen Manufaktur in Tontöpfen die Leckereien zusammengerührt wurden, die heute in Kaltenkirchen industriell und unter strengsten Hygienebedingungen produziert werden.

Doch es gibt eine große Konstante in der Geschichte: der Geschmack der Kunden. Heute wir vor 100 Jahren heißen die beliebtesten Produkte Kartoffelsalat, roter Heringssalat, Eiersalat. „Das sind die Klassiker bis heute“, sagt Hauke Popp.

Die Geschichte des Feinkost-Hauses begann vor 100 Jahren in Dresden, als Urvater Popp nicht länger als Beamter arbeiten wollte, sondern den Spaß an Lebensmitteln entdeckte. Mayonnaise muss auch Eiern und zu mindestens zu 80 Prozent aus Öl bestehen, wusste Walter Popp schon damals.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs lagen Dresden und damit auch Popps Unternehmen in Trümmern. Er schlug sich zu seiner Schwiegermutter nach Kaltenkirchen durch und eröffnete im Haus Markt 6 ein Geschäft.

Schnell ging es mit den Geschäften rasant bergauf: 1954 entstand die erste Popp-Fabrik an der Alvesloher Straße, Edeka kam als Kunde hinzu. 1959 arbeiteten schon 400 Menschen im Betrieb. 1970 produzierte Popp 130 unterschiedliche Artikel. Urgroßvater Popp konnte dem Gedeihen seines Unternehmens zufrieden zusehen. Er starb 1982 in Kaltenkirchen. „Popp ist ständig gewachsen“, sagt Hauke Popp über die Firma, die seit 1988 zum Familienunternehmen Wernsing Food Family gehört. Letztes Jahr betrug das Wachstum satte 30 Prozent. Den großen Erfolg verdankt das Unternehmen immer noch Kartoffelsalat und Co., nicht Bruschetta, veganer Feinkost und Bio-Produkten, die längst auch zum Sortiment gehören.

Zu den seit 100 Jahren unverändert beliebten Klassikern im Sortiment kommen ständig neue Produkte hinzu, und viele verschwinden auch wieder. „75 Prozent der Innovationen sind Flops“, sagt Philip Harland, einer der beiden Geschäftsführer. So kam der Biogemüsebrotaufstrich im Laden nicht an. Dass Produkte für viel Geld und Aufwand entwickelt, auf den Markt gebracht, vom Verbraucher aber nicht akzeptiert werden, gehört für Harland zum Geschäft. Die Erfolgsquote von 25 Prozent ist üblich im Feinkostgeschäft. Gleichzeitig verlange der Markt stetig nach neuen Produkten.

Heute beliefert Popp neben Edeka alle großen Einzelhandelsketten und spürt, dass das Corona-Virus auch das Feinkostgeschäft beeinträchtigt. Zwar essen die Menschen mehr zu Hause als vor der Pandemie, doch damit sind die Rückgänge in der Gastronomie nicht aufzufangen, sagt Harland.

Trotz dieser Rückschläge steht für ihn fest, dass Popp weiter wachsen will. Dafür investiert die Firma kräftig in die Werbung. Seit 2017 tritt Popp als Sponsor der HSV-Fußballprofis auf und zeigt sein Logo auf den Trikots. Außerdem plane das Unternehmen Investitionen am Standort Kaltenkirchen und hat ein weiteres Gelände im Gewerbegebiet im Süden der Stadt gekauft. Wann dort gebaut wird, ist allerdings noch offen.

Fest steht hingegen, dass Popp für die Zukunft verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen will und zum Beispiel klimaneutral hergestellte Produkte verwendet, deren Verpackungen aus nur einem Kunststoff bestehen und daher besonders gut zu recyceln sind.

Popp beschäftigt mehr als 400 Menschen und präsentiert im Jubiläumsjahr Spezialitäten, von denen Walter Popp vermutlich nicht einmal geträumt hat: Humus und Guacamole. Vielleicht gehören sie in 100 Jahren ebenfalls zu den Klassikern.