Kreis Segeberg

Aus Frust – Mann fackelt Unterkunft für Asylbewerber ab

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Verteidigung auf Abstand: Rechtsanwalt Carsten Kerschies (links) kann sich nur über Dolmetscher mit seinem Mandanten (rechts) verständigen.

Verteidigung auf Abstand: Rechtsanwalt Carsten Kerschies (links) kann sich nur über Dolmetscher mit seinem Mandanten (rechts) verständigen.

Foto: Thomas Geyer / geyer

Der Afghane schweigt beim Auftakt seines Prozesses vor dem Landgericht in Kiel.

KIEL/HÖGERSDORF.  Sechs Monate nach der Zerstörung einer Flüchtlingsunterkunft in Högersdorf muss sich ein Asylbewerber aus Afghanistan wegen schwerer Brandstiftung vor dem Kieler Landgericht verantworten. Der 22 Jahre alte Angeklagte soll das Gebäude „aus Verärgerung, dass er noch keine Wohnung zugewiesen bekommen hatte“, angezündet haben, so der Vorwurf.

Nach den Worten von Staatsanwältin Gesine Ohst steckte der Bewohner in der Nacht zum 24. April ein Sofa und eine Matratze in einem Gemeinschaftsraum in Brand. Der Angeklagte habe beabsichtigt, die von zwölf Personen unterschiedlicher Nationalitäten bewohnte Unterkunft am Dorfplatz zu zerstören, weil er dort nicht mehr leben wollte. Zur Tatzeit hielten sich dort elf Personen auf, darunter eine Familie mit vier Kindern. Für das mutmaßliche Tatmotiv gibt es offenbar so stichhaltige Hinweise, dass ein Haftrichter den Angeklagten schon am Tag nach dem Brand wegen dringenden Tatverdachts in U-Haft schickte. Mitbewohner sollen beobachtet haben, wie der 22-Jährige zur Tatzeit durchs Haus lief. Sie stehen auf der Zeugenliste, die das Gericht während des voraussichtlich sechstägigen Prozesses abarbeiten will. Bisher bestritt der Angeklagte den Vorwurf. Sein Strafverteidiger Carsten Kerschies (Hamburg) kündigte eine schriftliche Erklärung für kommenden Freitag an.

Die Anklage wirft dem jetzt wohnsitzlosen Asylbewerber auch gefährliche Körperverletzung vor: Drei Bewohner erlitten bei dem Brand, der das Obergeschoss und das Dach in voller Ausdehnung erfasste, eine Rauchgasvergiftung. Die Betroffenen benötigten ärztliche Versorgung, hieß es. Ansonsten hatten die zur Tatzeit gegen 2.50 Uhr schlafenden Bewohner der Unterkunft großes Glück: Sie wurden rechtzeitig von einem Zeugen geweckt und konnten alle gerettet werden. Gerettet wurden auch die Bewohner eines unmittelbar benachbarten Kinderheims. Die Bewohner beider Einrichtungen wurden im nahe gelegenen Dorfhaus von Rettungskräften betreut, so der Bericht eines Polizeibeamten. Bis zu 130 Feuerwehrleute bekämpften den Brand der zum Wohnhaus umgebauten Holzscheune. Übrig blieb nur noch eine Ruine. Eine Kripobeamtin schätzte den Schaden auf 500.000 Euro. Im Fall einer Verurteilung muss der Angeklagte mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes ermittelt.

( gey )

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