Kreis Segeberg

Das süße Leben hat einen Namen – Café Elend

Das Bornhöveder Erfolgs-Trio:Jürgen-Dieter Elend, Tochter Christiane Elend-Langeloh (r.) und Gesellin Franzi Gumps

Das Bornhöveder Erfolgs-Trio:Jürgen-Dieter Elend, Tochter Christiane Elend-Langeloh (r.) und Gesellin Franzi Gumps

Foto: Bianca Bödeker/Privat / Bödeker/Privat

Die Konditorei in Bornhöved besteht seit 70 Jahren. Konditormeister Jürgen-Dieter Elend will auch noch in zehn Jahren in der Backstube stehen.

Bornhöved.  Ein Zitronentörtchen ist immer dabei. Da gibt’s für Frank Schwartz gar kein Vertun. Regelmäßig nach dem Shoppen im Designer-Outlet Neumünster geht’s für den 50-Jährigen zum Schlemmen ins Konditorei-Café Elend am Alten Markt 8 in Bornhöved. Heute nicht mit Ehefrau Anja, sondern mit den Kindern Lara (19) und Paul (15). Durch seine Kundschaft sei er auf die Konditorei, die in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, gekommen. „Hier ist es so fein. Von solchen Cafés gibt’s nicht mehr viele“, sagt der Kaufmann aus der Nähe vom Timmendorfer Strand und nimmt mit dem Nachwuchs auf den gepolsterten Flechtstühlen am gemütlichen Cafétisch Platz.

Die Vitrine im Verkaufsraum ist gut gefüllt – mit mehr als 20 Torten und Kuchen. Seit 9 Uhr ist das Trio, zu dem die Konditormeister Jürgen-Dieter Elend (73) und Tochter Christiane Elend-Langeloh (40) sowie Junggesellin Franzi Gumps (21) gehört, in der Backstube für kulinarische Spitzenleistungen im Einsatz.

Franzi, so Jürgen-Dieter Elend, passe perfekt in den Familienbetrieb. Ihre Liebe zum Backen hat die Pinnebergerin zu ihrem Beruf gemacht. Fünf Tage pro Woche pendelt sie die einstündige Strecke zwischen Heimatstadt und Arbeitsplatz. Sie tut’s gern, denn: „Hier wird nicht auf Quantität, sondern auf Qualität gesetzt“, sagt Franzi Gumps. „Wir nehmen frisches Obst, richtige Eier, echte Zitronen, die wir für die Käsesahne frisch abreiben und für die Zitronenrolle frisch auspressen. Diesen ganzen Tütenquatsch gibt es hier nicht. Hier wird das Handwerk noch gelebt.“

Und das hat seinen Ursprung im Jahr 1950 in Bornhöved, Am Alten Markt. Dort, wo ursprünglich Jürgen-Dieter Elends Großeltern bis 1928 eine Schlachterei führten, eröffnet sein Vater, der lieber Konditor werden wollte, vor 70 Jahren die Konditorei. 1968 kommt Sohn Jürgen-Dieter, der zuvor seine Ausbildung in Neumünster absolvierte, hinzu und übernimmt 1991 den Betrieb. Die Freude am Beruf ist bis heute geblieben. Die Sieben-Tage-Woche auch. „Ich bin immer da“, sagt Jürgen-Dieter Elend und hört sich dabei nicht unglücklich an. Das Geschäft sei sein Leben. Wenn er hinter der Vitrine steht und bedient, habe er sein Ohr stets an den Kunden. Um Inspirierendes über die unterschiedlichen Geschmäcker zu erfahren. Und dann zu experimentieren, sprich neue Torten zu kreieren.

„Ob ich im Auto unterwegs bin oder morgens wach im Bett liege – mir fällt immer was ein“, sagt er. Nach der Eingebung geht’s auch gleich in die Backstube, um die kulinarischen Ideen auszuprobieren. Wie zum Beispiel die „Juliatorte“. „Eine Windbeuteltorte mit Kirschen und Sahne“, sagt Jürgen-Dieter Elend, nicht ohne mit einer kurzen Anekdote für Heiterkeit zu sorgen: „Meine achtjährige Enkelin Julia stand mal neben mir und beobachtete mich, während ich bediente. ‚Opa, wie heißt die Torte?’, fragte sie interessiert. ‚Ach, du’, antwortete ich, ‚das weiß ich nicht. Die habe ich gerade erst gemacht.’“ Kurzum wurde Julia zur Namensgeberin der Torte auserkoren. Die Geschichte habe er immer wieder gern seinen Kunden erzählt und sie damit auf den Geschmack gebracht. So heißt es immer öfter vor dem Tresen: „Bitte einmal die Torte von ihrer Enkelin.“

Kontinuierlich an der Qualität zu arbeiten, sei das gemeinsame Ziel des kulinarischen Trios. „Wir sind in den vergangenen 20 Jahren immer besser geworden“, sagt Jürgen-Dieter Elend. Spricht’s und läuft in die Backstube. Kommt zurück mit einem Probierlöffel und reicht ihn der Reporterin. „Wir haben eben eine Schokoladensahne angesetzt. Die ist jetzt schon kalt. Nur mal probieren. Mögen Sie die?“ „Und wie! Die ist so leicht und schmeckt nach mehr!“ „Lecker, ne?“ sagt der Chef und strahlt übers ganze Gesicht.

Kunden fragen immer öfter nach dunkler Schokolade

Apropos leicht. „Hüftgold“ war gestern. Bewusster genießen ist heute. „Wir haben über die Jahre den Zucker reduziert“, sagt Christiane Elend-Langeloh. Nicht nur das: Auch Allergiker und Tortenfans mit Laktoseintoleranz müssen im Café Elend nicht auf den Genuss verzichten. Auf dem Vormarsch ist dunkle Schokolade. Florentiner oder Nussknacker beispielsweise werden in der Backstube mittlerweile überwiegend in der herben Variante produziert. Weil immer mehr Kunden es so wünschen.

Das Café füllt sich. Franzi Gumps bringt eine Wiener Rolle mit Marzipan und einen Blätterteigkringel samt zwei Tassen Kaffee an den Tisch zu Elke Kliem (80) und Renate Dittmer (79) aus Neumünster. Die beiden in Schwarz gekleideten Damen kommen soeben von einer Trauerfeier aus Trappenkamp. Im Café Elend wollen sich die langjährigen Freundinnen nun das Leben versüßen. Renate Dittmer macht hier bereits seit vielen Jahren ihren kulinarischen Einkehrschwung. „Weil es heimelig ist, so wie früher.“ „Ein Café Wiener Art“, ergänzt Freundin Elke, die heute zum ersten Mal das Tortenparadies in Bornhöved kennenlernt. „Es ist wirklich ganz zauberhaft, vor allem mit dem Wintergarten.“

Jürgen-Dieter Elend ist sich sicher: Bleibt er gesund, wird er auch noch in zehn Jahren in genussvoller Mission in Backstube und hinterm Tresen stehen. „Ich werde hoffentlich mal so aus der Backstube getragen.“ Zu Enkel Niklas (7) habe er kürzlich gesagt: „Du musst Konditor werden.“ „Nein Opa, ich will erst Künstler werden“, hätte dieser geantwortet. Dann würde er morgens zunächst zwei Bilder malen – weil man damit ja mehr verdiene – und hinterher die Torten machen. Na, da muss der Großvater wohl noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten...

Familie Schwartz macht sich auf den Heimweg. Und hält vorher noch mal am Tresen inne. Ein bunt gefülltes Kuchentablett muss unbedingt mit für zu Hause. Nicht fehlen darf ein Zitronentörtchen. Dieses kulinarische Träumchen ist ja bekanntlich immer dabei.