Alten- und Pflegeheim

Corona-Ausbruch in Tangstedt

Das Alten- und Pflegeheim Sommer an der Dorfstraße 10 in Tangstedt.

Das Alten- und Pflegeheim Sommer an der Dorfstraße 10 in Tangstedt.

Foto: Thorsten Ahlf

Sieben Bewohner und sechs Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheims Sommer wurden positiv getestet. Auch Norderstedt ist betroffen.

Tangstedt/Norderstedt.  Im Alten- und Pflegeheim Sommer in Tangstedt ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Nach Abendblatt-Informationen sind sieben Bewohner sowie sechs Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden, derzeit befinden sich alle Betroffenen in Quarantäne. „Da ein Großteil der Angestellten derzeit nicht arbeiten kann, wurde in Abstimmung mit der Heimaufsicht eine Zeitarbeitsfirma eingeschaltet, um die Versorgung der Bewohner zu gewährleisten“, sagt Michael Drenckhahn, Sprecher des Kreises Stormarn, zu dem Tangstedt gehört. Nach ersten Einschätzungen hat eine infizierte Pflegekraft das Virus übertragen. Bereits am Freitag war es zu dem ersten Corona-Fall im Alten- und Pflegeheim gekommen, danach wurden bei allen Bewohnern und Mitarbeitern Testungen durchgeführt.

Besonders brisant: Da das Haus Sommer insolvent ist, wird es Ende November geschlossen, die Bewohner müssen in andere Einrichtungen verlegt werden. Von zuletzt 30 Senioren im Alten- und Pflegeheim sind bereits 21 in andere Häuser umgezogen. Ob sich einer von ihnen noch vor dem Umzug in Tangstedt infiziert hat und das Virus in die neue Einrichtung eingeführt hat – das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. Fest steht jedoch, dass auch eine Bewohnerin des Hauses zum Steertpogg in Norderstedt inzwischen positiv auf das Virus getestet wurde. In dieselbe Einrichtung waren bereits einige Tangstedter verlegt worden.

Corona-Ausbruch: Betroffener Wohnbereich geschlossen

Das Unternehmen Korian, das das Norderstedter Heim betreibt, bestätigte, dass es einen positiven Covid-19-Fall gebe: „Die betroffene Bewohnerin kam aus dem Haus in Tangstedt zu uns und befindet sich derzeit aus anderen gesundheitlichen Gründen im Krankenhaus“, heißt es in einer Pressemitteilung. Für die Aufnahme der neuen Bewohner und Bewohnerinnen sei ein spezielles Schutzkonzept erstellt und mit den Behörden abgestimmt worden. Dieses sehe vor, dass alle neu aufgenommenen Bewohner getestet werden. Der Test der nun erkrankten Bewohnerin sei bei der Aufnahme negativ gewesen. „Nachdem wir informiert wurden, dass die Bewohnerin im Krankenhaus positiv getestet wurde, haben wir alle notwendigen Schutz- und Hygienemaßnahmen getroffen. Der betroffene Wohnbereich wurde sofort für Besucher geschlossen und nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt. Seitdem gelten nochmals schärfere Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die Bewohner und Bewohnerinnen erhalten zweimal täglich Temperaturkontrollen. Das Personal trägt die vorgeschriebene Schutzkleidung.“

Unterdessen hat sich am Dienstag der Planungs- und Umweltausschuss mit dem Alten- und Pflegeheim beschäftigt. Da in der letzten Sitzung des Gemeindeausschusses keine Einigung bezüglich eines geplanten Neubaus erzielt werden konnte, ging das Thema zurück an den Planungs- und Umweltausschuss.

Neubau des Heims geplant

Zum Hintergrund: Wie berichtet hat die Gesellschaft für Wohnkonzepte (GWK) aus Seelze in der Region Hannover das Areal an der Dorfstraße mit dem alten Gebäude erworben und plant dort einen Neubau. Die Zahl der Bettenplätze soll sich von derzeit zirka 40 auf 90 mehr als verdoppeln. Eine hierfür benötigte Änderung des B-Plans hatte in der jüngsten Gemeindevertretung jedoch keine Mehrheit gefunden, da es unter anderem Kritik an der Größe sowie dem Standort, der unzureichenden Parkplatzsituation sowie ungeklärte Fragen hinsichtlich des Lieferverkehrs gab.

Noch bevor der Punkt im Planungs- und Umweltausschuss offiziell behandelt wurde, äußerte Bürgermeister Jürgen Lamp (CDU) seine persönliche Meinung: „Tangstedt braucht ein Seniorenheim! Und zwar möglichst ein Größeres!“ Er habe in den vergangenen Wochen viele Rückmeldungen von Bürgern bekommen, die mit dem bisherigen Vorgehen der Politik nicht einverstanden seien. Das Problem: Rein rechtlich darf die Gemeindevertretersitzung erst wieder in sechs Monaten über den B-Plan abstimmen – es sei denn, ein Drittel der 21 Gemeindevertreter beantragt, dass das Thema vorab wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird. Die CDU will einen entsprechenden Antrag vorlegen.

Auf der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am Dienstag warb der Investor, die Gesellschaft für Wohnkonzepte, für den geplanten Neubau mit 90 Plätzen. Bisher gab es im Haus Sommer 40 Plätze, 30 davon waren zuletzt belegt. Kleine Einheiten seien so teuer, dass sie von den Otto-Normal-Bürgern nicht bezahlt werden könnten, so die Erklärung der GWK, die trotz der Kritik an ihren Plänen festhält. Ein Betreiber ist bereits gefunden: die Fontiva Unternehmensgruppe aus Potsdam, mit der die GWK nach eigenen Angaben bereits einen Pachtvertrag abgeschlossen habe. Laufzeit: 25 Jahre.