Pandemie

Der Kreis Segeberg hat die Corona-Lage im Griff

Constanze Betker, Gesundheitsaufseherin beim Infektionsschutz in Bad Segeberg: Sie und ihre Kollegen verfolgen die Infektionsketten.

Constanze Betker, Gesundheitsaufseherin beim Infektionsschutz in Bad Segeberg: Sie und ihre Kollegen verfolgen die Infektionsketten.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Obwohl die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 steigt, kommt das Gesundheitsamt noch nicht an seine Leistungsgrenze.

Kreis Segeberg.  Die Zahl der Corona-Infizierten steigt auch im Kreis Segeberg. Aktuell gibt es 617 nachgewiesene Fälle, 70 Menschen sind momentan infiziert. Im Vergleich zu Freitagnachmittag meldet die Kreisverwaltung 30 neue Covid-19-Patienten: vier Reiserückkehrer aus Polen, Portugal und dem Irak, zwölf Männer und Frauen, die sich bei Familienmitgliedern angesteckt haben, acht, die Kontakt zu Erkrankten hatten, und vier mit unbekannter Infektionsquelle. Positiv getestet wurde auch ein Kind in einer Segeberger Kita. Die gesamte Gruppe, elf Kinder und zwei Beschäftigte, ist in Quarantäne.

Trotz des Anstiegs an Infizierten bewältigt das Gesundheitsamt im Kreis Segeberg die Verfolgung der Infektionsketten noch mit Bordmitteln. Der Fachdienst Infektionsschutz und umweltbezogener Gesundheitsschutz, der normalerweise mit 15 Mitarbeitern besetzt ist, wurde schon während der Coronakrise auf die doppelte Zahl aufgestockt.

„Seit voriger Woche sind nochmals zehn Beschäftigte hinzugekommen“, sagt Sabrina Müller, Sprecherin der Kreisverwaltung. Auch Landrat Jan Peter Schröder sieht den Kreis noch nicht am Anschlag, obwohl sich viele Überstunden angehäuft hätten.

Im Einsatz seien 19 medizinische Fachkräfte, 21 kommen aus der Verwaltung. Zum Höhepunkt der ersten Coronawelle hätten sich 45 Beschäftigte darum bemüht, die Kontakte von Covid-19-Erkrankten nachzuverfolgen und die Infektionsketten zu durchbrechen. „Auch durch die Mitarbeit von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus anderen Fachdiensten der Verwaltung können wir sicherstellen, dass jederzeit volle Handlungsfähigkeit besteht“, sagt die Sprecherin der Kreisverwaltung.

Darüber hinaus würden für den Stellenplan 2021 insgesamt etwa 20 Stellen für den öffentlichen Gesundheitsdienst eingeworben, die dann zeitnah ausgeschrieben werden sollen. Das zusätzliche Personal werde aus dem „Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst“ (Pakt-ÖGD) finanziert. Im ÖGD-Pakt stellt der Bund den Gesundheitsbehörden in ganz Deutschland insgesamt vier Milliarden Euro für Personal, Digitalisierung und moderne Strukturen zur Verfügung.

Die Bundeswehr muss nicht aushelfen – noch nicht

Zudem seien derzeit zwei Stellen für die Hygienekontrolle ausgeschrieben. Die Lage werde laufend neu bewertet. Wenn nötig, stünden weitere Mitarbeiter aus anderen Fachdiensten auf Abruf bereit. Geprüft werde auch, ob weitere Beschäftigte von außerhalb der Kreisverwaltung befristet rekrutiert werden können.

Bisher sei nicht geplant, die Bundeswehr als Unterstützung anzufordern. „Je nach Entwicklung der Lage kann sich dies aber natürlich auch ändern“, sagt Müller. Ob das Gesundheitsamt einen weiteren Anstieg von Corona-Fällen gut und zeitnah abarbeiten und bewältigen kann, hänge im Wesentlichen vom Einzelfall ab. Die entscheidenden Fragen: Wie groß ist der Kontaktpersonenkreis? Wie wohnt die Person? Welches Umfeld hat sie? Je weniger Kontakte, desto einfacher für den Infektionsschutz, die Infektkette zu durchbrechen.

In Borstel wird wieder mehr getestet: Das Forschungszentrum Borstel hat für die Bewältigung der Nachfrage für Covid-19-Tests seinen „Drive Thru“ Anfang Oktober wiedereröffnet. Sieben Tage die Woche von 8.30 bis 12 Uhr sowie von 12.30 bis 15 Uhr nimmt medizinisches Fachpersonal Abstriche von Personen in Autos, spätestens 48 Stunden später erfahren die Getesteten ihr Ergebnis. Wer Reiserückkehrer ist oder mit Symptomen vom Arzt oder dem Gesundheitsamt geschickt wurde, zahlt nichts. Alle anderen 85 Euro (Infos unter klinik.fz-borstel.de). Die Zahl der Tests ist bis zum 15. Oktober sprunghaft angestiegen. An diesem Tag haben sich mehr als 70 Menschen testen lassen, Rekord, seitdem die Teststation den Betrieb wieder aufgenommen hat. Insgesamt haben sich 2172 Bürger testen lassen, 137 waren positiv, gut sechs Prozent. Die meisten waren zwischen 30 und 60.

Ausbruchsgeschehen unter Kontrolle: Im Klinikum Bad Bramstedt hatte sich eine Ärztin mit dem Virus infiziert. Daraufhin hatte das Klinikum Patienten und Kollegen getestet. Die Ergebnisse waren negativ. „Die Mitarbeiterin befindet sich weiter in Quarantäne und hat nur milde Symptome“, sagt Klinik-Geschäftsführer Jens Ritter. Das Klinikum teste bei der Aufnahme alle Patienten auf das Virus, messe Fieber und frage nach Symptomen. Angewendet werde ein Test, bei dem nach sechs Stunden die Ergebnisse vorliegen. Denkbar sei, dass demnächst ein Test genutzt werde, der nur eine Stunde benötigt, sagte Ritter. „Dieses Verfahren ist jedoch weniger zuverlässig.“ Die Klinik verzeichnet derzeit einen Rückgang der Patienten von zehn bis 15 Prozent. „Davon sind alle Bereiche betroffen“, sagt Ritter. Aufschiebbare Operationen werden ebenso abgesagt wie Reha-Aufenthalte.

Auf einem Bauernhof in Fuhlendorf hatten sich 14 Arbeiter aus Rumänen infiziert. Über Tests wurden jetzt fünf weitere Infizierte entdeckt. Diese sind aber bereits in Quarantäne. Ebenso wie neun enge Kontaktpersonen, die bisher negativ getestet worden seien.

Im Handel ist die Lage ruhig: Von Hamsterkäufen wie zu Beginn der Pandemie, als unter anderem Klopapier ausverkauft war, kann in Norderstedt keine Rede sein, aber: „Viele Kunden kaufen planvoller ein, die Warenkörbe sind größer, es werden offenbar kleine Reserven angelegt“, sagt Kerstin Kreimann von Edeka Hayunga, der mit drei Einkaufsmärkten in Norderstedt vertreten ist.

Keine Einschränkung im kleinen Grenzverkehr: Segeberger können problemlos nach Hamburg fahren und umgekehrt. Das war schon mal anders: Anfang April hatte Schleswig-Holstein die Grenzen dichtgemacht, Polizisten verhinderten, dass Hamburger ins nördliche Nachbarland fahren konnten. Eventuelle neue Beschränkungen seien Sache des Landes: „Von uns aus ist nichts vorgesehen“, sagt Sabrina Müller vom Kreis.