Henstedt-Ulzburg

Anti-AfD-Demonstranten angefahren – Polizei sucht Zeugen

Am Tag nach dem Vorfall demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Henstedt-Ulzburg gegen rechte Gewalt.

Am Tag nach dem Vorfall demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Henstedt-Ulzburg gegen rechte Gewalt.

Foto: Daniel Friedrichs

Ein 19-Jähriger hat am Sonnabend mehrere Menschen mutmaßlich gezielt mit seinem Pick-up angefahren – Tatverlauf weiter unklar.

Henstedt-Ulzburg. Auch Tage, nachdem drei Teilnehmer einer Anti-AfD-Demonstration von einem 19-Jährigen mutmaßlich absichtlich angefahren und verletzt worden sind, gibt es teils widersprüchliche Aussagen zum Geschehen. Um den genauen Ablauf zu klären, werden Zeugen nun aufgerufen, sich mit der Kieler Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen.

Laut gemeinsamer Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei vom Dienstag "soll der 19-Jährige gegen 17:50 Uhr mit einem 18 Jahre alten Begleiter den Wagen in der Beckersbergstraße bestiegen haben und teilweise auf dem Gehweg fahrend auf mehrere Personen zugefahren sein. Hierbei verletzte er nach jetzigem Ermittlungsstand drei Personen im Alter zwischen 21 und 44 Jahren. Die beiden Männer und die Frau wurden ärztlich versorgt, mussten jedoch nicht stationär im Krankenhaus aufgenommen werden."

Anti-AfD-Demo: Widersprüchliche Aussagen zur Kollision

Von den Verletzten lägen noch keine Zeugenaussagen vor, "da diese keine Angaben machen", hieß es weiter. Eines der drei Opfer sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur, es habe tags zuvor einen Anruf der Kripo in Kiel erhalten und nicht sofort am Telefon eine Aussage machen wollen. Der 44-Jährige sagte, er wolle sich erst nach Rücksprache mit einem Anwalt zum Tatgeschehen äußern. Ein Polizeisprecher sagte, die drei Verletzten würden zu Zeugenvernehmungen eingeladen.

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Zu dem Geschehen gibt es widersprüchliche Darstellungen. Einer Version zufolge sollen vier Neonazis aus einem Anti-AfD-Demonstrationsblock von Ordnern und Polizei herausgeholt worden sein. Zwei von ihnen hätten dann mit einem Pick-up auf einem Bürgersteig jeweils zwei miteinander gehende Menschen angefahren. Es wurde von hohem Tempo gesprochen und dass der Fahrer die Personen absichtlich angefahren habe.

Einer anderen Version zufolge sollen vier Personen nach dem Verlassen der AfD-Veranstaltung auf dem Weg zu ihrem Fahrzeug von Demonstranten bepöbelt und geschlagen worden sein. Zwei hätten sich ins Fahrzeug begeben können und seien losgefahren. Die Männer gaben demnach an, sie hätten ihre beiden Begleiter so noch ins Fahrzeug bekommen wollen. Dabei seien die drei Demonstranten angefahren worden.

Warnschuss: Polizist fühlte sich von Personengruppe bedroht

Nachdem der 19-Jährige festgenommen worden war, gab ein Polizeibeamter einen Warnschuss ab, laut der Mitteilung vom Dienstag, um die Lage zu beruhigen. Etwa 20 Personen sollen an die Beamten herangetreten sein und die polizeilichen "Maßnahmen durch bedrohliches und aggressives Auftreten" gestört haben. Der Pick-up des 19-Jährigen wurde beschlagnahmt und wird von einem Sachverständigen untersucht.

Der junge Mann, gegen den derzeit wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung ermittelt wird, soll aus der Umgebung von Elmshorn kommen und bisher nicht polizeibekannt sein.

Zeugen des Vorfalls werden gebeten, sich unter 0431/ 160 33 33 mit der Polizei in Verbindung zu setzen. "Insbesondere interessiert die Ermittler, ob es bereits vor der Tat zu einem Konflikt oder einer Auseinandersetzung zwischen den vier Personen und den Demonstrationsteilnehmern gekommen ist", heißt es abschließend in der Mitteilung vom Dienstag.