Tangstedt

„Es wäre beschämend, wenn wir keinen Standort fänden“

Jürgen Zweifel ist Vorsitzender des Seniorenbeirats in Tangstedt.

Jürgen Zweifel ist Vorsitzender des Seniorenbeirats in Tangstedt.

Foto: Christopher Herbst

Die Tangstedter Kommunalpolitiker treten bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Bau eines Altenheims auf der Stelle.

Tangstedt. „Es ist Klarheit gefordert. Welche Sicherheit haben die Senioren?“ Der Vorsitzende des Tangstedter Seniorenbeirats, Jürgen Zweifel, richtet vor dem Planungs- und Umweltausschuss am heutigen Dienstag, 20. Oktober, von 19.30 Uhr an in der Turnhalle mahnende Worte an die Ortspolitik. Es geht um den geplanten Neubau des Alten- und Pflegeheims an der Dorfstraße.

Die hierfür nötige Änderung eines Bebauungsplans hatte in der Gemeindevertretung keine Mehrheit gefunden, es kam zu einem Patt. Mit erheblichen Folgen: Kurz darauf meldete das Heim, für das im Juli ein Insolvenzantrag gestellt worden war, die Schließung zum 30. November. Die Bewohner sind gezwungen umzuziehen, viele leben nun im Norderstedter Steertpogg-Haus, andere in Geesthacht. Das ist für alle Betroffenen eine große Belastung. Jürgen Zweifel: „Es ist an der Zeit, die Leute zu informieren, welche Gedanken die verschiedenen Fraktionen zum Thema Altenheim haben.“ Er selbst hat der Politik einen Fragenkatalog geschickt, die Antworten will er veröffentlichen. „Die Bevölkerung muss einbezogen werden.“

Aus Sicht der CDU hätte diese Entwicklung mit einer Zustimmung zum B-Plan vermieden werden können. „Der Investor hatte signalisiert, dass er im laufenden Betrieb umbaut“, sagt der Fraktionsvorsitzende Arne Müssig. Das Areal gehört der Gesellschaft für Wohnkonzepte (GWK) – und die hätte, so die Christdemokraten, als Überbrückung Kapital bereitgestellt, damit das Heim nicht geschlossen werden muss. Doch ohne Baurecht gab es keine Planungssicherheit. Insbesondere die Grünen hatten gefordert, eine andere Fläche in Betracht zu ziehen, nämlich jene an der Lindenallee, um dort „etwas Zukunftsfähiges für ältere Menschen zu realisieren“, sagt der Fraktionsvorsitzende Stefan Mauel. „Das hätten wir schon vor ein, zwei Jahren sagen können.“ Für ihn, aber auch für SPD und FDP ist eine Erweiterung des Altenheims von 40 auf 90 Plätze am jetzigen Standort zu massiv. „Wir fordern eine objektive Gewichtung.“

Priorität hat für die Mehrheit die Funkturmfläche

Das Grundstück Lindenallee wurde per Beschluss an die letzte Stelle der Priorisierungsliste gesetzt. Vorrang soll nach Wunsch der Mehrheit von CDU und Bürgergemeinschaft im Gemeinderat, die Funkturmfläche haben. Diese gehört Tangstedt, durch den Erlös für Wohnungsbau könnte Geld zur Verfügung stehen für die Modernisierung der Grundschule. „Es hat Gespräche mit Interessenten gegeben“, sagt der Vorsitzende des Planungsausschusses, Eckhard Harder. Das Altenheim aber sollte seiner Meinung nach an der Dorfstraße bleiben. „Das gehört in den Ort. Bei der Lindenallee würde es zwölf Monate länger dauern. Ich sehe keine realistische Chance.“ Allerdings steht die Politik vor einem Dilemma. Rechtlich dürfte man erst wieder in einem halben Jahr über den Bebauungsplan abstimmen. Bis Dienstag soll es Klarheit geben, ob die Kommunalaufsicht eine Ausnahme gestattet. „Das liegt mir auf dem Magen“, sagt Bürgermeister Jürgen Lamp (CDU), „Tangstedt braucht ein Altenheim. Das Gemeinwohl steht im Vordergrund.“

Johannes Kahlke von der SPD fände es äußerst beschämend, wenn kein Standort für das Altenheim gefunden würde. „Es muss einen Weg geben.“ Es sei ein wiederkehrendes Problem, dass die Gemeinde keine Räume schaffe – sei es für seniorengerechtes Wohnen oder auch Kitaplätze.

Architekt Thomas Eichentopf wird im Planungsausschuss einen aktualisierten Entwurf für den Neubau eines Altenheims vorstellen. „Aber es wird keinen Beschluss geben“, sagt Eckhard Harder. „Wir kommen nicht vorwärts.“