50 Jahre Norderstedt

Für Friedemann Müller gibt es keine Langeweile

Regelmäßig schnürt Friedemann Müller die Laufschuhe. Joggen und Krafttraining sind seine Sportarten.

Regelmäßig schnürt Friedemann Müller die Laufschuhe. Joggen und Krafttraining sind seine Sportarten.

Foto: Thorsten Ahlf

Ob als Schulsprecher oder als Mitglied des Jugendbeirates: Der 18-jährige Norderstedter setzt sich auch in seiner Freizeit gern für andere ein.

Norderstedt.  Wer Friedemann Müller so reden hört, von seiner Zeit als Schülersprecher und seinem Engagement im Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Norderstedt, der kann sich kaum vorstellen, dass er auch eine andere Seite hat. Dass er mal zu einer Jugendbande gehörte, sogar auf Mitschüler losgegangen ist. Richtig kriminell war. Mit 14 war das. „Eine tolle Zeit“, sagt er und lacht.

Alles nur Spaß, nur Theater. Die Sache mit der Jugendgang war nur gespielt. Ein Theaterstück, mehr nicht. Spaß hat es trotzdem gemacht. Oder gerade deswegen. „Es war super, mal ganz anders zu sein, als man sonst ist“, sagt er und meint: In eine Rolle zu schlüpfen, die man sonst nie einnehmen würde. Auf der Bühne Sachen zu machen, die man in der Realität nie täte. „Dieser Gegensatz hat mich immer gereizt“, sagt Friedemann Müller. In der fünften Klasse hat er mit dem Theaterspielen angefangen, zuerst in der Theater AG von der Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark (GO), dann beim Theater Pur in Norderstedt. Ein paar Jahre lang hat er mindestens einmal in der Woche geprobt und stand immer wieder auf der Bühne. Er hat mitgespielt, als Joseph einen Vaterschaftstest gegen Gott führte, bei dem Theaterstück „Der zerbrochene Krug“ und bei „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Jetzt, seit er in der Oberstufe ist, schafft er es zeitlich nicht mehr. Ganz aufhören wollte er trotzdem nicht mit dem Theater, daher kümmert er sich jetzt meistens um die Technik bei Aufführungen.

Wer Friedemann Müller kennenlernt, wundert sich erst mal über seinen Vornamen. Ziemlich ungewöhnlich für einen 18-Jährigen. Er kennt das schon und erklärt, dass seine Eltern aufgrund ihres weit verbreiteten Nachnamens einen besonderen Vornamen für ihn wollten. „Friedemann fand meine Mutter schon gut, als sie noch gar nicht schwanger war, noch nicht mal einen festen Freund hatte“, sagt Friedemann Müller.

Den Austausch mit anderen Jugendlichen findet er wichtig

Der Name ist so besonders wie Friedemann Müller selbst, der sich schon mit 16 Jahren für den Kinder- und Jugendbeirat aufstellen ließ, gewählt wurde und „so ein bisschen in der Politik mitgemischt hat“, wie er es nennt. Während einer zweijährigen Amtsperiode als Juniorpolitiker hat er gemeinsam mit anderen ein Planspiel organisiert, bei dem Schüler in die Rolle von Politikern verschiedener Fraktionen schlüpfen und einen Ausschuss nachstellen – und bei der Durchführung des Fußball-Turniers „Cultures United“ geholfen, einem Sportevent für Jugendliche verschiedener Nationen. „Mir war es immer wichtig, dass man auch Jugendlichen aus anderen Ländern begegnet“, sagt er. Für das Thema hat er sich auch während seiner Zeit als Schulsprecher starkgemacht und gemeinsam mit anderen erreicht, dass die Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark und das Lise-Meitner-Gymnasium gemeinsam den Titel „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ erhalten haben. „Mir hat es nie gereicht, an der Schule einfach nur Mathe, Bio und Deutsch zu lernen“, sagt Friedemann Müller. „Ich wollte immer, dass Schule mehr ist als nur ein Ort des Lernens.“ Als Belastung oder gar „Strafe“, wie manch andere, hat er die Schule nie empfunden. Im Gegenteil: Als er vor zwei Jahren seinen Realschulabschluss am Ossenmoorpark gemacht hat, stand für ihn fest, dass er weiter zur Schule gehen will. Noch mehr lernen will. Seitdem ist er am Berufsbildungszentrum Norderstedt (BBZ), Profil Betriebswirtschaft. Wirtschaft findet er seit einem Praktikum spannend. Nächstes Jahr macht er Abi.

Nach dem Abitur will Friedemann zum Zoll

Was dann kommt? Ein Jahr im Ausland? Jobben? Sich erst mal finden und orientieren? Wie es andere so machen? Andere ja, er nicht! Er weiß genau, was er will – und was nicht. Kein BWL-Studium, das ist ihm zu theoretisch. Und er will später auch nicht acht Stunden im Büro sitzen. Was mit Wirtschaft soll es trotzdem sein. Und was Sinnvolles. Wo man sich für die Gesellschaft einsetzt, etwas tun kann. Deswegen möchte er gerne zum Zoll, hat sich bereits auf der Jobmesse über alles informiert. Am liebsten wäre ihm ein Duales Studium für den gehobenen Dienst. Die Bewerbung schickt er in diesen Tagen raus.

Danach heißt es erst mal pauken – nicht nur für das Abi, sondern auch für die Aufnahmeprüfung.

Zum Ausgleich für die Lernerei macht er viel Sport – schon immer. Als Kind hat er alles ausprobiert, Fußball, Judo, Leichtathletik. Doch seit ein paar Jahren konzentriert er sich auf das, was ihm am meisten Spaß macht – Joggen und Krafttraining im Fitnessstudio.

Wer ihn so reden hört, kann sich kaum vorstellen, dass es da noch eine andere Seite gibt. Dass er manchmal zur Waffe greift und rumballert. Er lacht, wenn er das Wort hört: rumballern. Ist so ein Vorurteil der Leute, dass sie bei Lasertag nur daran denken, dass man sich abschießt. Er zuckt mit den Achseln, weiß es besser. Seit zwei Jahren arbeitet er in der Lasertag Arena in Kaltenkirchen und spielt ab und zu selbst. Vor allem wegen der sportlichen Herausforderung. Aber ein bisschen reizt es ihn auch einfach, mal was anderes zu machen. Anders zu sein. Für ein paar Stunden.