Rätsel

Ein Alleskönner, der seiner Zeit voraus war

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. In unserem heutigen Denksport-Rätsel geht es um einen Künstler, der auch viel von Technik verstand.

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen.


„Wer sich in der Diskussion auf eine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern sein Gedächtnis“, erklärte der Meister seinen Schülern. Es war gleichsam der Leitsatz einer Epoche: Während der Renaissance befreite sich der menschliche Intellekt von den engen Banden mittelalterlicher Scholastik. Der zitierte Meister wirkte seit 1482 am Hof des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza und war das Universalgenie seiner Zeit. Er gebrauchte seinen Verstand für Experimente, ohne dabei die Berufung auf Autoritäten zu vernachlässigen. Denn: „Wer die Praxis ohne die Theorie liebt, ist wie ein Seemann, der auf ein Schiff steigt und nicht weiß, wohin er gerät.“

Der 1452 geborene, uneheliche Sohn eines florentinischen Notars und eines Bauernmädchens trat als 15-jähriger Junge in die Werkstatt des Malers und Bildhauers Andrea del Verrocchio ein. Nebenher betrieb er wissenschaftliche und technische Studien. Im Dienst der Sforzas entwarf er Befestigungsanlagen und visionäres Kriegsgerät, darunter transportable Brücken, Panzerwagen mit Schießpulvermotoren, Großkampfschiffe und Flugapparate. Dank seiner fast seherischen Begabung für technische Wege der Zukunft kons­truierte er sogar einen hubschrauberähnlichen Drehflügler, der mittels eigens erdachter Stoßdämpfer weich gelandet wäre – hätte man die Maschine je gebaut: Kaum eine seiner Erfindungen kam über die Konstruktionszeichnung hinaus. Zu seinen Lebzeiten wurde keine einzige davon praktisch realisiert. Aber sie blieben auf 7000 Tagebuchseiten der Nachwelt erhalten, detailreich skizziert und erläutert in spiegelverkehrter, linkshändig geschriebener Schrift.

Als bildender Künstler jedoch konnte sich der Meister bereits zu seiner Zeit einen Namen machen, obwohl er viele Gemälde unvollendet ließ. „Er malte nicht viele Sachen“, klagte ein Zeitgenosse, „denn nie, in nichts, und waren sie auch noch so schön, tat er sich selbst Genüge. Und daher gibt es wenige Dinge von ihm, weil ein so großes Kennen der Irrtümer ihn nichts machen ließ“. Anders ausgedrückt: Fantasie und Scharfsinn des Genies standen seiner Schaffenskraft oft im Wege. Aber die Werke, die vor seinem kritischen Auge bestehen konnten, verhalfen ihm zu ewigem Ruhm. So gehört das gewisse Lächeln einer vom Meister porträtierten Dame zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Welt.


Wie hieß das Universalgenie? Die Antwort steht morgen im Abendblatt. Das historische Ereignis, nach dem wir in der Mittwochausgabe fragten, ist der Prager Fenstersturz.