Denksport-Rätsel

Der schreibende Einsiedler liebte Kaffeekonzentrat

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Im Denksport-Rätsel suchen wir den Titel eines siebenbändigen Romanzyklus.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen.


Der kleine, schmale Schuljunge am Pariser Lycée Condorcet warb um die Sympathien seiner Klassenkameraden, indem er in ausgefeilten Sonetten ihre Schönheit pries – unter männlichen Teenagern eine höchst selten erfolgreiche Technik zur Anbahnung von Kumpelbeziehungen. Prompt erntete der Nachwuchsdichter Spott und Hohn. Umso mehr drängte es den Heranwachsenden, ein Teil der „vornehmen“, hocharistokratischen Gesellschaft zu werden.

Sein eigenes Elternhaus war durchaus präsentabel. Der Vater, ein Mediziner, lehrte an der Sorbonne. Die Mutter war die Tochter eines wohlhabenden Aktienmaklers. Trotz dieser privilegierten Familie wäre der am 10. Juli 1871 geborene Sohn beinahe als Säugling an Unterernährung gestorben. Deutsche Truppen belagerten Paris ab Ende 1870. Lebensmittel waren Mangelware. An den Folgen litt das Kind zeitlebens: Stets kränkelte es an Asthma, Allergien, nervöser Schlaflosigkeit und Fieber.

Nach dem Studium an der École de Science Politique gelang es dem jungen Mann tatsächlich, sich auf höchsten Ebenen der Aristokratie anzubiedern. Die Oberflächlichkeit des Umgangs in dieser Gesellschaftsschicht beraubte ihn jedoch rasch aller Illusionen, hier eine „bessere“ Welt zu erleben. 1906 zog er sich aus den Salons der Elite zurück und begann die Arbeit an einem Buch namens „In Swanns Welt“, erster Teil eines später siebenbändigen Romanzyklus. Für den Rest seines Lebens führte er ein Einsiedlerdasein: „Er arbeitete nur noch nachts. Gegen sieben Uhr früh nahm er sein Veronal, um bis drei Uhr nachmittags zu schlafen. Dann musste ihn seine Haushälterin, Céleste Albaret, mit einem Kaffeekonzentrat wecken.“

Er war besessen von dem Wunsch, das spät begonnene Werk zu vollenden und die schwindenden Kräfte allein dafür aufzusparen. Ein Freund erinnerte sich: „Ich sehe noch das düstere Zimmer in der Rue Hamelin vor mir, mit dem geschwärztem Kamin und dem Bett, auf dem der Mantel noch als zusätzliche Bettdecke lag, und die wächserne Maske, durch die unser Gastgeber uns beim Essen zu beobachten schien. Nur seine Haare über der bleichen Stirn waren noch lebendig. Er selbst hatte keinen Teil mehr an der Nahrung dieser Welt. Er hatte die letzten Halteseile gekappt.“

Am 18. November 1922 riss das letzte Halteseil. Seine Arbeit war jedoch vollbracht. Bis 1927 erschien posthum der gesamte Romanzyklus.


Wie heißt das epochale Werk?

Die Antwort finden Sie morgen im Hamburger Abendblatt. In der Dienstagausgabe fragten wir nach dem Namen einer Touristenattraktion in den Vereinigten Staaten. Gemeint ist der Mount Rushmore.