Schröters Wochenschau

Frisierende Väter und Videospiel-begeisterte Mütter

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

An der Volkshochschule lernen Vätern, ihren Töchtern Zöpfe zu binden. Fordern Mütter ihre Söhne bald in Ballerspielen oder Rap-Battles heraus?

Kreis Segeberg.  Papa geht arbeiten, bringt bestenfalls den Mülleimer raus und geht ansonsten gelegentlich am Wochenende mit den Jungs auf den Fußballplatz oder mit den Töchtern in den Zoo. Mutti macht den Rest. So war das früher. Im vorigen Jahrhundert, als Bundeskanzler noch dicke Zigarren schmauchten und die Hausfrau pünktlich zum abendlichen Beginn des Fernsehprogramms den Käse-Igel auf den Nierentisch brachte.

So eindeutig sind die Rollen zwischen den Geschlechtern längst nicht mehr verteilt. Glücklicherweise. Trotzdem ist da genug, was an der Lebenswelt der meisten Väter immer noch vorbeigeht. Die Frisuren ihrer Töchter, beispielsweise. Dass die Frisur ein Thema ist, welches die Tochter stark beschäftigt, merkt Papa in der Regel nur deshalb, weil er stundenlang nicht ins Badezimmer kann – Styling-Sperrgebiet. Als Ratgeber auf diesem Gebiet ist Papa nicht gefragt, weil ihm außer einem gebrummten: „Geht doch“ oder einer ähnlich vagen Formulierung sowieso nichts dazu einfällt. Aber jetzt ist Schluss mit diesem Unwissen, dank der Volkshochschule Henstedt-Ulzburg. Die bot einen Vater-Tochter-Workshop „Mädchenfrisuren leicht gemacht“ an.

Eine großartige Idee, wie ich finde. Noch großartiger, dass der Kursus blitzschnell ausgebucht war. Offenbar gibt es doch einige Bereiche, in denen sich die Menschheit während der vergangenen Jahrzehnte ein wenig zum Besseren entwickelt hat.

Wie schön, wenn Papa nicht bloß „kloogschietert“, belehrt oder verbietet, sondern seiner Kleinen liebevoll Löckchen dreht und ihr durchs ausgesprochene Kompliment, wie gut ihr der neue Look zu Gesichte steht, jede Menge Aufwind unter die Flügel bläst. Hoffentlich gehört dieser Workshop bald in allen VHS-Filialen zum Standardprogramm. Und es gibt bestimmt noch etliche perspektiverweiternde Fortbildungen mehr, die man anbieten sollte.

„Nächstes Level leicht gemacht“ – Workshop für Mütter und ballerspielversierte Söhne, die auf diesem Gebiet endlich mal die Besseren sind. „Reizende Reime für Skandalrapper“ wäre etwas für die ganze Familie.

Aber im Prinzip, denke ich, ist der Optimierungsbedarf im Binnenverhältnis Vater–Tochter immer noch am größten. Warum liebt es die Tochter, beim Voltigieren stundenlang im Kreis zu reiten? Warum braucht man Lack am Fußnagel, Metall im Bauchnabel oder synthetische Wimpern?

Oder, mal andersherum: warum gibt Papa es so selten zu, wenn er von etwas gar keine Ahnung hat? VHS, bitte nicht locker lassen.