Kreis Segeberg

Zwei Museen, zwei Fördervereine – aber nur eine Idee

Geneviève Honeck in der Karl-May-Sonderausstellung im Museum Segeberger Bürgerhaus.

Geneviève Honeck in der Karl-May-Sonderausstellung im Museum Segeberger Bürgerhaus.

Foto: Frank Knittermeier

In Bad Segeberg bahnt sich ein Streit um die Stadt- und Kreisgeschichte an. Denn das Museum Segeberger Bürgerhaus soll Konkurrenz bekommen.

Bad Segeberg.  Die Lage ist perfekt: Das Museum Segeberger Bürgerhaus steht direkt neben dem Segeberger Rathaus. Die aktuelle Situation lässt allerdings zu wünschen übrig: Das Haus aus dem 16. Jahrhundert ist marode und bietet hinter den Kulissen ein Bild des Jammers. Außerdem droht Konkurrenz: Nur wenige Meter weiter soll ein neues Stadt- und Kreismuseum entstehen. Dafür zumindest engagieren sich etliche Bürger, die eifrig daran arbeiten, dass in fünf Jahren Eröffnung gefeiert werden kann. Die heile Segeberger Museumswelt droht aus den Fugen zu geraten.

Für Geneviève Honeck könnte die aktuelle Museumswelt eigentlich in Ordnung sein: Die gebürtige Segebergerin hat mit 42 Jahren ihren Traumjob ergattert. Seit Juni ist sie Leiterin des Museums Segeberger Bürgerhaus und kann dort die historischen Schätze ihrer Heimatstadt präsentieren. Dafür ist sie bestens ausgebildet: Geneviève Honeck hat Vor- und Frühgeschichte studiert, außerdem vorderasiatische Archäologie und Ethnologie. Und das aus gutem Grund: „Ich wollte verstehen, wie die Gesellschaft funktioniert und bin neugierig, wie gesellschaftliche Strömungen entstehen, wie Kultur entsteht.“

Die Kulturhistorikerin ist für die Stadt Bad Segeberg eine Idealbesetzung für den Teilzeitjob der Museumsleiterin. Ihr Vorgänger war das auch: Historiker Nils Hinrichsen, auch ein gebürtiger Segeberger, leitete das Museum von 2012 bis 2020, ist inzwischen aber ausgeschieden und gehört zum Vorstand des Fördervereins Kreis- und Stadtmuseum. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, ein neues Museum zu eröffnen – und zwar genau drei Häuser weiter in Richtung Osten an der Lübecker Straße.

Zwei Fördervereine für zwei Projekte, deren Ziele zumindest oberflächlich gesehen ziemlich identisch sind: Den Bewohnern der Kleinstadt mit 17.400 Einwohnern mangelt es bisweilen nicht nur an Durchblick, sondern auch an Verständnis für diese Situation.

Im 1541 erbauten Bürgerhaus gibt es zwei große Dauerausstellungen, in denen 800 Jahre Stadtgeschichte und die bürgerliche Wohnkultur im Laufe der Zeit nachgespürt werden kann. Ein Neun-Minuten-Film gewährt einen Einblick in das Leben um 1600. Daneben gibt es wechselnde Sonderausstellungen. Noch bis Ende Oktober ist eine Ausstellung über die Anfänge der Karl-May-Spiele von Heimatforscher Hans-Werner Baurycza zu sehen.

Die Besucherzahlen sind aus Sicht von Geneviève Honeck außerordentlich gut: An Sonntagen zählt sie zurzeit bis zu 90 Besucher, an Wochentagen kommen bis zu 50 Interessenten. „Viele Menschen interessieren sich für ihre Wurzeln“, hat die Museumsleiterin festgestellt. „Das ist gerade jetzt während der Corona-Beschränkungen deutlich geworden.“ Zwei bis drei Schulklassen pro Woche, Tagestouristen aus Hamburg und immer wieder Patienten der Reha-Klinik gehören zum Besucherspektrum. Geneviève Honeck möchte das Museum zu einem „Dritten Ort“ gestalten. Ein Treffpunkt ohne Konsumzwang also, der auch Möglichkeiten für Lesungen und Vorträge bietet.

Auf der Negativseite des Museums steht die miserable bauliche Substanz, die von der Stadtverwaltung und den Politikerin trotz diverser dringlicher Hinweise bislang ignoriert wird. In die Spalten zwischen Fach- und Mauerwerk dringt Wasser ein, außerdem sind etliche Balken vom Holzbock befallen. Das sind keine guten Aussichten, aber den Befürwortern des Stadt- und Kreismuseums geht es nicht anders. Sie haben sich das ehemalige Palais Wichmann an der Lübecker Straße als Standort für ein mögliches neues Museum ausgesucht.

Bis 2017 war dort die Höhlenkrug-Bäckerei untergebracht. Seit deren Schließung bietet das Gebäude einen verwahrlosten Anblick. Das muss und soll nicht so bleiben, meint der Vorstand des Fördervereins und legt Zahlen auf den Tisch: Für 1,25 Millionen Euro könnte das 1000 Quadratmeter große Gebäude restauriert werden; der Verkaufspreis soll bei einer Million Euro liegen. Der Förderverein gibt Gas: Experten aus ganz Deutschland waren bereits in Bad Segeberg zu Gast und haben aus ihrer Sicht deutlich gemacht, wie sehr das alte Gemäuer geeignet wäre, ein Museum zu beherbergen. Jetzt beschäftigen sich die Kreispolitiker mit diesem Thema. Ihnen liegt ein Sachstandsbericht vor, demnächst befassen sie sich mit einer Machbarkeitsstudie. Die Politiker wollen Fakten und Zahlen – und genau das serviert ihnen der Vorstand des Fördervereins.

Auch Landtagspräsident Klaus Schlie hat deutlich gemacht, dass ein solches Museum mit zu seinen Herzensangelegenheiten gehört. Professor Asmus J. Hintz, Vorsitzender des Vereins, ist zuversichtlich: „Das Geld für ein solches Projekt ist vorhanden, man muss nur wissen, wo man es abholt.“ Hintz, der seit 1987 am Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg lehrt, hält ein größeres Museum in Bad Segeberg für notwendig, möchte dem Museum Segeberger Bürgerhaus die Daseinsberechtigung aber nicht absprechen. „Das bleibt bestehen und bildet eine Sichtachse mit dem neuen Museum.“ Er hält das bestehende Museum für einen „kleinen, aber feinen Ort“, in dem jedoch nicht die ganze Geschichte Segebergs dargestellt werden könne.

Ihm und seinen Vorstandskollegen schwebt ein kulturhistorisches Zentrum für den ganzen Kreis Segeberg vor. Eine Art Museumszentrale für die 23 kleineren und ehrenamtlich geführten Museen im Kreis Segeberg, die von hier aus unterstützt werden könnten. Außerdem geplant: Die Darstellung des Schicksals der Jüdischen Gemeinde und deren Synagoge in Segeberg, die Entwicklung unterschiedlicher Wohnkulturen der Stadt Segeberg, Sonder- und Wechselausstellungen, museumspädagogische Angebote, Ausstellungen von Künstlern aus dem Kreisgebiet, Publikation von Forschungsergebnissen und anderes mehr. Ein ehrgeiziges Projekt, für das die Initiatoren Hindernisse aus dem Weg räumen wollen. Asmus. J. Hintz glaubt fest daran: „Am 25. September 2025 wird das Museum eröffnet.“

Museum Segeberger Bürgerhaus, Lübecker Straße 14, April bis Oktober, Mi-So, 12.00- 17.00, von November bis März nach Absprache. Eintritt 2/1 Euro,Familien 4 Euro. www.museum-badsegeberg.de.

Infos über den Förderverein Kreis- und Stadtmuseum Segeberg unter www.kreismuseum-segeberg.de.