Norderstedt

Schulen sind gerüstet für den Corona-Winter

Präsenzunterricht ist besser – aber zur Not können die Jungen und Mädchen von der Heidbergschule auch mit ihren Convertible Notebooks lernen.

Präsenzunterricht ist besser – aber zur Not können die Jungen und Mädchen von der Heidbergschule auch mit ihren Convertible Notebooks lernen.

Foto: Michael Schick

Digitalisierung: Das Norderstedter Rathaus hat die digitale Ausstattung der Schulen verbessert und das Wlan flächendeckend ausgebaut.

Norderstedt.  Die Stadtverwaltung drückt aufs Tempo bei der Digitalisierung des Unterrichts in den Schulen in Norderstedt – nachdem die Entwicklung lange nur schrittweise voran kam. Doch Herbst und Winter kommen und damit die Befürchtung, dass die Corona-Neuinfektionen steigen und zumindest einige Klassen, wenn nicht ganze Schulen wieder in Quarantäne müssen und der Unterricht von zu Hause aus geregelt werden muss.

In den letzten Wochen hat der Unterricht per Notebook, Beamer und Lernplattformen in der Stadt kräftig an Konturen gewonnen. „Alle Schulen werden bis zum Ende der Herbstferien Wlan haben. Damit sind wir der ursprünglichen Planung um einige Monate voraus“, sagte Norbert Weißenfels, IT-Koordinator im Rathaus, als er im Schulausschuss die Zwischenbilanz der städtischen Digitaloffensive präsentierte. So sollen knapp 400.000 Euro aus der Corona-Soforthilfe nach Norderstedt fließen – der Bund stellt 500 Millionen Euro für Schüler, die sich ein mobiles Endgerät nicht leisten können und deswegen vom Unterricht entkoppelt wären.

700 digitale Endgeräte, Beamer und Projektoren

Mit den 400.000 Euro aus Berlin könne Norderstedt rund 700 Endgeräte anschaffen, sagte Weißenfels. „368 Unterrichtsräume wurden inzwischen mit Hardware ausgestattet“, bilanzierte Weißenfels. In den Grund- und weiterführenden Schulen seien 363 Deckenbeamer und 266 elektronische Leinwände installiert worden. Hinzu kämen je 28 mobile Beamer und Leinwände sowie zwölf Ultrakurzdistanzbeamer. „Einige Präsentationsgeräte müssen noch verkabelt werden. Da die Arbeiten mit Baulärm verbunden sind, werden sie während der Herbstferien erledigt.“

Den Schülern stünden 1352 Tablets, iPads und Notebooks zur Verfügung. Ergänzt werde die Ausstattung durch Zubehör wie Stifte oder Wlan-Adapter. Coronabedingt verzögere sich die Lieferung der Notebooks. Wenn sie eingetroffen sind, würden sie mit der von den Schulen gewünschten Software bespielt und verteilt. Das Land will die Schulen dabei unterstützen, das in anderen Bundesländern schon erfolgreich eingesetzte Lernmanagementsystem „itslearning“ zu etablieren. Laut Bildungsministerin Karin Prien (CDU) beläuft sich die Fördersumme auf rund 74 Millionen Euro. Mit der Lernsoftware könnten Lehrkräfte Unterrichtsmaterial bereitstellen, Aufgaben erteilen und die Ergebnisse kommentieren. Schüler könnten gemeinsam an Projekten arbeiten und untereinander kommunizieren. Konkret heißt das: Lehrkräfte und Schüler kommunizieren über einen gemeinsamen Desktop, können dort Aufgaben austauschen, aber auch per Videokonferenz zusammenarbeiten oder in kleineren Gruppen chatten – das funktioniert auch mobil über eine App.

Schulen fordern mehr Hilfe bei der digitalen Lernplattform

Auch Weißenfels empfahl das Lernmanagementsystem, musste sich, wie die Politiker, im Ausschuss aber Kritik gefallen lassen. Heike Schlesselmann, Leiterin des Coppernicus-Gymnasiums, und ihr Vertreter Sven Bachmann bemängelten, dass deutlich zu wenig Personal im IT-Bereich des Rathauses für die Schulen vorhanden sei. Es fehle an Administration und Unterstützung. Das sei Aufgabe des Landes, sagte Weißenfels. So gebe es in Flensburg neun Stellen für die Administration im Schulbereich, in Norderstedt aber nur 3,5 Stellen, obwohl die Fördestadt nur rund 10.000 Einwohner mehr hat als Norderstedt.

Kritik am Land kommt auch von der Norderstedter SPD: So lehne es das Bildungsministerium ab, als Arbeitgeber die etwa 1000 Lehrer in Norderstedt mit mobilen Endgeräten auszustatten. „Die Praxis, verschärft durch die Corona-Krise, zeigt, dass es nicht ausreichend ist, den Lehrkräften Endgeräte ausschließlich in der Schule zur Verfügung zu stellen“, sagt Mascha Kühl, stellvertretendes SPD-Mitglied im Schulausschuss und Lehrerin in Hamburg. Lehrer würden den Unterricht schließlich zu Hause vorbereiten. Wenn sie dabei mit wechselnden Geräten arbeiten müssen, käme es zu technischen Problemen beim Überspielen von Inhalten. „Das ist sehr umständlich, so dass ein Großteil der Lehrkräfte doch wieder Unterricht nach altem Muster durchführt“, sagt Kühl. Für die etwa 1000 Norderstedter Lehrkräfte gibt es bisher lediglich 600 mobile Endgeräte aus dem Etat der Schulen. Doch das Problem dürfte sich mit einem Beschluss des Bundes und der Kultusminister erledigt haben. Danach sollen die 800.000 Lehrer in Deutschland möglichst noch bis Ende des Jahres Dienstlaptops bekommen.