Norderstedt

Stadt stellt ein Haus für obdachlose Menschen bereit

Eingerollt in einen Schlafsack liegt ein Obdachloser in einer Bushaltestelle – eine würdelose Schlafstatt.

Eingerollt in einen Schlafsack liegt ein Obdachloser in einer Bushaltestelle – eine würdelose Schlafstatt.

Foto: Boris Roessler / dpa

Bis zu zehn Menschen kommen im Winternotprogramm 2020 von Dezember bis Ende Februar in Norderstedt unter – Diakonie koordiniert das Angebot.

Norderstedt. Für Obdachlose wird es auch in diesem Jahr in Norderstedt wieder ein Winternotprogramm geben. Vom 1. Dezember bis Ende Februar können acht bis zehn Menschen ohne festem Dach über dem Kopf an dem Programm teilnehmen.

Im Vorjahr fanden die Teilnehmer in Containern einen Schlafplatz – diesmal steht dafür ein städtisches Gebäude bereit. Neben Schlafplätzen sind in dem Haus auch Dusch- und Kochmöglichkeiten vorhanden. Falls wegen der kalten Witterung eine Verlängerung des Programms erforderlich werden sollte, ist das in dem städtischen Gebäude ohne Weiteres möglich und mit geringen Mehrkosten für den Träger verbunden. Zusätzlich werden vor dem Gelände zwei Wohncontainer und eine Mobiltoilette aufgestellt. Die Wohncontainer bleiben in erster Linie obdachlosen Frauen vorbehalten, können in Spitzenzeiten aber auch als zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit genutzt werden.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie sorgen für die Betreuung im Haus. Geplant ist, dass jeder Teilnehmer, der abends bis zu einer bestimmten Uhrzeit wieder da ist, auch wieder dasselbe Bett bekommt. ,,Ich gehe davon aus, dass die Abstands- und Hygieneregeln in der Unterkunft gewährleistet sind. Ich rechne damit, dass sich im Schnitt sieben Teilnehmer des Winternotprogramms gleichzeitig im Haus aufhalten werden. Ich bin sehr optimistisch, dass dort kein neuer Corona-Hotspot entstehen wird und alles gut läuft“, sagt Tobias Schloo (SPD), Vorsitzender im Sozialausschuss. Alle Fraktionen haben dem Winternotprogramm zugestimmt. Die Kosten werden mit etwa 20.000 Euro veranschlagt. Tagsüber bleiben das Gebäude und die Container verschlossen, unbelegte Container auch nachts. Um Obdachlose vor neugierigen Blicken und möglichen Anfeindungen zu schützen, hält die Stadt den Standort des Quartiers geheim. Den Zugang zum Haus steuert die Tagesaufenthaltsstätte (TAS). Dort werden Obdachlose, die nicht bereits dauerhaft in einer städtischen Unterkunft untergekommen sind, angesprochen und erhalten einen Berechtigungsausweis.

Unabhängig vom Winternotprogramm halten die Obdachlosenheime am Langenharmer Weg und an der Oadby-and-Wigston-Straße jeweils ein Notfallzimmer bereit. Die Polizei kann die Zimmer öffnen, um Bedürftigen kurzfristig ein Dach über dem Kopf zu gewähren – auch nachts und an Wochenenden.

Im März war das Winternotprogramm vom vorigen Jahr infolge des milden Wetters beendet worden. Zur selben Zeit mussten wegen der sich abzeichnenden Coronavirus-Pandemie gemäß Covid-19-Landesverordnung alle regulären Versorgungsangebote für Obdachlose wie die TAS und die Tafel schließen. Obdachlose waren damit völlig auf sich allein gestellt. Aus diesem Grund habe die Stadt „kurzfristig und aus freien Stücken“ die leer stehende alte Feuerwache an der Segeberger Chaussee reaktiviert, um den Obdachlosen eine vorübergehende Bleibe zu bieten, teilt Fabian Schindler mit, Sprecher der Stadt Norderstedt. Die Betreuung des Hauses wurde ebenfalls über die TAS und die Diakonie organisiert.

Als im Juli die regulären Versorgungsangebote wieder öffneten, trat rasch eine Normalisierung der Lage ein. Die alte Feuerwache wurde geschlossen – seitdem steht sie wieder leer. ,,Der Grund für die Schließung ist, dass in den kommenden Wochen in der Liegenschaft Umbauarbeiten vorgenommen werden“, sagt Schindler.

Es werden Spinde als Raumtrenner aufgestellt, damit in einem erneuten Bedarfsfall die schnelle Möglichkeit besteht, hier bedürftige Menschen unterzubringen.