Ausbildung

Sina Christensen darf jetzt beruflich abheben

Bundespolizei-Pilotin Sina Christensen wird nach der Ausbildung ihren Dienst bei der Fliegerstaffel in Fuhlendorf antreten.

Bundespolizei-Pilotin Sina Christensen wird nach der Ausbildung ihren Dienst bei der Fliegerstaffel in Fuhlendorf antreten.

Foto: Wolfgang Klietz

Der Nachwuchs der Hubschrauberpiloten der Bundespolizei flog zum Abschluss der Ausbildung im Formationsflug von Bonn bis Bad Bramstedt.

Kreis Segeberg.  Bevor man sie sieht, sind die Maschinen zu hören. Knapp über den Bäumen schweben zehn Hubschrauber in Formationen über dem Flugplatz der Bundespolizei in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt ein und setzen zur Landung an. Die Luft vibriert, die Hobbyfotografen hinter dem Zaun sind begeistert. Die sogenannten Spotter wollen die Fotos der ungewöhnlichen Formation später in ihren Fangruppen präsentieren.

Für die Piloten der Helikopter gehört der Formationsflug über ganz Deutschland mit einem Abstecher ins kleine Fuhlendorf zum Höhepunkt am Schluss ihrer Ausbildung. Gestartet waren sie an der Luftfahrtschule der Bundespolizei in Sankt Augustin bei Bonn, an der auch die Landespolizeien ihre Piloten ausbilden lassen. Von dort ging die Übungsreise nach Norden über Gifhorn nach Hamburg zum Flughafen. Weiter ging es zu Flugübungen über dem Kreis Segeberg und das südliche Schleswig-Holstein. Die nächsten Stationen sind Rostock-Laage, Rügen, Blumberg, Bautzen, Kassel und wieder Sankt Augustin.

Eine junge Pilotin in einer von Männern dominierten Riege

Die 27-jährige Sina Christensen gehört zu den bereits ausgebildeten Piloten, die an der Abschlussübung teilnahmen. Sie hat die Ausbildung zur Polizistin absolviert und den 22-monatigen Piloten-Lehrgang dran gehängt. Nach der Abschlussübung wird sie zur Stammmannschaft der Fliegerstaffel in Bad Bramstedt gehören. „Ich hatte schon immer den Wunsch, Pilotin zu werden“, sagt Sina Christensen, als sie den blauen Bundespolizei-Hubschrauber vom Typ EC 135 verlässt. Für sie war es die erste große Übung für Formationsflüge. „Das erfordert große Konzentration“, sagt sie. „Man muss besonders auf die Abstände achten und darf sich nicht zu nahe kommen.“ Sie gehört zu den wenigen Frauen in der von Männern dominierten Pilotenriege.

Neben ihrer blauen Maschine stehen Hubschrauber mit unterschiedlichstem Design. Sie kommen aus Bayern, Brandenburg und anderen Bundesländern, die alle Wert auf eine eigene Gestaltung ihrer Hubschrauber legen. Fluglehrer Sebastian Fasch leitet die Übung und ist zufrieden mit der Leistung der Piloten von Bund und Ländern. „Wichtig ist beim Formationsflug auch die Kommunikation“, sagt Fasch, der seit 2017 Piloten ausbildet.

Die Polizei stelle in der Regel Hubschrauber zu Formationen zusammen, wenn eine große Zahl von Beamten schnell und sicher transportiert werden müssen. Und das bei fast jedem Wetter und auch nachts. Außerdem werden die Flieger eingesetzt, um Vermisste oder Straftäter zu suchen, Bahnanlagen zu überwachen oder hochrangige Politiker und Staatsgäste zu fliegen. Darüber hinaus überwachen die Besatzungen die Grenzen.

Das Spezialgebiet für Bad Bramstedter Piloten: das Meer

Bevor die fertig ausgebildeten Piloten am 22. Oktober feierlich die Lizenzen fürs Fliegen im Einsatz erhalten, steht ihnen noch eine weitere Herausforderung bevor: In den Alpen trainieren sie das Fliegen im Gebirge. Die Piloten seien verlässliche Freunde und Helfer aus der Luft, die künftig in einer der vier Bundespolizei-Fliegerstaffeln oder der Fliegerstaffel eines Bundeslandes eingesetzt würden, sagt die Sprecherin der Fliegergruppe in Sankt Augustin, Fiona Roloff. Für Sina Christensen ist die Ausbildung auch dann noch nicht beendet. Wenn sie als Pilotin ihren Dienst in Fuhlendorf antritt, muss sie das Fliegen über dem Meer erlernen. Die Flieger der Bundespolizei aus dem Kreis Segeberg sind die einzigen bundesweit, die auch über See im Einsatz sind. Regelmäßig sind die Hubschrauber aus Fuhlendorf an den Küsten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu sehen und drehen dort ihre Runden. Die Crews aus Fuhlendorf fliegen allein über Nord- und Ostsee rund 2000 Stunden pro Jahr. Außerdem unterstützen die Fuhlendorfer Polizeiflieger ihre Kollegen von der Landespolizei Schleswig-Holstein, die über keine eigenen Hubschrauber verfügt.

Im kommenden Jahr erhält die Staffel vier weitere Hubschrauberdes neuen Super Puma-Typs, um ihre wachsenden Aufgaben bewältigen zu können. Auch das Personal wird aufgestockt. Um die Menschen und das Material unterbringen zu können, sind umfangreiche Baumaßnahmen geplant, die nach ersten Schätzungen mehrere zehn Millionen Euro kosten werden.

15 Polizeihubschrauber

Die Fliegerstaffel Fuhlendorf der Bundespolizei ist eine von vier in Deutschland. Dort sind 180 Beamte beschäftigt. Dazu zählt das fliegende Personal, eigene Feuerwehrleute und Techniker.

Derzeit kann die Staffel 15 Polizeihubschrauber einsetzen. Das größte Modell ist die Super Puma. Hinzu kommen vier weitere Maschinen, die als Rettungshubschrauber eingesetzt werden.

Der Hubschrauber-Flugplatz liegt gesichert hinter hohen Zäunen an einer kleinen Seitenstraße, die von der Landesstraße 319 abzweigt. Die Fuhlendorfer Staffel verfügt über einen zweiten Standort mit 60 Beamten in Gifhorn in Niedersachsen.

Die Hubschrauber der Bundespolizei gehören zur Fliegergruppe in Sankt Augustin bei Bonn. Dort findet auch die Ausbildung statt. Gegründet wurde die Fuhlendorfer Staffel im Jahr 1963. Die Kennung des Flugplatzes ist EDHX. Der große Hangar ist einmal im Jahr Treffpunkt politischer Prominenz aus Norddeutschland. Dorthin lädt die Bundespolizeidirektion traditionell zu ihrem Neujahrsempfang ein.

Die Einheiten der Bundespolizei unterstehen im Gegensatz zu den Polizeien der Bundesländer dem Bundesministerium des Innern. Hauptquartier ist Potsdam.