Norderstedt

Städtebauliches Highlight oder "quadratisch-praktisch"?

Wohnungen und Büros statt Gartenbedarf: So könnte die Ecke Ochsenzoller Straße und Ohechaussee ohne das Traditionsgeschäft Meyer's Mühle aussehen.

Wohnungen und Büros statt Gartenbedarf: So könnte die Ecke Ochsenzoller Straße und Ohechaussee ohne das Traditionsgeschäft Meyer's Mühle aussehen.

Foto: HHS Architekten

Die Politik diskutierte die Pläne für die Bebauung des Grundstücks von Meyer’s Mühle in Norderstedt – Grundsatzbeschluss vertagt.

Norderstedt.  Am Ende der Diskussion wirkte der Architekt Thomas Seifert vom Architekturbüro Hohaus, Hinz & Seifert (HHS) leicht konsterniert. So viel Kritik und so viele Fragen hatte die Politik im Ausschuss für Stadtentwicklung. Dabei hatten er und seine Kollegen sich mit ihrem ersten Konzept für eine Bebauung des Grundstücks auf der Ecke Ochsenzoller Straße und Ohechaussee viel Mühe gemacht.

So viele Details waren enthalten, wie es eigentlich erst in weit fortgeschrittenen Verfahren üblich ist und nicht, wenn es nur um einen Grundsatzbeschluss für ein Bauwerk gehen soll.

Grundstück mit Garstedter Tradition

Doch es handelt sich eben um ein Grundstück mit viel Garstedter Tradition. Für die Pläne des Investoren, die HHS vertritt, müsste der Gartenfachmarkt Meyer’s Mühle weichen (wir berichteten). Die Unternehmer-Familie Meyer kann sich mit einem Neustart an anderer Stelle anfreunden. Manche Politiker anscheinend noch nicht so sehr.

Auf dem etwa 7000 Quadratmeter großen Grundstück würde der Investor gerne 133 Wohnungen schaffen, 50 Prozent gefördert. Dazu etwa zehn Büros und Praxen, vielleicht eine Gastronomie im Erdgeschoss. Vier Gebäude könnten entstehen.

Ein Block mit sechs Geschossen direkt auf der Straßenecke, anschließend an der Ohechaussee ein viergeschossiger Bau mit Staffelgeschoss und an der Ochsenzoller Straße mit drei Geschossen und Staffelgeschoss. Dahinter ein vierstöckiges Gebäude und ein grüner Innenhof. 120 Autos und 300 Fahrräder sollen in einer Tiefgarage Platz finden. So weit die Vorstellungen.

„Der Kopfbau mit den sechs Geschossen erschlägt mich“

„Eine Nummer kleiner wäre mir lieber gewesen“, sagte Reimer Rathje, Fraktionschef der WiN. „Der Kopfbau mit den sechs Geschossen erschlägt mich.“ Er rief den Ausschuss dazu auf, kritisch mit den Plänen „und den fotogeshopten Darstellungen, die alles geschönt zeigen“ umzugehen.

Tobias Mährlein (FDP) stieß sich ebenfalls an der „quadratisch-praktischen Einfallslosigkeit an dieser exponierten Ecke“. Petra Müller-Schönemann (CDU) lobte das Konzept zwar generell als „Rundum-Sorglos-Paket“, weil es sowohl bezahlbaren Wohnraum, als auch Car-Sharing integriere. Doch irgendwie fehlte ihr der Bezug zu Meyer’s Mühle. „Da stand ja mal eine Mühle. Könnte man das nicht in dem Eckgebäude aufnehmen. Mit einem Mühlenflügel oder der Integration der Backsteinfassade des alten Meyer’s Mühle-Hauses?“

Mühlenflügel? „Nein, das wird schwierig“

Architekt Seifert fehlte angesichts dieser Forderungen die Vorstellungskraft. Mühlenflügel? „Nein, das wird schwierig.“ Christine Rimka, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, die Seiferts Pläne zuvor gelobt hatte, betonte daraufhin, es hier mit wirklich guter Architektur zu tun zu haben und bat um Mäßigung in den Reihen der Politiker.

Marc Muckelberg von den Grünen schließlich bezeichnete die Pläne dann auch als „städtebauliches Highlight“ in Norderstedt. Die Bedenken der Kollegen im Gremium teilte er nicht. „Das ist eben ein Beispiel für eine gute Stadtentwicklung und nicht für eine Dorfentwicklung.“ Zu bemängeln hatte er nur die Größe der Wohnungen. „Wir brauchen dringend mehr kleine Wohnungen in der Stadt.“

Noch gab es also keinen Grundsatzbeschluss. Die Politik bat um Klärung einiger Detailfragen. In der kommenden Sitzung wird erneut beraten.