Kreis Segeberg

Neue Hilfsmittel im Kampf gegen Autobrände

Die Feuerwehren im Kreis Segeberg können künftig  Autobrände mit Löschdecken bekämpfen.

Die Feuerwehren im Kreis Segeberg können künftig Autobrände mit Löschdecken bekämpfen.

Foto: Kreisfeuerwehrverband Segeberg

Kreis Segeberg kauft für 282.000 Euro neuartige Löschdecken für alle 116 Feuerwehren. Die Decken sollen bei Fahrzeugbränden zum Einsatz kommen.

Kreis Segeberg.  Die Anschaffung ist vergleichsweise günstig, der Nutzen jedoch enorm: Der Kreis Segeberg hat 282.000 Euro investiert und rüstet fast alle 116 Feuerwehren in der Region mit Löschdecken aus. Landrat Jan Peter Schröder übergab die neue Ausrüstung in der Kreisfeuerwehrzentrale. Damit steht den Einsatzkräften ein neues In­strument zur Verfügung, um die gefürchteten Fahrzeugbrände zu bekämpfen. Die Feuerwehr in Norderstedt hat drei Decken erhalten.

Noch im vergangenen Jahr war die Sorge groß, nachdem die Feuerwehr Kaltenkirchen zu einem brennenden Elek­troauto auf der A7 gerufen wurde. Das Feuer im Akku war mit herkömmlichen Löschmethoden nicht zu bekämpfen und flammte immer wieder auf. Stundenlang waren die Feuerwehrleute im Einsatz und riefen dann den Norderstedter Bauhof zu Hilfe. Der stellte einen Container bereit, den die Feuerwehr mit Wasser flutete. Dann versenkte ein Kran das Auto. Damit war das Feuer gelöscht.

„Wir stehen vor neuen Herausforderungen“, hatte Kreiswehrführer Jörn Nero damals gesagt. Besonders die kleinen Feuerwehren rätselten, wo sie schnell Container und einen Kran beschaffen sollten. Auch die Politik beschäftigte sich mit dem Problem, mit dem niemand zuvor gerechnet hatte. Experten rieten zur Anschaffung der Löschdecken, im Dezember 2019 stellte der Kreistag die Mittel bereit.

„Eine Löschdecke ist für die Kreisausbildung vorgesehen und wird künftig bei der Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern mit eingesetzt“, sagte Feuerwehrsprecher Sönke Möller. Die Decken können bei allen Autos genutzt werden – egal, ob sie elektrisch oder mit Benzin, Diesel oder Gas angetrieben werden. Bei der symbolischen Übergabe an den Kreisfeuerwehrverband in Bad Segeberg entzündeten Feuerwehrleute ein Schrottauto und führten die Decke vor. Binnen weniger Sekunden war der Brand erstickt, weil der Sauerstoff fehlte. Um die Deckenränder zu beschweren, griffen die Einsatzkräften zu Sandsäcken.

Kreispräsident Claus-Peter Dieck postete nach der gelungenen Vorführung auf Facebook: „Diese Löschdecken können Spitzentemperaturen von bis 1600 Grad und dauerhaft Temperaturen von 1000 Grad standhalten. Mit relativ wenig Personalaufwand sind unsere Kameraden im Kreis nun in der Lage, auf engsten Raum Brände von Fahrzeugen oder kleinen Anlagen schnell unter Kontrolle zu bringen. Die Anschaffungskosten von knapp 280.000 Euro sind bestens investiert.“

Hersteller ist die norwegische Firma Bridgehill. Die Löschdecke hat eine Größe von sechs mal acht Metern und ein Gewicht von 38 Kilo. Nach Herstellerangaben kann sie bis zu 50-mal eingesetzt werden.

Norderstedts Stadtwehrführer Fabian Wachtel bezeichnet den Einsatz der neuen Löschdecken als eine Option zur Bekämpfung von Fahrzeugbränden. „Das ist eine gute Möglichkeit“, sagt er. „Aber nicht die einzige.“ Nach dem Brand auf der Autobahn 7 hatte Norderstedt für brennende E-Autos einen eigenen Löschcontainer beschafft, um nicht provisorisch die Müllcontainer des Bauhofs einsetzen zu müssen. Dieser Container steht jederzeit bereit, denn nicht alle Brände lassen sich mit einer Decke löschen. „Einige Lithium-Ionen-Akkus produzieren bei Feuer eigenen Sauerstoff“, sagt Wachtel. In so einem Fall kann die Feuerwehr den Brand mit einer Löschdecke nur eindämmen, aber nicht löschen. Daher hält sich die Feuerwehr auch künftig die Option offen, brennende E-Autos in einem gefluteten Container zu versenken. „Es gibt keine Allroundlösung“, sagt Wachtel.

Das Löschwasser muss danach als Sondermüll entsorgt werden. Auch der Kreisfeuerwehrverband wird einen Löschcontainer anschaffen. Gemeinsam mit dem Norderstedter Container soll dieses Einsatzmittel für die Wehren im gesamten Kreis Segeberg zur Verfügung stehen.

Eine dritte Variante zum Löschen brennender Akkus lehnen Wachtel und seine Kollegen im Kreis Segeberg ab. Manche Feuerwehren in Deutschland nutzen Löschlanzen, die mit hohem Druck große Menschen Wasser direkt in die Batterie pumpen. Irren sich jedoch die Feuerwehrleute und übersehen, dass nur das Gehäuse brennt, gerät der Akku durch den Einsatz der Lanze in Brand. Er birst wegen des hohen Drucks.