Kreis Segeberg

Zulassungsstelle: Drei Wochen Wartezeit für Kunden

Die Zulassungsstelle an der Oststraße in Norderstedt. 

Die Zulassungsstelle an der Oststraße in Norderstedt. 

Foto: Jörg Riefenstahl

Die Situation in Norderstedt und Segeberg ist auch wegen Corona angespannt. Mitarbeiter werden häufig beschimpft.

Norderstedt.  Wer in diesen Tagen sein Kraftfahrzeug an- oder ummelden möchte, braucht vor allem Geduld: Mindestens drei Wochen warten Kunden auf einen Termin bei der Zulassungsstelle in Bad Segeberg oder in Norderstedt. Im Mai waren es noch zwei Wochen. Die Situation ist angespannt, bei einigen Kunden liegen die Nerven blank – Pöbeleien und Beleidigungen von Mitarbeitern sind an der Tagesordnung. Eine Besserung der Lage ist vorerst nicht in Sicht.

Die Zulassungsstellen stecken in einem Dilemma. Einerseits wollen sie möglichst viele Kunden möglichst schnell bedienen. Das aber geben weder die Räumlichkeiten noch die Personaldecke her. ,,Die Abstands-und Hygieneregeln müssen nach wie vor eingehalten werden. In den Wartebereichen darf sich daher nur eine sehr begrenzte Anzahl an Personen aufhalten, und das auch nicht zu lange“, sagt Sylvia Jankowski, Pressesprecherin der Kreisverwaltung.

Die Terminvergabe diene dazu, die Vorgaben des Infektionsschutzes zu erfüllen. Der Wunsch vieler Kunden nach einer „offenen Sprechstunde“ sei durchaus verständlich, betont die Sprecherin. Unkontrollierter Zugang bedeute aber auch unkalkulierbares Infektionsrisiko. Es gehe darum, große Menschenansammlungen zu vermeiden. ,,Der Schutz vor einer Corona-Infektion hat Priorität.“

Sicherheitsdienst kümmert sich um aggressive Kunden

Um den Publikumsverkehr zu begrenzen, sind seit Beginn der Pandemie Fahrzeugstilllegungen, Änderungen der Zulassung wegen Umzugs und Fragen an die Behörde auch per Post und online möglich. Gleichzeitig stieg jedoch die Anzahl der Zulassungen von April bis Juni um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Erst im Juli und August wurde mit 52.000 Anträgen pro Monat wieder in etwa das Vorjahresniveau erreicht.

Längst nicht alle Kunden zeigen Verständnis für die langen Wartezeiten – und machen ihrem Ärger Luft. ,,Mitarbeiterinnen werden am Telefon und im Mailverkehr beschimpft“, berichtet Sylvia Jankowski. ,,Dabei reichten die Aussagen von ,Ihr seid ja nur zu faul und wollt nicht arbeiten’ bis hin zu ,Ich mach Euch Dampf und werde Euch mal ordentlich den Kopf waschen’.“

Ein Sicherheitsdienst fange in den Zulassungsstellen aggressive Bürgerinnen und Bürger ab und helfe, wenn Kunden, die sich durch falsche Angaben Zugang ins Gebäude erschlichen haben und sich anschließend weigern, es wieder zu verlassen. Zunächst werde versucht, zu deeskalieren, sagt ein Sicherheitsmann, der mit seinem Kollegen den Eingang zur Zulassungsstelle an der Oststraße in Norderstedt bewacht.

Autohäuser und Servicefirmen werden bevorzugt behandelt

In Segeberg arbeiten zurzeit 15, in Norderstedt elf Mitarbeiter in der Zulassungsstelle – davon sieben in Teilzeit. Mehr Personal ist zurzeit nicht drin. Werden lange Wartezeiten damit womöglich zum Dauerzustand? ,,Die Mehrzahl der gewerblichen Kunden wie Autohäuser nimmt keine Termine in Anspruch. Die Bearbeitung wurde den Bedürfnissen dieses Personenkreises angepasst und organisiert“, sagt die Sprecherin.

Das bedeutet in der Praxis: Autohäuser und Zulassungsservices werden bevorzugt behandelt. Der Service kostet natürlich extra – erspart einem dafür aber auch das lange Warten auf einen Termin und den Weg zur Zulassungsstelle. Wenn alles perfekt läuft, kann der Kunde schon am nächsten Tag mit seinem frisch zugelassenen Fahrzeug losfahren.

Eine ebenso preiswerte wie zeitsparende Alternative wäre die Online-Zulassung von Kraftfahrzeugen. Die sollte es in Schleswig-Holstein eigentlich längst geben. Aber die Einführung lässt weiter auf sich warten. Ihre Behörde wirke darauf hin, dass die digitalen Dienste ,,zügig angeboten werden können“, betont Sylvia Jankowski. Kunden hätten dann die Möglichkeit, von zu Hause aus ihren zugelassenen Gebrauchtwagen und Neufahrzeuge auf ihren Namen zuzulassen. ,,Diese Angebote führen zu einem geringeren Kundenaufkommen vor Ort und somit zu einem „Mehr“ an Terminen.“

Die technische Umsetzung des Online-Projekts in Schleswig-Holstein macht der Dienstleister Dataport. Das Zentrale IT-Management des Landes und der IT Verbund Schleswig-Holstein (ITVSH) koordinieren das Projekt. Woran hapert es? ,,Die technischen Herausforderungen in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein sind immens. 15 Zulassungsstellen mit sehr unterschiedlichen technischen und organisatorischen Voraussetzungen und Anforderungen müssen mit einem Online Dienst abgebildet werden und sicher miteinander vernetzt werden“, sagt der zuständige Koordinator vom IT-Verbund Schleswig-Holstein, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Wann wird mit der Online-Zulassung zu rechnen sein?

Wann wird konkret mit der Online-Zulassung zu rechnen sein? ,,Wenn eine weitere Funktion online gestellt wird, ist diese automatisch für alle Zulassungsstellen in SH verfügbar“, sagt der Koordinator. ,,Bis Ende des Jahres werden 80 bis 100 Prozent der Funktionen online verfügbar sein. Die Online-Zulassung fabrikneuer Fahrzeuge ist das Nächste, was wir scharfstellen.“ Unterlagen wie die Zulassungsbescheinigung Teil1/2 und Plaketten für die Nummernschilder erhalten Online-Kunden dann per Post.

Ebenfalls seit Jahren im Gespräch ist die Sanierung der Zulassungsstelle in Norderstedt. Erstmals nennt die Behörde jetzt einen konkreten Termin: Ab Juni kommenden Jahres soll der Innenbereich des Gebäudes aus den 1980er-Jahren für 750.000 Euro grundlegend saniert werden. Fünf Monate soll der Umbau dauern. Für die Zeit zieht die Zulassungsstelle vorübergehend in Container um. ,,Die Leistungen der Zulassungsbehörde werden für private Kunden eingeschränkt vor Ort in Norderstedt an der Oststraße 20 angeboten, für gewerbliche Kunden in Bad Segeberg“, verspricht Sylvia Jankowski. Der Hauptausschuss und Kreistag müssen den Plänen noch zustimmen.

Persönliches Erscheinen ist nicht immer nötig

An den vielfach kritisierten Öffnungszeiten der Zulassungsstellen, die über die Mittagszeit geschlossen sind, um 15 Uhr (Norderstedt) und 16 Uhr (Segeberg) Feierabend machen und freitags spätestens um 12 Uhr das Wochenende einläuten, dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern.

,,Stilllegungen von Fahrzeugen und Änderung der Zulassung wegen Umzug im Kreis werden auch vom Bürgerservice der Gemeinde Henstedt-Ulzburg und Ellerau, der Ämter Bad Bramstedt-Land und Bornhöved sowie der Stadt Kaltenkirchen angeboten“, sagt dazu die Pressesprecherin der Kreisverwaltung. ,,Leistungen vor Ort können auch von Bevollmächtigten erledigt werden, sodass ein persönliches Erscheinen nicht notwendig ist.“