Kreis Segeberg

Papa, flechtest Du mir bitte einen Zopf?

Seine eigene Frisur macht Papa Marco sicherlich nicht so viel Arbeit wie die seiner Tochter Marlit!

Seine eigene Frisur macht Papa Marco sicherlich nicht so viel Arbeit wie die seiner Tochter Marlit!

Foto: Thorsten Ahlf

Die Volkshochschule Henstedt-Ulzburg lud Väter und ihre Töchter zu einem ganz besonderen Workshop in einen Friseursalon ein.

Kreis Segeberg.  „Das ist cool!“ Christian Köhler, Vater der dreijährigen Emmi aus Quickborn, tänzelt um den Frisierstuhl wie ein echter Profi. Seine Tochter strahlt. Denn die erste Aufgabe hat der Papa ganz gut hinbekommen – nämlich seiner Tochter einen Zopf (früher sagte man „Pferdeschwanz“) zu machen. Also: Alle Haare nach vorn bürsten, am besten über Kopf, und dann mit dem Zopfgummi zusammennehmen. Das ist gar nicht so einfach, egal ob die Haare dick oder dünn, glatt oder lockig sind. Dann die Haare, die oben herausschauen, wie eine Palme um ein kleines Kissen verteilen, das Ende herumwickeln und mit einem weiteren Gummi fixieren. Fertig!

„Nun kommt Farbe ins Spiel,“ verspricht Friseurmeisterin Franziska Behrens. Mit bunten Pfeifenreinigern werden Zöpfe links und rechts am Kopf stabilisiert und zu Schnecken gedreht. Als Königsdisziplin lernen Christian Köhler und die anderen Väter am Ende das Zöpfeflechten, eine Technik, die offenbar nur wenigen Männern geläufig ist. „Drunter, drüber, und einen fallenlassen“, murmelt Marco, Vater der vierjährigen Marlit.

Mit ihrem Papa-Tochter-Workshop „Mädchenfrisuren leicht gemacht“ hat die VHS in Henstedt-Ulzburg einen Volltreffer gelandet. Franziska Behrens, die in der Gemeinde den Friseursalon B Perfekt betreibt, entwickelte zusammen mit VHS-Mitarbeiterin Ramona Bücker das Konzept für das ungewöhnliche Angebot. Der Grundgedanke der beiden Frauen: Väter und Töchter haben zwar oftmals ein besonders inniges Verhältnis, doch beim Thema Haare gelangen die Papas schnell an ihre Grenzen. Da ist wohl was dran, denn der Kursus, der eigentlich schon im März stattfinden sollte, wegen der Corona-Pandemie aber verschoben werden musste, war im Handumdrehen ausgebucht.

In der professionellen Umgebung von Franziska Behrens’ Salon konnten die Väter jetzt ihre Kenntnisse erweitern. „Ich zeige Euch richtig, richtig coole Frisuren“, versprach die Friseurmeisterin den Männern und vor allem deren Töchtern. Mit Hilfe von Nina, einem Puppenkopf mit Echthaar, demonstrierte sie zunächst, wie langes Haar am besten gekämmt wird, ohne dass es „ziept“: von unten nach oben. Für die weiteren Schritte lagen Hilfsmittel wie Zopfgummis, Haarnadeln, Duttkissen und Pfeifenreiniger bereit.

Auch wenn einige der Mädchen anfangs noch etwas skeptisch in den Spiegel und zu ihrem Papa blickten – nach kurzer Zeit gab es nur noch fröhliche Gesichter. Marcus Piepiora, Vater von Lara (10), bedauert, das Haus morgens immer schon um fünf Uhr verlassen zu müssen. Von der Haarpflege der Tochter bekomme er so nie etwas mit, sagte er. Seine Frau habe das Angebot im VHS-Programm gefunden und ihn und Lara schnell angemeldet.

Auch Franziska Behrens ist sehr zufrieden. „Die Resonanz der Teilnehmer war ganz toll.“ Die Stimmung sei entspannt, dass Interesse der Väter groß gewesen. Bleibt zu hoffen, dass in der morgendlichen Routine und Hektik diese gelassene Grundhaltung beibehalten werden kann. Auch Ramona Bücker freut sich über den Erfolg des Vater-Tochter-Workshops und plant eine Wiederholung. „Wir testen immer gern neue Ideen,“ sagt sie. „Die dürfen auch ein bisschen verrückt sein.“ Wer eine solche Idee hat und bei der VHS verwirklichen möchte, darf sich gern bei ihr melden.