Schröters Wochenschau

Umdenken geht sofort, Umbau dauert länger

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Der Klimawandel und der Borkenkäfer machen dem Segeberger Forst zu schaffen. Deshalb soll dieser nun „umgebaut“ werden – ein Generationenprojekt.

Schleswig-Holstein hat vieles. Besonders viel Wald allerdings nicht. Immerhin gibt es in unserem Landkreis den Segeberger Forst. Der ist, nach dem Sachsenwald bei Hamburg, mit einer Fläche von mehr als 4000 Hektar das zweitgrößte zusammenhängende Waldgebiet in Schleswig-Holstein. Noch.

Denn dem Forst geht es mies. Vertreter der Landesforstbehörde sowie der Landwirtschaftskammer ermittelten in dem überwiegend mit Nadelholz bewachsenen Flächen erhebliche Baumschäden infolge des Klimawandels und damit verbundenen Borkenkäferbefalls. Um das in den Griff zu kriegen, erarbeiten die Fachleute und Waldbesitzer nun Konzepte.

Favorisiert wird der allmähliche Umbau der Wälder. Man setzt künftig auf mehrere Baumarten als auf Monokultur. Heimische Laubgehölze wie Douglasie, Eiche, Buche anstatt Fichte dicht an dicht. Das braucht sachkundige Planung. Und, vor allem, Zeit. Ein Wald lässt sich nicht mal eben aus dem Boden stampfen wie eine Elbphilharmonie (okay, schlechtes Beispiel – da wäre ein Wald vielleicht doch beinahe schneller gewesen…). Es muss ein ganz eigener Reiz sein, an so einem Projekt zu arbeiten, bei dem die eigene Restlebensspanne wahrscheinlich gar nicht ausreicht, um das Ergebnis voll begutachten zu können. Dafür braucht es Menschen, die diese Aufgabe wichtiger nehmen als sich selbst.

Und es ist gut, dass wir die in diesem Lande offenbar haben. Man stelle sich nur mal vor, an maßgeblicher Stelle im Forstamt säße jemand wie Donald Trump. Der schaut zu, wie halb Kalifornien abfackelt und gibt dann den Grundbesitzern die Schuld, weil die ihren Wald nicht aufräumen. Das ist, so Trump, schon deshalb so gefährlich, weil herumliegende Baumstämme alsbald explodieren – selber Schuld also, wenn dann nicht nur der Baum, sondern gleich die ganze Stadt brennt. Wahrlich, eine steile These. Für die der Präsident allerdings der lebende Gegenbeweis ist: Könnte hohles Holz einfach so explodieren, hätte Trump längst keinen Kopf mehr.

Da lobe ich mir doch eine sachorientierte Krisenbewältigungskultur á la Schleswig-Holstein. Problem einkreisen, Lösungen erarbeiten, möglichst alle Beteiligten dabei mitnehmen. Man darf ja nicht nur bloß abwarten, ob sich das Klima vielleicht von alleine bessert (Trump: „Sie werden sehen, es wird schon bald wieder kälter!“ – Ja, klar, bald ist ja auch Winter…). Umdenken im Kopf geht sofort. Umbau im Wald dauert länger. Bekämpfung des Klimawandels ist eine Aufgabe für Generationen.

Aber wir arbeiten daran.

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