Schröters Corona-Update

Weltruhm, Globalisierung und Krabbensalat

Autor Jan Schröter aus Bad Bramstedt.

Autor Jan Schröter aus Bad Bramstedt.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Im Norden wurden in den vergangenen Wochen die Krabben knapp – wegen Corona. Müssen die Krustentiere jetzt auch bald eine Maske tragen?

Kreis Segeberg.  Bad Bramstedt, Supermarkt, „Käse und Salate“-Theke. Die Kundin vor mir freut sich euphorisch darüber, dass endlich wieder Nordseekrabbensalat angeboten wird und erkundigt sich, warum dies in den letzten Wochen so selten der Fall gewesen sei. „Wegen Corona“, erklärt die Verkäuferin bereitwillig, und prompt weicht bei der Kundin die Freude dem blanken Entsetzen: „Krabben kriegen auch Corona?“

Nein, gute Frau, kriegen Krabben natürlich nicht – wer unter Wasser lebt, kann ja wohl schlecht Aerosole einatmen. Falls doch, müssten Krabben Masken tragen. Die wären allerdings, so mittenmang der Nordsee, innerhalb einer Zehntelsekunde durchweicht und somit unbrauchbar. Und in den Meeren schwimmt schon genug Müll, da müssen jetzt nicht auch Trilliarden von Krabben-Schnutenpullis… Was die Verkäuferin wirklich sagen wollte, war: Wegen Corona waren zeitweise die Transportwege dicht oder der Warenverkehr wurde stark verzögert abgewickelt, und das machte es zu teuer bis unmöglich, die frischgefangenen Krabben wie üblicherweise nach Marokko oder sonst wohin zum Puhlen zu schaffen. Und wieder zurück, selbstverständlich. Einfach unrentabel, deshalb gab’s wochenlang keinen Krabbensalat an der Supermarkttheke in Bramstedt. Und anderswo. Also, Entwarnung: Krabben kriegen kein Corona.

Ich kann jedoch nachvollziehen, dass man mittlerweile fast jede Informationen zum Thema Corona zumindest nicht für potenziell unmöglich hält, weil innerhalb kurzer Zeit unser Leben in so vielerlei Hinsicht auf den Kopf gestellt wurde. Es ist wirklich zu verwirrend, was diese Pandemie so alles durcheinandergewirbelt hat. Hätte man beispielsweise noch vor einem Jahr gefragt: „Wer kriegt den Deutschen Radiopreis?“, wären diverse Popstars aufgezählt worden. Auf die Frage: „Kriegen Virologen auch einen Deutschen Radiopreis?“, hätten alle laut gelacht. Jedenfalls die Hälfte der Leute, denen diese Fragen gestellt worden wäre. Die andere Hälfte hätte verständnislos zurückgefragt: „Was ist ein Virologe?“ Tja, was ein Virologe ist, wissen wir nun alle. Das hätte Christian Drosten letztes Jahr selbst nicht gedacht. Jetzt hat er den Radiopreis bekommen und ist so bekannt, dass, als ich mich eben beim googeln vertippt und „Dristen“ statt „Drosten“ eingegeben habe, trotzdem alles zu „Drosten“ angezeigt wurde – das nennt man wohl Weltruhm. Wenn ich „Schrater“ in die Suchmaschine tippe, kommt überhaupt nichts zu meiner Person. Das war allerdings auch schon vor Corona so. So gesehen verkörpere ich wenigstens eine echte Konstante im Leben. Und das ist, gerade in unsicheren Zeiten wie diesen, doch ungemein tröstlich. Normale Durchschnittsmenschen wie Sie und ich, wir sind Krisenanker, unverbrüchlich im Schlick des Daseins verhakt. Nicht so wankelmütig mal weg, mal da wie Krabbensalat. Überhaupt, liebe Genforscher: züchtet doch mal Nordseekrabben ohne Schale. Die müssen dann nicht erst nach Marokko, sondern kommen gleich in den Salat.
Dann kriegt ihr nächstes Jahr vielleicht auch den Radiopreis.