Rätsel

Ein Philosoph, der nach der Wahrheit suchte

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. In unserem heutigen Denksport-Rätsel suchen wir den Namen eines radikalen Denkers der Neuzeit.

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen.


„Der Rock macht nicht den Mann. Wozu eine kostbare Hülle für ein wertloses Ding.“ Baruch führte ein stilles, bescheidenes Leben im Holland des 17. Jahrhunderts. Am 24. November 1632 war er als Sohn spanisch-stämmiger Juden in Amsterdam geboren worden. Früh studierte er neben dem Talmud philosophische Schriften und spanische Literatur. Schon mit 15 Jahren galt er als künftiges Licht der Synagoge.

Dann aber begann Baruch eigene Vorstellungen von der Identität Gottes und der Natur zu entwickeln. Er befand, die „geistige Liebe zu Gott“ bestehe in der Erkenntnis von der Notwendigkeit aller Geschehnisse und deren Anerkennung. Der Mensch existiere allein nach der Notwendigkeit seiner Natur. Diese Denkweise interpretierten die Amsterdamer Juden als Abweichung vom Glauben und schlossen ihn aus ihrer Gemeinde aus. Nur knapp entging Baruch dem Mordversuch eines Fanatikers.

Unter Berufung auf den Synagogen-Bann bestritten Baruchs Schwestern wenig später sein Recht auf das väterliche Erbe. Baruch setzte sein Erbrecht vor einem bürgerlichen Gericht erfolgreich durch, verzichtete dann aber – ausgenommen eines Bettes – auf den Nachlass. Sein Denken, gepaart mit gelassener und bedürfnisloser Selbstständigkeit, wurde zur Zuflucht der Ausgestoßenen, die ganz auf sich gestellt sein sollten. „Wer Gott recht liebt, muss nicht verlangen, dass Gott ihn wieder liebe“, stellte Baruch klar – eine Erkenntnis, die Goethe später in „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ auf die Spitze trieb: „Wenn ich dich lieb habe, was geht’s dich an!“

Als ihn jemand zum katholischen Glauben bekehren wollte und ihm vorwarf, dass er seine Philosophie für die beste halte, antwortete Baruch: „Ich erhebe nicht den Anspruch, die beste Philosophie gefunden zu haben, sondern ich weiß, dass ich die wahre erkenne.“ Die Liebe zur Wahrheit war für Baruch gleichbedeutend mit der Liebe zu Gott. Und die Wahrheit ist unpersönlich. Es ist gleichgültig, wer ihre Sätze zuerst formuliert. Deshalb sollte Baruchs schriftliches Hauptwerk „Ethik“ ohne den Namen des Verfassers erscheinen. So verfügte es der am 21. Februar 1677 an Tuberkulose verstorbene Philosoph testamentarisch, doch seine Freunde hielten sich nicht an die Weisung. Die „Ethik“ wurde noch im selben Jahr unter Baruchs vollem Namen gedruckt.


Wie lautete dieser Name?
Die Antwort steht morgen im Hamburger Abendblatt. In der Montagausgabe suchten wir den Namen eines bekannten Forschers: Gemeint ist Alexander von Humboldt (1769-1859).