Kreis Segeberg

Sauna-Betreiber in der Region schlagen Alarm

Sie fordern die Öffnung der Sauna-Betriebe in Schleswg-Holstein: die Geschäftsführer der Holstentherme, Stefan Hinkeldey (links) und Torge Pfennigschmidt (rechts), sowie der Geschäftsführer des Sauna-Bundes Deutschland, Rolf-A. Pieper (2. v. l.), und Klaus Batz von der European Waterpark Association.

Sie fordern die Öffnung der Sauna-Betriebe in Schleswg-Holstein: die Geschäftsführer der Holstentherme, Stefan Hinkeldey (links) und Torge Pfennigschmidt (rechts), sowie der Geschäftsführer des Sauna-Bundes Deutschland, Rolf-A. Pieper (2. v. l.), und Klaus Batz von der European Waterpark Association.

Foto: Burkhard Fuchs

Holstentherme in Kaltenkirchen und Arriba in Norderstedt rechnen mit Millionen-Verlust und fordern Lockerungen der Corona-Regeln.

Norderstedt/Kaltenkirchen.  Die Bäder- und Sauna-Betreiber in der Region schlagen Alarm. Sie fordern die Landesregierung auf, endlich die strengen Schutzvorschriften zu lockern, die seit einem halben Jahr in Schleswig-Holstein das Saunieren praktisch unmöglich machen. Als einziges Bundesland darf im Norden nur eine Person oder eine Familie zur Zeit bei 80 bis 95 Grad Celsius schwitzen. „Das ist unsinnig und unwirtschaftlich“, klagt Stefan Hinkeldey, einer der beiden Geschäftsführer der Holstentherme in Kaltenkirchen. „Eine ganze Branche wird hier abgehängt.“

Den Betreibern öffentlicher Bäder stünde „das Wasser bis zum Hals“, sagt Klaus Batz von der European Waterpark Association (EWA), die 300 Schwimmbäder vertritt. „Ministerpräsident Daniel Günther und Gesundheitsminister Heiner Garg werden wohl noch nie eine Sauna besucht haben“, ist Rolf-A. Pieper überzeugt, der seit 38 Jahren den Sauna-Bund Deutschland mit seinen 2150 Sauna-Anlagen als Geschäftsführer vertritt. „In der Landesregierung fehlt einfach die Sachkenntnis. Das macht mich wütend“, betont er.

In Schleswig-Holstein gilt strenge Regelung vom 8. Juni

Was die Sauna-Betreiber auf die Palme bringt, „ist diese Ungleichbehandlung“ bei den Corona-Auflagen, ärgern sich die Holstentherme-Chefs Hinkeldey und Torge Pfennigschmidt. Während in allen anderen 15 Bundesländern das Saunieren unter bestimmten Auflagen, Abstandsregeln und Hygiene-Vorschriften weitgehend wieder möglich sei, werde hierzulande der Betrieb weiterhin zu sehr eingeschränkt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg durften die Saunabetriebe mit Beschränkungen auf etwa die Hälfte der normalen Besucher seit Juni wieder öffnen.

Alle anderen Bundesländer hätten inzwischen nachgezogen, zuletzt Bremen und Hamburg, wo an den neun Sauna-Standorten bis zu zehn Personen sich gleichzeitig in einer Sauna aufhalten dürfen, wie Bäderland-Sprecher Michael Dietel auf Abendblatt-Nachfrage sagt. Einzig in Schleswig-Holstein gelte nach wie vor die strenge Regelung vom 8. Juni, wonach nur eine Person oder ein Haushalt dies machen dürften.

Verbandssprecher fordert nicht rückzahlbare Hilfen

Doch das sei „völlig unwirtschaftlich und auch nicht ökologisch“, sagt Hinkeldey. Darum seien das städtische Bad und die dortigen sechs Saunen in Kaltenkirchen weiterhin geschlossen. 160 Mitarbeiter seien seit Mitte März in Kurzarbeit und hätten keinerlei Perspektive. Vereine und Schulen könnten keinen Schwimmunterricht anbieten, Kinder nicht mehr schwimmen lernen.

Der Badebetrieb, der sonst entgegen dem Branchentrend seit Jahren schwarze Zahlen schreibe, werde dieses Jahr wohl der Stadt Kaltenkirchen zwei Millionen Euro Verlust bescheren. Dieses Defizit ließe sich zum Teil mit dem Gewinn der Stadtwerke ausgleichen, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Barkowsky. „Aber die 1,3 Millionen Euro reichen nur bis März. Wir brauchen dringend wieder Einnahmen.“ Verbandssprecher Batz fordert sogar „nicht rückzahlbare staatliche Hilfen“.

Bäderland geht von erheblicher Steigerung des Defizits aus

Bei bislang 134.000 statt sonst 580.000 Besuchern im Jahr fehlten der Holstentherme zurzeit 640.000 Euro Einnahmen pro Monat oder 20.000 Euro am Tag, so Hinkeldey. Auch in Norderstedt rechnet Arriba-Bad-Chef Ruud Swaen mit einer Verdopplung des jährlichen Defizits auf 4,3 Millionen Euro in diesem Jahr, wie er auf Nachfrage sagt. Anders als in Kaltenkirchen können die Norderstedter dort wieder baden und saunieren, allerdings nur jeweils einer in den sechs Saunen. „Das sorgt natürlich für reichlich Unmut unter unseren Badegästen“, so Swaen.

Und auch das Bäderland geht davon aus, dass sich das jährliche Defizit von sonst 20 Millionen Euro in Hamburg erheblich steigern werde, wie Sprecher Dietel sagt. „Wir haben zurzeit nur zehn bis 20 Prozent der normalen Besucherzahl.“

Belüftungsanlagen sorgten für ständig frische Luft

Der Sauna-Bund habe seit Monaten ein Hygiene-Konzept erarbeitet, das in den meisten Bundesländern außer in Schleswig-Holstein angewendet werde und dort zu keinerlei Problemen geführt habe, kritisiert Geschäftsführer Pieper. Dabei sei das Saunieren gesund und schütze das Immunsystem. Viren und Bakterien könnten sich bei der Hitze kaum ausbreiten, die Belüftungsanlagen sorgten für ständig frische Luft.

„Deutschland ist inzwischen mit 16 Millionen regelmäßigen Besuchern der weltgrößte Sauna-Markt“, sagt Pieper. „Wir sind eine systemrelevante Branche, die bundesweit je Bad im Durchschnitt 104 Vollzeitstellen beschäftigt“, sagt Batz. Offenbar werde dies aber in Kiel ignoriert.