50 Jahre Henstedt-Ulzburg

„Ich wünsche mir ein Kulturzentrum für Ulzburg“

Das City Center Uzburg ist gleichermaßen beliebt wie umstritten. Ramona Bücker mag das CCU; sie findet nur bedauerlich, dass das Café im Eingangsbereich bisher nicht wieder vermietet werden konnte.

Das City Center Uzburg ist gleichermaßen beliebt wie umstritten. Ramona Bücker mag das CCU; sie findet nur bedauerlich, dass das Café im Eingangsbereich bisher nicht wieder vermietet werden konnte.

Foto: Frank Knittermeier

VHS-Mitarbeiterin Ramona Bücker fühlt sich in Henstedt-Ulzburgs größtem Ortsteil sehr wohl – er hat für sie genau die richtige Größe.

Henstedt-Ulzburg.  Wenn Ramona Bücker aus dem Gebäude der Volkshochschule an der Hamburger Straße tritt, steht sie dort, wo das Leben brodelt. Oder, um es ganz genau zu sagen: Wo das Leben eigentlich brodeln sollte. Denn das hatten sich die Ortsplaner einst so ausgedacht: Hier in Ulzburg, wo das Rathaus steht, wo es viele Versorgungsangebote für die meisten Lebensbereiche gibt, schlägt das Herz der Gemeinde. Manchmal holpert das Herz und schlägt nicht ganz im Takt, aber insgesamt ist es doch relativ gesund. Von einem Herzinfarkt ist es weit entfernt, obwohl es Politiker in der Gemeinde gibt, die am liebsten sofort einen Notarzt rufen möchten, um es zu reanimieren.

Das Rathaus, 1996 eingeweiht, nachdem Rathausgegner vergeblich versucht hatten, den Bau per Bürgerentscheid zu stoppen, war zuerst hier. Nach und nach entstanden links und rechts weitere Bauten mit Geschäften, Büros und Praxen. Zuletzt vor sechs Jahren das City Center Ulzburg, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Manche meiden das CCU und tun so, als ob es dieses kleine Einkaufszentrum gar nicht gäbe.

Es soll zwar Ortspolitiker geben, die seit der Eröffnung im September 2014 keinen Fuß in dieses Gebäude gesetzt haben, es gibt erhebliche Leerstände, aber insgesamt werden die bestehenden Geschäfte doch recht gut angenommen.

Ramona Bücker (50), Referentin für die Kinder- und Jugendvolkshochschule, kann die Kritik am CCU nicht ganz nachvollziehen. „Ich finde dieses kleine Einkaufszentrum gut und halte mich dort gerne auf“, sagt sie. Bedauerlich findet die Mitorganisatorin des Gemeindefestes und vieler anderer offizieller Veranstaltungen in der Gemeinde vor allem, dass es der Center-Verwaltung trotz vollmundiger Versprechungen nicht gelungen ist, das Café im Eingangsbereich wieder zu vermieten. Seit 20 Monaten steht dieser Raum leer. Einige andere Ladenräume im Obergeschoss waren noch nie vermietet.

Im Jahr 2000 wurde der Bahnhof verlegt

Möglich war diese Entwicklung des Ortszentrums vor allem durch die Inbetriebnahme des Eisenbahntunnels und die Verlegung des Bahnhofs im Jahre 2000. Vorher hatten die AKN-Gleise den Ortsteil in seinem Kern durchschnitten. Wer allerdings geglaubt hatte, das Verschwinden der AKN aus dem Ortsbild wäre gleichbedeutend mit einer Verbesserung der Verkehrssituation, sah sich schnell getäuscht. Auch ohne Eisenbahnschranken kommt es auf der Hamburger Straße häufig zu langen Staus. Zu weitreichenden Entscheidungen, um den Verkehr aus dem Ort herauszuhalten, konnten sich die Gemeindepolitiker auch nach Jahrzehnten nicht durchringen.

Vom Ulzburger Zentrum geht es weiter zum Gewerbepark Nord, 1980 mit zunächst einem Warenhaus (Allkauf) eröffnet und 2014 um ein Fachmarktzentrum an der Gutenbergstraße erweitert. Für das Auge bietet dieses wie zufällig zusammengewürfelte Ensemble verschiedener Läden wenig: Wer Ambiente, Lebensqualität und Flair sucht, ist hier verkehrt. Aber das Angebot ist enorm und reicht von Luxusmöbeln über Elektronikartikel bis zum Bedarf des täglichen Lebens. Mit dem Auto direkt vor die Eingangstür der jeweiligen Geschäfte fahren zu können, ist ein Luxus, den viele nicht missen wollen.

Investor Manfred Feulner aus Wertheim in Baden-Württemberg hatte schon vor 15 Jahren angekündigt, das Parkplatzgelände überdachen zu lassen, aber bisher wurden noch nicht einmal die Fahrbahnmarkierungen erneuert, sodass es täglich zu haarsträubenden Verkehrssituationen kommt. Die Henstedt-Ulzburger haben sich damit arrangiert, auch wenn kaum jemand ahnt, welche Vorfahrtsregeln hier gelten.

Der Gewerbepark ist natürlich auch für Ramona Bücker ein beliebtes Ziel, weil es hier tatsächlich alles gibt und der kurze Weg die lange Fahrt nach Hamburg erspart. Rundherum sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele Gewerbe- und Industriebetriebe entstanden. Immer weiter dehnt sich das Gewerbegebiet, das längst bis zur Autobahn reicht. Netto hat hier ein Auslieferungslager eröffnet, Rewe baut zurzeit direkt daneben auf einem 24-Hektar-Gelände ein Logistikzentrum, in dem eines Tages bis zu 900 Menschen beschäftigt sein sollen. Kritiker befürchten dadurch ein Verkehrsaufkommen, das auch die Nachbarorte beeinträchtigen könnte. Der Netto-Bau wurde von der Politik eher durchgewunken, um den Rewe-Bau entbrannte ein heftiger politischer und ideologischer Streit, der den ganzen Ort monatelang in Atem hielt. Die Entwicklung des Gewerbegebietes geht stetig weiter, weil noch genügend Freifläche vorhanden ist.

Dem Gemeindefest wurde neues Leben eingehaucht

Ein eher ruhiger Teil Ulzburgs erstreckt sich nördlich der Beckersbergstraße. Das Naturbad, die Kulturkate und der Bürgerpark sind Anziehungspunkte für erholungssuchende und kulturbeflissene Henstedt-Ulzburger. Auf der großen Wiese am Eingang des Bürgerparks organisiert Ramona Bücker zusammen mit Dagmar Buschbeck seit einigen Jahren des große Gemeindefest und hat diesem zuletzt dahinwelkenden Fest am Bürgerhaus wieder neues Leben eingehaucht.

„Der Platz ist ideal dafür“, sagt sie und zeigt auf das freie Gelände, das von Bäumen und Büschen gesäumt ist. Davor gibt es einen kleinen Fitness-Park, der mit Outdoor-Bewegungsgeräten gut bestückt ist. Der Seniorenbeirat hatte vor neun Jahren das Geld dafür von Hen­stedt-Ulzburger Institutionen eingeworben. Ramona Bücker weiß, dass diese Geräte auch genutzt werden: „Ich sehe hier häufig Leute, die sich austoben.“

Die Kulturkate am anderen Ende des Bürgerparks hält nicht nur Ramona Bücker für ein Juwel in der Gemeinde. 1992 wurde die Kate als Ersatz für die ausgebrannte Kulturkate an der Hamburger Straße von Heinz und Gertraud Manke gebaut und der Gemeinde geschenkt. Sie ist seitdem tatsächlich ein kultureller Mittelpunkt für Henstedt-Ulzburg geworden. Der Verein Bürgeraktiv hat hier das Hausrecht und organisiert viele Veranstaltungen. Für größere Konzerte oder Aufführungen wird gerne das Bürgerhaus auf der anderen Seite des Beckersbergsees genutzt. Ramona Bücker regt den Bau eines Kulturzentrums an, um den Bedürfnissen der Bürger noch mehr entgegenzukommen.

In Ulzburg-Süd könnte ein Umspannwerk entstehen

Weiter geht es nach Ulzburg-Süd, ein Ortsteil, in dem die Einfamilienhäuser dominieren. Zweimal wurden hier seit Gründung der Großgemeinde Möglichkeiten verpasst, dem Bereich ein neues Gesicht zu geben: Anfang der 1970er-Jahre sollte am Bahnhof Ulzburg-Süd ein Einkaufszentrum mit konzentrierter Wohnbebauung drumherum, 2008 der Ortsteil Beckershof in Richtung Alveslohe entstehen. Beide Male war die Mehrheit der Bürger dagegen. Die Ironie des Schicksals: Auf dem ehemaligen Beckershofgelände wird jetzt möglicherweise ein großes Umspannwerk entstehen. Das sehen jedenfalls die Pläne des Netzbetreibers Tennet vor. Die Politik und die Verwaltung wehren sich dagegen – und dieses Mal haben sie die Bürger auf ihrer Seite.

Ein Nahversorgungszentrum ist an der Straße Dammstücken entstanden. Ziel von Ramona Bücker aber ist das Biotop der Pinnau-Niederung mit seinem Wanderwegenetz. Hier, hinter der Wohnbebauung, zeigt sich Henstedt-Ulzburg von einer seiner schönsten Seiten. Felder, Wälder, plätscherndes Wasser, die Pinnau-Quelle. Am Birkenau-Wanderweg stehen hinter der Kehre Abschiedskoppel zum Beispiel die beiden Skulpturen „Auf eigenen Füßen“ des Bildhauers Thomas Behrendt, gearbeitet aus Anröchter Dolomitgestein und damit unverwüstlich. Kunst zum Anfassen: Wer hier vorbeigeht, kann sich überlegen, ob der Mensch wirklich das Maß aller Dinge ist. Diese Skulptur ist Teil des Projektes „Kunstwege im Alsterland“, das Kunst und Natur verbinden soll.

Für Ramona Bücker ist Henstedt-Ulzburg insgesamt ein schöner Wohnort, der für sie gerade die richtige Größe hat. Dabei schätzt sie auch die guten Anbindungen an Hamburg und das übrige Schleswig-Holstein mit den kurzen Wegen zu Nord- und Ostsee. Wobei ein Bad im Naturbad Beckersbergsee für sie eine Fahrt an das Meer durchaus ersetzen kann.