Rätsel

Für die einen ein Diktator, für die anderen ein Held

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. In unserem Denksport-Rätsel suchen wir den Namen einer umstrittenen Person der britischen Historie

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne. Los geht’s!


Am 30. Januar 1649 trat Karl I., König von England, vor den Toren von Schloss Whitehall zur eigenen Exekution an. Feierlich verkündete er seine letzten Worte: „Ich vertausche eine vergängliche Krone mit einer unvergänglichen. Dort wird keine Unruhe sein, sondern Frieden und Freude für immer.“ Noch bevor er sein königliches Haupt auf den Richtblock legte, bewies er murmelnd Sinn für praktische Details: „Der Block hätte ein bisschen höher sein können. Nun, man muss sich mit ihm begnügen, so wie er ist.“ Man begnügte sich. Ab sofort beherrschte kein König, sondern ein Lordprotektor das Reich.

Karl I., chronisch pleite und machtbesessen, hatte durch wiederholte Versuche, Gesetz und Parlament auszuhebeln und immer neue Steuern zu erheben, den Volkszorn wachgerüttelt. Die religiöse Botschaft der Puritaner, die gemäß der Regeln Calvins jeden König nur als Volksbeauftragten und daher als durchaus antastbare Person betrachteten, gewann unter den Bürgern zunehmend Einfluss. Gleichermaßen wuchs die Macht des puritanischen Führers der stärksten Oppositionspartei. Dieser Führer, ein Landedelmann und Mitglied des Unterhauses, ließ Karl I. schließlich gefangen nehmen und hinrichten, bevor er als Lordprotektor die Zügel in die Hand nahm.

Beim Empfang in London jubelte das Volk, doch der neue starke Mann verzog keine Miene. Einem Begleiter, der ihn auf diese Emotionslosigkeit ansprach, antwortete er: „Ich weiß zu gut, sie würden alle ebenso brüllen und jubeln, wenn ich zum Richtblock geführt werden sollte!“ In der Tat schlug der Jubel bald in Wutgebrüll um. Bereits während der ersten neun Monate seiner Regentschaft erließ der Lordprotektor nicht weniger als 82 Sittenverordnungen, die das Land in eine puritanische Sonntagsschule verwandelten. Strafbar waren weltliche Festlichkeiten, Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit, Theateraufführungen und Kleidungsschmuck wie Seidenbänder oder Federhüte.

Als der Lordprotektor 1658 starb, sehnte sich das Volk längst nach alten Zeiten ungezügelter Lebensfreude. Im Jahr 1660 stellte ein Parlamentsbeschluss das Stuartkönigtum wieder her. Posthum lynchte der Pöbel den puritanischen Hardliner: Man riss seine verwesten Überreste aus dem Grab, schleppte die Knochen johlend durch London und hängte sie in Tyburn an den Galgen.


Wie hieß der Lordprotektor?

Die Antwort steht morgen im Hamburger Abendblatt. In der Mittwochausgabe fragten wir nach dem Spitznamen eines deutschen Räuberhauptmanns. Gemeint ist der Schinderhannes (eigentlich Johannes Bückler), der von 1779 bis 1803 lebte.