Henstedt-Ulzburg

Tierheim nimmt weitere todkranke Welpen auf

Gerettet: Lulu liegt erschöpft auf dem Untersuchungstisch beim HTV.

Gerettet: Lulu liegt erschöpft auf dem Untersuchungstisch beim HTV.

Foto: HTV

In Henstedt-Ulzburg enden die Schicksale der Tiere aus dem illegalen Welpenhandel, den die Polizei in Norderstedt kürzlich auffliegen ließ.

Henstedt-Ulzburg.  Es geschieht jeden Tag in so vielen Kommunen der Metropolregion Hamburg: Hundewelpen werden wie Hehlerware am Straßenrand für überteuerte Preise verschachert. In Norderstedt war kürzlich ein polizeibekannter Welpenhändler aufgeflogen und verhaftet worden (wir berichteten). Seit Jahren ist der vorbestrafte Mann aus Hamburg aktiv. Das Tierheim in Henstedt-Ulzburg hatte die Mitleid erregenden Opfer seines kriminellen Handels aufgenommen. Hundewelpen, die kaum ein paar Tage überlebten, weil sie ungeimpft gefährliche Krankheiten nicht überlebten.

Doch trotz Verfolgung der Täter durch die Polizei und der Öffentlichkeitsarbeit des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) und des Tierheims Henstedt-Ulzburg, scheint der illegale Handel ungehindert weiterzulaufen. Der HTV erhält täglich, zum Teil stündlich, neue Hinweise zu Welpenkäufen und tragischen Schicksalen. Tierschutzberaterin Sina Hanke spricht von einer Welpenflut und der Ignoranz der Käufer, die den HTV und den Tierschutz Henstedt-Ulzburg an die Kapazitätsgrenzen bringe.

„Wir haben aktuell sechs neue Welpen bei uns aufgenommen“, sagt Katja Vogel, Leiterin des Tierheims in Henstedt-Ulzburg. „Fünf sind leider bereits verstorben, eine Hündin ist noch in einer Tierklinik.“ Die Kapazitäten zur Aufnahme von Welpen beim HTV seien längst erschöpft, sagt Sina Hanke. „Daher sind wir sehr dankbar über die gut funktionierende Zusammenarbeit mit dem Tierschutz Henstedt-Ulzburg, der uns nicht nur bei den Ermittlungsfällen vor Ort eine Hilfe ist, sondern auch gerettete Hundekinder in seine Obhut nimmt – falls sie nicht in der Klinik oder auf dem Weg dahin bereits versterben.“

Wer Hunde auf der Straße kauft, macht sich zum Mittäter

Abermals warnt Hanke vor der Masche der Täter: Die Welpenanbieter bieten in sympathischen Kleinanzeigen im Internet angeblich geimpfte und gechippte Tiere im Alter ab acht Wochen an. Sie bieten die Besichtigung der Welpen samt ihrer Mutter an. Am Ende schieben sie vor, aufgrund der Corona-Pandemie den Welpen nur vor einem Haus oder in einem Hinterhof übergeben zu wollen.

„Verfloht, viel zu jung und zum Teil erbrechend – ein Hinweis auf die tödlichverlaufende, hoch ansteckende Viruserkrankung Parvovirose – werden die Welpen den Leuten übergeben. Sie bezahlen dafür Geld und befeuern so den todbringenden Welpenhandel und das Welpensterben in Hamburg weiter.“

Katja Vogel vom Tierheim muss dabei zusehen, wie die Hunde elendig sterben. „Nur weil Menschen so egoistisch sind, ihr Tier um jeden Preis zu kaufen. Dem Welpenhandel muss ein Riegel vorgeschoben werden: durch eBay-Kleinanzeigen selbst, als eine der größten Plattformen, aber auch mithilfe der Interessenten, die für dieses Tierleid nicht mehr bezahlen.“