Corona-Update

Abgemacht ist abgemacht

Jan Schröter

Jan Schröter

Foto: Jan Schröter / Schröter

Online-Buchungen sind schnell erledigt. Und wir alle haben uns daran gewöhnt, dass Bestellungen irgendwie unverbindlich sind - vor allem in C-Zeiten.

Ein Halbjahresbericht des Ordnungsamtes Norderstedt erreicht normalerweise im Kriterium „Unterhaltungswert“ eher nur das Prädikat „dröge“. Diesmal allerdings regt eine Statistik aus dem Ressort „Verkehrsüberwachung“ sofort die Fantasie an: Die Auswertung sämtlicher Radar-Säulen, Rotlicht-Blitzanlagen und mobiler Geschwindigkeitskontrollen im Stadtgebiet ergab eine erheblich geringere Anzahl an ertappten Verkehrssündern als in den Vorjahren. Was mit aller Wahrscheinlichkeit am diesjährig stark verminderten Verkehrsaufkommen durch Shutdown und Homeoffice liegt.

Kein Pendler, kein Besuch, keine Reise = keine Verkehrsregelübertretung, kein Verkehrsunfall, kein Bußgeld. Eigentlich sollte man dauerhaft zu Hause bleiben, für immer. Kein Auto, keine Monatskarte, keine Fahrtkosten. Na gut, die Verwaltung trauert: Im vergangenen Jahr generierte die Stadt Norderstedt durch Blitzer-Bußgelder noch satte zwei Millionen Euro, 2020 rechnet man lediglich mit mageren 1,5 Millionen.

Die 500.000 Minus fehlen natürlich, zum Beispiel für den Straßenbau – Moment mal, Straßen brauchen wir ja gar nicht mehr, wenn wir zu Hause bleiben! Asphalt wegreißen, Kartoffeln pflanzen. Dann müssen wir nicht mal mehr in den Supermarkt… Aber nein. Das wollen wir natürlich alles nicht. Wir möchten unser altes Leben wiederhaben und sehnen uns nach Freiheit. Selbst, wenn das vielleicht manchmal bedeutet, etwas schneller als erlaubt unterwegs zu sein und dabei geblitzt zu werden. Wir freuen uns darüber, wenn Restaurants wieder geöffnet sind und Kinos und Theater und nun die Kieler Woche – Letztere sogar beim selben Mistwetter wie sonst im Juni, wahrlich authentisch.

Erst mal buchen und dann überlegen, ob man Lust hat

Und was machen wir? Reservieren emsig Tische im Restaurant, Plätze im Kino und Veranstaltungen auf der Kieler Woche – und dann gehen wir nicht hin. Laut Kieler-Woche-Betreibern, Restaurant-, Kino- und Theaterbesitzern bleiben bis zu 30 Prozent der Besteller ihrer reservierten Dienstleistung kommentarlos fern. Erst mal buchen und dann überlegen, ob man überhaupt Lust hat. Und das in einer Zeit, da alle erwähnten Institutionen dank pandemierelevanter Sicherheitsabstände ohnehin nur stark eingeschränkt arbeiten können. So kann man eine Wirtschaft natürlich auch kaputt kriegen. Und am Ende bekommt wieder der Staat die Schuld, wetten?

Online-Buchungen sind so verlockend schnell erledigt. Und irgendwie sind ja alle längst daran gewöhnt, dass jede Bestellung heutzutage total unverbindlich ist. Alles und jedes lässt sich ohne Angabe von Gründen zurückschicken. Das bleibt offensichtlich nicht ohne Folgen für die allgemeine Mentalität.

Aber, liebe Leute, wenn wir unser altes Leben und unsere Freiheit wirklich wiederhaben wollen, müssen wir uns auch an unsere alten Regeln erinnern, vor allem an diese: Abgemacht ist Abgemacht. Gekauft ist gekauft. Na gut, und zu schnell gefahren, bedeutet Bußgeld. Dann füllt die Stadt wieder ihr Steuersäckel. Und wir kriegen noch die Kurve, bevor es gar keine Restaurants, Kinos, Theater und überhaupt keine Kieler Woche mehr gibt.

Okay, das Wetter dazu könnte man gerne abschaffen.