Denksport-Rätsel

Der Hotzenplotz aus dem Hunsrück

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel suchen wir den Namen eines legendären deutschen Räuberhauptmanns und Erpressers, der gegen Geld „Sicherheitskarten“ verteilte.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


Die Akten füllten sechs dicke Folianten, die veranschlagten Prozesskosten beliefen sich auf ungeheure 500.000 Franken. Als Gerichtspräsident Wernher am 24. Oktober 1803 das Verfahren eröffnete, reichten 500 vorhandene Sitzplätze für die Zuschauer nicht aus – obwohl man den Akademiesaal des Mainzer Schlosses eigens für den Prozess umgebaut hatte und happiges Eintrittsgeld erhob. Auf der Anklagebank saß des Trubels Kern: Johannes Bückler, ein Räuberhauptmann von legendärem Ruf.

Der junge Mann verfügte über ansprechendes Aussehen, geschliffene Rhetorik und erheblichen Schlag bei den Damen. Diese Eigenschaften hätten sicherlich auch eine legale Karriere begünstigt, aber Bückler geriet schon als Jugendlicher auf die schiefe Bahn. Der gelernte Abdecker unterschlug Tierhäute, stahl Kleinvieh und Geld. Im Gegensatz zu geistlosen Zunftgenossen bewies er dabei jedoch Fantasie. Einem Gerber raubte er den Ledervorrat und verkaufte dem ahnungslos Bestohlenen tags darauf dessen Eigentum für gutes Geld zurück. Gewaltanwendung vermied er möglichst, um den Behördenzorn in Grenzen zu halten. Mit flotten Stellungswechseln nutzte er virtuos die fahndungshemmende Situation, dass am Rheinostufer Frankreich und am Westufer deutsche Kleinstaaterei regierte. So vollzog sich rasch Bücklers Aufstieg vom Hunsrück-Hotzenplotz zum Räuberkönig. Auf der Höhe seiner Macht besuchte er unangefochten alle öffentlichen Dorffeste der Umgebung, hauste feudal als vermeintlicher Marquis in Bad Ems und kidnappte eine berühmte Tänzerin für ein unfreiwilliges Gastspiel im Räuberhauptquartier. Von Kaufleuten erhob er Schutzgeld. Als Gegenleistung erhielten sie eine vom Erpresser selbst unterzeichnete „Sicherheitskarte“ – bei einem deutschen Räuber hat selbst das Verbrechen seine Ordnung.

Schließlich geriet Bückler doch in die Fänge der Obrigkeit. Der Mainzer Prozess endete mit dem Todesurteil. Am 21. November 1803 wurde es vollzogen: „Da saust das Beil herunter/da sprang sein Haupt herab/und rollte kunterbunter/den Galgenberg hinab“, dichtete Carl Zuckmayer später in einer Moritat auf den Räuberhauptmann.

Der blieb auch posthum populär. Curd Jürgens spielte ihn in einem Kinofilm, Zuckmayer schrieb ein Theaterstück, das als Titel den „Nom de guerre“ Johannes Bücklers trägt.


Wie lautet der Spitzname des Bösewichts?

Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der Dienstagausgabe fragten wir nach dem Namen des Erfinders des Luftschlauchreifens: Die Lösung: Dr. John Boyd Dunlop (1840-1921).