Dienstjubiläum

Viel Lob und die „Goldene Trennscheibe“

1980 begannen diese jungen Männer ihre Ausbildung in Norderstedt. Dabei waren auch Wolfgang Ahrens (stehend, v.l.), Jens Lobotzki, Peter Sarich und Thomas Fedder sowie Andreas Rutz (untere Reihe v.l.), Dirk Fenneberg und Thomas Theissen.

1980 begannen diese jungen Männer ihre Ausbildung in Norderstedt. Dabei waren auch Wolfgang Ahrens (stehend, v.l.), Jens Lobotzki, Peter Sarich und Thomas Fedder sowie Andreas Rutz (untere Reihe v.l.), Dirk Fenneberg und Thomas Theissen.

Foto: St. Gobain

Die Norderstedter Firma Saint-Gobain ehrte sieben Mitarbeiter, die schon seit 40 Jahren für das Unternehmen arbeiten.

Norderstedt. 1980 war für viele ein verdammt gutes Jahr: Die Sozialdemokraten kommen bei der Bundestagswahl auf 42,9 Prozent der Stimmen, sodass Helmut Schmidt Bundeskanzler bleiben kann, Volker Schlöndorffs Film „Die Blechtrommel“ wird in Los Angeles mit einem Oscar ausgezeichnet, Deutschland holt in Italien dank zweier Hrubesch-Tore im Finale gegen Belgien den Titel des Fußball-Europameisters, und der HSV, man mag es kaum glauben, belegt am Ende der Bundesliga-Saison hinter den Bayern mit gerade einmal zwei Punkten Rückstand den zweiten Platz.

1980 ist auch das Jahr, in dem bei der Norderstedter Firma Ernst Winter & Sohn gut zwei Dutzend junge Männer ins Berufsleben starten. Zu den 16- und 17-Jährigen, die „bei Winter“ am 1. September des Jahres eine Lehre beginnen, gehören auch Wolfgang, Thomas, Dirk, Jens, Andreas, Peter und noch einmal Thomas. Den Beruf des Drehers wollen die Jugendlichen in dem Traditionsbetrieb, der seinen Hauptsitz in Hamburg-Eimsbüttel hat und der auf die Herstellung von Diamantwerkzeugen spezialisiert ist, erlernen. Auf einem Foto von 1980 sieht man die sieben im Kreise ihrer Azubi-Kollegen: Ein bisschen ernst gucken sie in die Kamera, alle tragen Jeans, einige haben eine ganz schöne „Matte“ auf dem Kopf.

Praktischer Kurzhaarschnitt statt „Matte“

40 Jahre später: Aus den sieben „Halbstarken“ von 1980 sind längst gestandene Männer, Väter, Großväter geworden. Die Mittfünfziger tragen ganz offensichtlich immer noch gern Jeans, statt „Matte“ allerdings eher einen grauen, praktischen Kurzhaarschnitt. Dafür sehen alle so aus, als ob sie immer noch alle Regler nach rechts drehen, wenn Musik von den Stones, Pink Floyd oder AC/DC ertönt, wie damals, als sie ihre Lehre begannen und in ihrer Freizeit an ihren Mofas schraubten.

Ganz sicher ist: Alle sieben arbeiten auch nach vier Jahrzehnten immer noch am Schützenwall in Norderstedt. 40 Jahre haben sie alle Höhen und Tiefen ihrer Firma mitgemacht, haben sich beruflich weitergebildet, haben erlebt, wie ihr Lehrbetrieb Ernst Winter & Sohn im Jahr 1996 von der französischen Saint-Gobain-Gruppe übernommen wurde.

Gefeiert werden konnte das siebenfache Dienstjubiläum wegen Corona leider nur im kleinen Rahmen, mit Mundschutz und den sonst so üblichen Hygieneregeln. Selbstverständlich gab es reichlich lobende Worte der Vorgesetzten für Wolfgang Ahrens, der heute als Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig ist, für Thomas Fedder (arbeitet jetzt in der Entwicklung), Dirk Fenneberg (CNC-Dreher), Jens Lobotzki (mittlerweile Fertigungsmeister), Andreas Rutz (CNC-Dreher), Peter Sarich (Fertigungsmeister) und Thomas Theissen (CNC-Dreher).

Doch außer Worten gab es auch etwas ganz Besonderes zum Mitnehmen und an die Wand hängen für die Jubilare: Die Kollegen in der Werkstatt hatten für die sieben gerahmte „Goldene Trennscheiben“ hergestellt, die „Goldenen Schallplatten“ zum Verwechseln ähnlich sehen. Darüber hinaus überreichte Werksleiter Saqib Raja den altgedienten Mitarbeitern jeweils einen „Briefumschlag mit Inhalt“.

Jobwechsel? Niemals!

Jubilar Peter Sarich bedankte sich in einer kurzen Ansprache für die Geschenke und fasste zusammen, was wohl auch seine sechs Kollegen unterschreiben würden: Natürlich habe man in den zurückliegenden 40 Jahren durchaus auch mal daran gedacht, die Firma zu wechseln – denn schließlich seien Fachkräfte sehr gesucht gewesen. „Unterm Strich sind es bisher aber wirklich 40 gute Jahre bei Winter und Saint-Gobain gewesen“, betonte der Fertigungsmeister, der im Übrigen nicht nur seinem Arbeitgeber seit 40 Jahren die Treue hält, sondern auch seinem Verein, dem HSV: Zur Feier des Tages hatte Sarich einen blau-weiß-schwarzen Mundschutz angelegt.