Norderstedt

Im Herold-Center geht es wieder bergauf

Center-Manager Thomas Krause sagt, man müsse Online- und Einzelhandel miteinander verknüpfen: „Das ist der Weg für die Zukunft.

Center-Manager Thomas Krause sagt, man müsse Online- und Einzelhandel miteinander verknüpfen: „Das ist der Weg für die Zukunft.

Foto: Annabell Behrmann

Center-Manager Thomas Krause glaubt, dass die Karstadt-Schließung auch eine Chance für das Norderstedter Einkaufszentrum sein kann.

Norderstedt.  Im Büro von Center-Manager Thomas Krause hängt eine Landkarte vom Norderstedter Stadtteil Garstedt an der Wand. Sie zeigt den Bereich rund um das Herold-Center – hier lebt die Stammkundschaft, die ihre täglichen Besorgungen im Einkaufszentrum erledigt. Auf orangefarbenen Zetteln, die an der Karte kleben, steht die Anzahl an Wohnungen, die in den kommenden Jahren neu gebaut werden sollen. Daneben hängen Zeitungsartikel von Neubauprojekten in Garstedt. Mehr Einwohner bedeuten mehr Kunden für das zentral gelegene Herold-Center. „Die Wohnungen, die in unserem Kerneinzugsgebiet entstehen, stärken uns in unserer Funktion als Nahversorger“, sagt Krause.

Sich als Nahversorger zu positionieren, ist gerade in Zeiten von Corona ein großer Vorteil. „Die Maskenpflicht beeinflusst die Menschen, viele empfinden sie als störend“, sagt Krause. Die Leute hätten weniger Lust auf einen ausgedehnten Shoppingbummel. Sie kaufen stattdessen lieber gezielt Dinge ein, die sie brauchen. Und die sollen sie im Herold-Center finden. „Darauf richten wir unser Einkaufszentrum aus.“ Trotzdem tut die Pandemie dem wichtigsten Einkaufsstandort in Norderstedt weh.

Mittlerweile kommen wieder 25.000 Kunden am Tag

Als die Geschäfte Mitte April nach dem Lockdown wieder öffnen durften, kamen gerade einmal 13.000 Besucher am Tag ins Herold-Center – davor waren es um die 30.000. Nun steigen die Kundenzahlen wieder. „Die Zahlen entwickeln sich wie ein Jumbojet im Steigflug: Ganz langsam werden es wieder mehr Besucher“, sagt Krause und imitiert mit seiner Hand die Bewegung eines steigenden Fliegers. Um die 25.000 Kunden pro Tag seien es wieder. Und dennoch: Der Einzelhandel kriselt nicht nur wegen Corona. Insbesondere der stetig wachsende Onlinehandel bedroht das Einkaufszentrum. Schon lange gibt es eine hohe Fluktuation im Herold-Center. Die Geschäfte wechseln regelmäßig. Große Ketten verdrängen kleine, individuelle Läden. Doch auch sie haben zu kämpfen. Das zeigt nicht zuletzt das Aus von Karstadt.

Die Einzelhandels-Institution zieht Ende Oktober aus der angeschlossenen De-Gasperi-Passage aus. Zwar ist Karstadt kein Mieter im benachbarten Herold-Center, hat aber viele Kunden an den Standort gelockt. Für die 10.000 Quadratmeter große Fläche gibt es bisher keinen Nachmieter. „Ich hoffe, dass dort weiterhin Einzelhandel bleibt“, sagt Krause. Die CDU-Fraktion schlug kürzlich der Stadt vor, die Flächen anzukaufen oder zu mieten und sie für „Kulturzwecke“ zu nutzen – etwa als Probenräume für Musik- und Theatervereine.

Als die Schließung von Karstadt und Karstadt Sport bekannt wurde, befürchtete man einen Dominoeffekt im Center. Gerüchten zufolge wollte sich Saturn mangels ausreichender Kundenfrequenz Karstadt anschließen. Doch eine Sprecherin der Elektronikkette dementierte: „Der Standort Norderstedt ist für unsere Kunden absolut relevant und damit aktuell auch weiterhin für uns interessant.“

Center-Manager Krause geht zwar davon aus, dass das Ende von Karstadt das Einkaufszentrum beeinflussen wird. „Aber nicht so schlimm wie befürchtet.“ Das Traditionshaus sei ein guter und wichtiger Nachbar gewesen und habe das Sortiment abgerundet und einiges angeboten, was Geschäfte im Herold-Center nicht abgedeckt hätten. Trotzdem sieht Krause die Schließung auch als eine Art Chance, von der einige Läden sogar profitieren können. „Was beispielsweise an Mode von Karstadt wegfällt, kann jetzt im Herold-Center gekauft werden.“

ECE will eine Lösung mit Mietern in Not finden

Neben Karstadt hat mit McDonald’s eine weitere Institution das Center nach vielen Jahren verlassen. Ende September/Anfang Oktober soll hier ein neuer Burgerladen eröffnen. „Es hat immer schon Fluktuation gegeben. Das ist ein natürlicher Prozess und nicht verstärkt im Vergleich zu früher“, sagt Krause.

Klar ist aber: Das übermächtige Onlinegeschäft und die Corona-Krise machen dem Einzelhandel das Leben schwer. „Wir haben viele ältere Kunden. Die Herrschaften habe ich zum Teil seit Monaten nicht gesehen, weil sie sich nicht aus dem Haus trauen“, berichtet Oliver Frey, Inhaber vom Tabak-Laden. Sein Geschäft gehört zu den Urgesteinen, die sich schon seit der Eröffnung des Herold-Centers 1971 halten. Allerdings reichen die Einnahmen derzeit kaum aus, um die Miete zu bezahlen. „ECE verlangt hohe Mieten und ist bisher nicht entgegenkommend.“

Die Mieten in Norderstedt sowie in allen Centern der ECE hätten sich in den vergangenen Jahren marktkonform normal entwickelt, heißt es in einer Stellungnahme des Vermieters. „Mit allen Mietern in unseren Centern sind wir derzeit dabei, gemeinsam mit den jeweiligen Center-Eigentümern intensive Gespräche bezüglich ihrer wirtschaftlichen Situation aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie zu führen, um jeweils individuelle und partnerschaftliche Lösungen für den Umgang mit den Mieten und anderen Konditionen zu finden und ein Überleben zu sichern“, teilte ein ECE-Sprecher dem Abendblatt mit.

In den Monaten April bis Juni konnten die Mieter im Herold-Center die Zahlungen aufgrund der gesetzlichen Regelungen aussetzen. „Inzwischen liegt die Frequenz im Center wieder bei rund 90 Prozent zum Vorjahr“, so ECE.

Franz Stresska lebt seit 50 Jahren in Garstedt und hat den Bau des Herold-Centers miterlebt. „Ich finde, es hat sich sehr zum Positiven entwickelt“, sagt der 85-Jährige. Mindestens zweimal in der Woche kauft Stresska für den täglichen Bedarf ein. „Das Center ist gut aufgestellt“, meint auch Dieter Geiritz (65). „Allerdings fällt auf, dass viele Läden nur eine kurze Zeit bleiben.“ Und was sagt der Center-Manager selbst zum Angebot? „Ich bin zufrieden. Nur einen Sportanbieter würde ich mir noch wünschen.“

Wie ist Ihre Meinung zum Herold-Center? Welche Geschäfte wünschen Sie sich? Schreiben Sie uns gern an norderstedt@abendblatt.de.