Schröters Wochenschau

Paddler, Pottwale und ein Rohr

Jan Schröter

Jan Schröter

Foto: Wolfgang Klietz

Langsam neigt sich der Sommer, was nach Ansicht von Jan Schröter für Wassersportler eine ganz miese Nachricht ist.

Wassersport betreiben in diesem Jahr immer mehr Menschen, das war ja bereits das Thema in der letzten „Wochenschau“ vor meiner kleinen Urlaubspause, in der ich rasch noch mal Boot gefahren bin, bevor sämtliche Wasserfahrzeuge von der Jacht bis zum Kanu für einen langen Winter eingemottet werden und alle SUP-Boards wieder daheim als Bügelbrett dienen müssen (Obacht: Die aufblasbaren Exemplare vertragen nur kalte Eisen!).

Umso mehr erfreut es die Paddlerseele, dass ausgerechnet im ansonsten eher unspektakulären Tangstedt (das ist durchaus als Kompliment gemeint) demnächst Licht am Ende eines buchstäblichen Tunnels scheint. Dieser Tage hievte ein Kran auf Höhe der Alsterschleuse am Wulksfelder Weg eine 28 Meter lange Metallröhre ins trockengelegte Flussbett. Das kapitale Teil ist 6,50 Meter breit, vier Meter hoch und soll Fischen und Amphibien den Weg zu ihren Oberalster-Laichplätzen erleichtern.

Da Pottwale in diesem Biotop relativ selten sind (jawohl, schon klar – Pottwale sind Säugetiere und brauchen gar keine Laichplätze, aber mir fiel gerade nichts Besseres ein), bleibt neben der geschuppten Benutzer-Zielgruppe genug Platz im Rohr. Deshalb wird im Inneren noch ein Laufsteg für Fischotter installiert. Die schwimmen zwar durchaus virtuos, schnüren aber anscheinend lieber zu Fuß durch den Tunnel. Was gut ist, denn – jetzt kommt’s – am Laufsteg dürfen sich alsbald auch Paddler samt Booten entlanghangeln, um bequem und überdacht die Straße zu unterqueren.

Das ist so genial, dass man sich fragt, warum das Ganze nur 28 Meter lang sein soll. Warum nicht die Oberalster von Tangstedt bis zur Ohlsdorfer Schleuse einrohren? Oder gleich bis zur Außenalster? An der Decke dezente Partybeleuchtung mit wechselfarbigen LED-Leisten, Musikbeschallung rund um die Uhr – mit eingeblendeten Werbespots, durch die das Ganze auch noch steuerneutral zu finanzieren wäre. Vielleicht reicht das Geld sogar für röhrendeckend eingebaute Heizpilze, dann kann uns der Winter mal, wir fahren ganzjährig Boot. Breite 6,50 Meter, also passen sechs SUP-Boards nebeneinander, voll geil. An den ehemaligen Schleusen gibt es Gastronomie-Grotten. Da geht die Party dann richtig los, und die Anlieger nervt das überhaupt nicht – der Lärm bleibt im Tunnel.

Und falls wir im nächsten Jahrhundert-Sommer doch lieber wieder unsere freifließende Alster wiederhaben wollen, schicken wir einfach einen Pottwal durchs Rohr. Schicht im Schacht.