Kreis Segeberg

Mein großer Bruder, der Hollywood-Star

Der US-Schauspieler Eric Braeden (von links) mit seinen Brüdern Horst, Peter und Jochen bei einem Besuch in Schleswig-Holstein.

Der US-Schauspieler Eric Braeden (von links) mit seinen Brüdern Horst, Peter und Jochen bei einem Besuch in Schleswig-Holstein.

Foto: Privat / Heike Hiltrop

Eric Braeden ist eines der bekanntesten TV-Gesichter in den USA – Bruder Jochen aus Wahlstedt erzählt, warum der Star für ihn der „Hanni“ bleibt.

Los Angeles/Wahlstedt.  Er hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und stand schon mit Marlon Brando, Kate Winslet und vielen anderen berühmten Schauspielern vor der Kamera. In den Vereinigten Staaten wird er auf der Straße sofort erkannt: Eric Braeden (79). Der Schauspieler ist in den USA der König der Seifenoper. Dass er gelegentlich auch schon in Wahlstedt gemütlich unter einer Buche beim Kaffee gesessen und die Anonymität genossen hat, wissen nur wenige. Denn geboren wurde Eric Braeden als Hans-Jörg Gudegast. „Hanni“ nennen ihn seine Brüder seit Kindertagen. So wie Jochen Gudegast aus Wahlstedt, der jüngste von ihnen.

„Wir sind sehr verschieden. Und wir sind uns als Kinder eher aus dem Weg gegangen. Jeder hatte so seinen Törn. Er ist drei Jahre älter als ich“, beginnt der pensionierte Lehrer und frühere Polizist, in Erinnerungen zu kramen. Etwa vom Vater, der als Fuhrunternehmer das Geld nach Hause brachte und während der Nazizeit Bürgermeister in Bredenbek gewesen ist. Was nach dem Krieg zu großen Schwierigkeiten führte, auch wenn er als Mitläufer eingestuft worden war. Die Aufträge blieben aus. Der Vater starb 1951. Mutter Mathilde stand als Alleinerziehende zwar ohne Schulden, aber auch mittellos dar. „Wir waren vier Jungs. Das war ’ne ganz harte Zeit für sie“, sagt Jochen Gudegast.

Als Hauswirtschafterin habe sie die Familie ernährt. „Hans-Jörg war immer schon jemand, der nichts ausgelassen hat. Keinen Streit und Freundinnen. Ein echter Kerl eben.“ Jochen Gudegast, der eher ruhige, nachdenkliche Mittsiebziger schmunzelt. „Wir waren charakterlich sehr unterschiedlich.“

Bei einem Besuch von Cousine Maren, einer Ärztin aus den USA, kam das Gespräch auf die berufliche Zukunft. „Was willst Du machen“, habe sie den 18-jährigen Hans-Jörg damals gefragt und als Antwort „Polizist oder so“ bekommen. Worauf sie vorschlug, Hans-Jörg könne doch in Amerika einen Beruf lernen. „Sie hat die Schiffspassage von Hamburg nach New York bezahlt. Anfangs hat er dort in einem Krankenhaus gearbeitet“, entsinnt sich Bruder Jochen. Tatsächlich war es eine Pathologie, wie Eric Braeden später in einem Buch von Wulf Buschardt sehr anschaulich beschreibt.

„Mir fehlte er schon. Aber ich hatte keinen Gedanken, auch nach Amerika zu gehen. Ich war ja erst 15, als er wegging.“ Immerhin kamen regelmäßige Briefe vom Bruder. Jobs als Möbelpacker, auf einer Ranch, in einem Sägewerk, als Parkplatzwächter reihten sich aneinander. Daneben schrieb er sich auf der Uni ein. Sportlich erfolgreich war er schon beim Rendsburger TSV. Das begleitete ihn auf seinen Stationen in Texas, Montana, Los Angeles. Er spielte Fußball in einem jüdisch-amerikanischen Verein und hält sich noch heute mit Boxen fit. „Er hat ein bisschen weiterstudiert, ein bisschen geschauspielert und seine Frau kennengelernt. Aber meine Mutter hat nie die Sorge gehabt, dass er unter die Räder kommen könnte.“

Mit Curd Jürgens habe er am Broadway gespielt. Der unkte, dass „Hanni“ aus Schleswig-Holstein in Amerika keine große Schauspielkarriere erwarte. Deutsche seien auf Rollen als Nazis oder Soldaten reduziert, meinte der Schauspieler wohl auch aus eigener Erfahrung. Jochen Gudegast: „Aber er hat sich durchgeboxt. Und als er gutes Geld verdiente, hat er unserer Mutter in Bredenbek ein kleines Haus gekauft.“ Dann kam die Hauptrolle in dem Science-Fiction-Film „Colossus“. Sie wurde ihm unter der Bedingung angeboten, dass er seinen Namen ändert. In Erinnerung an seinen Geburtsort Bredenbek nannte er sich fortan Eric Braeden.

Curd Jürgens prophezeite ihm keine große Zukunft

Als Deutscher habe er es wirklich nicht leicht gehabt, sagt sein Bruder. „Das hat ihm schwer zu schaffen gemacht.“ Vielleicht setzt sich der Schauspieler auch darum immer für ein besseres Verständnis der Menschen untereinander ein. Sein Pass nahm ihm sogar die Chance, als James Bond in die Filmgeschichte einzugehen, denn der hätte ein britischer sein müssen.

Als er 1980 als Victor Newman in die Serie „The Young and the Restless“ einstieg, ahnte niemand, dass die auch 40 Jahre später noch laufen würde – mit ihm in der Hauptrolle. Die Sängerin Aretha Franklin sagte einmal: „Wenn ich die Ikone des Soul bin, dann ist mein Freund Eric eine Ikone des Soap-TV.“ Jochen Gudegast: „Ich habe mir das ein paar mal angesehen, weil mein Bruder mitspielt. Intrigen, Machtspielchen und Liebeleien, alles, was das Leben so täglich bringt: Die Serie ist wie die ,Lindenstraße’ – nur in höheren Sphären.“

Bei den regelmäßigen Telefonaten unter den Brüdern und seltenen Treffen ist die Schauspielerei sowieso kein Thema. „Dann reden wir eine Stunde, anderthalb über Gott und die Welt und Politik. Er ist ein echter Kerl geblieben. Eric, das ist seine Schauspielerei. Aber für uns ist er immer der ,Hanni’.“