Denksport-Rätsel

Mit Denkmälern muss man leben

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel suchen wir den Namen eines steingewordenen Patriotentraums.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Los geht’s!


Drei Tage nach Kaiser Wilhelms Tod am 9. März 1888 plädierte Alfred Westphal, seinerzeit Präsident des Deutschen Kriegerbundes, öffentlich für eine gemeinsame Aktion aller deutschen Kriegervereine zugunsten der Errichtung eines angemessenen Denkmals für den Monarchen. Der Vorschlag fand allgemein Zustimmung, die Standortsuche war bald entschieden. Um die erst 17-jährige Geschichte des Deutschen Reiches mit einem jahrhundertealten Anspruch zu überhöhen, gab es keinen besseren Platz als den Berg, in dessen Tiefen angeblich ein Amtsvorgänger des Verstorbenen komatös dem Tage entgegen dämmert, da sein einstiges Reich in alter Herrlichkeit aufersteht.

Dabei war die Regierungszeit des sagenhaften Staufers mit dem roten Bart nicht einmal besonders glanzvoll verlaufen. Bei seiner Königskrönung im Jahre 1152 galt er eher als Kompromisskandidat. Sein Dauerkonflikt mit dem Papst führte zum Schisma, und mehrere Italienfeldzüge unter seiner Führung verliefen katastrophal – meist ließen sich kurzfristige militärische Erfolge nicht politisch langfristig nutzen, ein anderes Mal ging fast das gesamte deutsche Ritterheer an der Malaria zugrunde. Um Heinrich den Löwen zu entmachten, zerbrach der mittlerweile zum Kaiser gekrönte Staufer das sächsisch-bayerische Imperium seines Widersachers. Damit schuf er selbst beste Voraussetzungen für die künftige deutsche Kleinstaaterei. Doch spätere Generationen verklärten ihn zum letzten großen Herrscher eines einigen Deutschen Reiches, der im Berg eben dem Tag entgegen schläft...

Unter Wilhelm I. kam es 1871 zur ersehnten Reichsgründung, aber Rotbart blieb im Berg. Dafür weihte man am 18. Juni 1896 das Denkmal auf der Kuppe – einen steingewordenen Patriotentraum, einer mittelalterlichen Burg ähnlich, mit einem 69 Meter hohen Turm im Zentrum. Davor reitet Kaiser Wilhelm für Deutschland, flankiert von der geschichtsschreibenden Muse Klio, und im Innenhof stützt sich der greise Rotbart erwachend auf sein Schwert.

24 verschiedene Entwürfe waren für das Monument eingereicht worden. Gewonnen hatte der Vorschlag des Architekten Bruno Schmitz. Der Düsseldorfer bewies im Verlauf seiner Karriere noch mehrmals zielsicheren Zeitgeist-Geschmack: Ebenfalls 1896 wurde sein Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica fertiggestellt, ein Jahr später – derselbe Architekt, derselbe Kaiser - das Monument am „Deutschen Eck“ bei Koblenz. Mit dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal krönte Schmitz schließlich sein wuchtiges Oeuvre.

Das Denkmal auf dem Barbarossa-Berg gefiel den Erbauern, aber nicht allen Nachfahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg planten einige deutsche Kommunisten die Sprengung des Monuments. Ausgerechnet ein sowjetischer Offizier verhinderte dies mit der Begründung: „Ihr Deutschen müsst endlich lernen, mit eurer Geschichte und euren Denkmälern zu leben.“ Also leben wir damit.


Wie heißt das Denkmal? Die Lösung steht am Montag im Abendblatt. In der Freitagausgabe suchten wir nach dem Titel eines Kinderbuchs: Gemeint war der „Struwwelpeter“.