Gewerkschaft

„Wildwest“ im Schlachthof beenden

Der Schlachthof Vion Bad Bramstedt.

Der Schlachthof Vion Bad Bramstedt.

Foto: Thorsten Ahlf

Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten fordert faire Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft.

Kreis Segeberg.  Es müsse Schluss sein mit den „Wildwest-Methoden“ in der Fleischbranche im Kreis Segeberg, sagt Marcel Mansouri. Er ist Sekretär in der Region Hamburg-Elmshorn für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und kennt die Probleme der Mitarbeiter in Schlachtbetrieben des Kreises aus eigener Anschauung. „Für die überwiegend osteuropäischen Beschäftigten in Subunternehmen sind ex­treme Arbeitsbelastung, Lohn-Prellerei und Unterbringung in abrissreifen Wohnungen seit Jahren an der Tagesordnung“, sagt Mansouri.

Deswegen fordert er zum Beispiel den CDU-Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann aus dem Kreis Segeberg dazu auf, sich in Berlin für das geplante Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischwirtschaft starkzumachen. Nach dem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums sollen ab 1. Januar 2021 Werkverträge und ab 1. April 2021 Leiharbeit in Fleischbetrieben mit mehr als 49 Personen verboten werden. Das Gesetz könne die Fleischbranche sogar stärken: Nach Angaben der Arbeitsagentur hat sich die Zahl der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe im Kreis Segeberg innerhalb von 20 Jahren mehr als halbiert. Von 36 Betrieben im Jahr 1999 gibt es heute nur noch 17 – darunter das Bramstedter Vion-Werk. „Diese Konzentration hat dazu geführt, dass in der Region reguläre Stellen verloren gingen und Arbeiten an Subunternehmen ausgelagert wurden – häufig zu prekären Bedingungen“, sagt Mansouri. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Fleisch-Jobs sank um 30 Prozent – während die reguläre Beschäftigung in allen Branchen insgesamt um 24 Prozent zulegte. „Mit Hilfe des neuen Gesetzes müssen nun die Stammbelegschaften wieder aufgebaut und muss die Mitbestimmung gestärkt werden. Das führt zu höheren Löhnen. Sozialabgaben und Steuereinnahmen steigen“, so die NGG.

Mansouri warnt jedoch vor Tricksereien. Unternehmen dürften nicht versuchen, das Gesetz durch neu gegründete Tochtergesellschaften oder andere Schlupflöcher zu umgehen: „Vom Schlachten bis zum Verpacken – alle Arbeitsschritte in der Fleischproduktion müssen von Beschäftigten erledigt werden, die direkt beim Unternehmen angestellt sind.“