Schröters Corona-Update

Das C-Ziel: Zusammen durchkommen

Jan Schröter

Jan Schröter

Foto: Jan Schröter / Schröter

In diesem verrückten Jahr erlebt man so manches: Zum Beispiel kommt man aus dem Urlaub zurück und erkennt seine Heimat kaum wieder.

So geht es mir gerade. Nein, ich war nicht in einem Corona-Hochrisikogebiet, es gab für mich keine Reise im überfüllten Zug, Bus oder Flieger und keinen Ringelpiez ohne Maske. Ich war auf einem kleinen Campingplatz in Mecklenburg-Vorpommern. Einsam im Wald, am Seeufer gelegen. Kein Internet, nur sporadisch vorhandenes Mobilnetz, im Wohnwagen kein TV, und das Radio ging am zweiten Tag kaputt, was nicht als Verlust empfunden wurde.

Nun bin ich zurück. Norderstedt, Bad Bramstedt, Wrist und der Rest der Republik sehen noch ziemlich genauso aus wie vor der Reise – aber was ist eigentlich mit den Leuten los? Von dieser Berliner Wochenend-Protestmischung aus Realitätsverdrängern und Nazifahnenjunkern will ich gar nicht erst reden. Stattdessen drei Beispiele für Denkweisen, die mich gleich nach Rückkehr fassungslos machten.

1.: Eine Familie klagt sich – noch aus dem Mallorca-Urlaub heraus – durch die Instanzen bis zum Verfassungsgericht, weil sie sich nicht bei der Rückreise am heimischen Flughafen testen lassen will. Nach einem halben Jahr Corona begreifen sie es immer noch nicht, dass es beim Testen nicht bloß um die eigene Befindlichkeit geht, sondern auch um den Schutz anderer. Immerhin dürften sie sich die Ferien mit Anwaltsschreiben und Klageschriften gründlich versaut haben. Selber schuld.

2.: Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen Anhalt, stimmt gegen ein Bußgeld für Maskenverweigerer, denn in seinem Bundesland würden sich ja fast alle Bürger an die Maskenpflicht halten, weshalb man keine Strafe benötige. Aha. Im Kreis Segeberg hält fast jeder Verkehrsteilnehmer vor einer roten Ampel – demnach wäre ja wohl eine Strafe dafür überflüssig, oder? Steuern hinterziehen ebenfalls die Wenigsten. Bitte, bitte – ich möchte, dass auch das straffrei wird, ja?

3.: Direktor und Geschäftsführung der Kaltenkirchener Leibniz-Privatschule schalten ein Zeitungsinserat, um die vom Landeselternbeirat geforderte „Maskenpflicht im Unterricht“ anzuprangern: Corona wird von den hysterischen Medien aufgebauscht, Masken im Unterricht würden das Kindeswohl gefährden. Ja, Herr Direktor, mich nervt die Maske auch. Aber so prima es auch ist, dass Kinder sehr viel seltener an C-19 erkranken als Erwachsene – sie können andere Menschen infizieren. Wenn man Kindern vernünftig erklärt, dass Maske tragen ein Gesellschaftsauftrag ist, ein solidarischer Akt, für den ihr Beitrag bedeutend ist, dann werden sie ihn bereitwillig leisten und sicherlich besser ertragen als Sie oder ich. Wir reden hier über ein dünnes Stück Stoff und nicht über einen Maulkorb. Und Kindern gesellschaftliche Solidarität zu vermitteln, halte ich für einen hochrangigen pädagogischen Auftrag. Sie hoffentlich auch.

Irgendwann im Verlauf dieser Pandemie hatten wir kurz zumindest die Illusion von Einigkeit. Zusammen durchkommen. Schaffen wir das?