Norderstedt

Seniorin will Prepaid-Handy aufladen – und wird abgezockt

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Eine 86 Jahre alte Dame wird im Norderstedter Herold-Center von einem Betrüger ausgetrickst. Die Verbraucherzentrale schaltet sich ein.

Norderstedt.  Ingrid M. aus Norderstedt benutzt ihr Handy äußerst selten. „Nur ein paarmal im Jahr“, sagt die 86-Jährige. Immer wenn sie außer Haus verabredet sei, habe sie es dabei. Vorsichtshalber – damit es bei Verabredungen nicht zu Missverständnissen komme und man sich womöglich verpasse. „Das ist mir einmal vor neun Jahren passiert. Daraufhin haben mir meine Kinder ein Seniorenhandy geschenkt“, berichtet sie.

In einem Telekommunikationsgeschäft im Einkaufszentrum sagte man Ingrid M., dass es nicht mehr möglich sei, ihr Handy mit Geld aufzuladen, und sie stattdessen einen Vertrag abschließen müsse. Sie glaubte dem Angestellten und unterschrieb einen Handyvertrag mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren und monatlichen Kosten von 14,99 Euro. „Ich hatte keine Brille mit. Da ich mich in einem soliden Laden wähnte, unterschrieb ich, wie ich es bei Ämtern und Behörden auch tue.“

Vertrag annulliert – Geld wird trotzdem abgebucht

Als die Rentnerin abends ihrem Pflegesohn von dem Vertrag erzählte, ahnte dieser sofort den Betrug. Er fuhr ins Herold-Center, um den Handyvertrag zu annullieren. Ein Mitarbeiter sicherte ihm die Auflösung zu, doch wenige Tage später wurde der Betrag trotzdem vom Konto abgebucht. Bei einem erneuten Besuch im Telefonshop traf der Pflegesohn auf den Angestellten, der die Norderstedterin hatte in die Falle laufen lassen. Unterschrieben sei unterschrieben, sagte er, da gebe es kein Zurück mehr.

„Ich bin empört, dass ich auf diesen Trick hereingefallen bin“, sagt die Seniorin, die ansonsten sehr wachsam gegenüber Betrügern ist. „Bei Gewinnen, die mir am Telefon versprochen werden, lege ich immer auf.“ Ingrid M. schämt sich so sehr, diesmal dem Mann im Handyladen geglaubt zu haben, dass sie nicht mit vollem Namen genannt werden möchte.

In ihrer Not wendete sie sich an die Verbraucherzentrale. Diese erwirkte innerhalb kürzester Zeit, dass der unter betrügerischen Umständen abgeschlossene Vertrag annulliert wurde. „Solche Fälle erleben wir leider sehr häufig. Das ist schon fast ein Klassiker“, sagt Vivien Arwers, Sprecherin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Verbraucherzentrale kennt die Masche

Dabei seien nicht nur ältere Menschen unter den Opfern. „Wir haben schon die dollsten Geschichten erlebt“, sagt Arwers. Es sei vorgekommen, dass Betrüger Handys vor ihren Geschäften ausgelegt hätten. Wenn die ehrlichen Finder die Geräte dann abgeben wollten, habe man sie dazu gebracht, „Empfangsbestätigungen“ zu unterschreiben. „In Wahrheit steckten dahinter Handyverträge“, so Arwers.

Dass Menschen Verträge abschließen, die sie eigentlich gar nicht benötigen, kommt besonders häufig in der Telekommunikationsbranche vor. „Dort laufen knallharte Betrügereien. Die Leute werden völlig falsch beraten und unter Druck gesetzt“, sagt Arwers. Bei sogenannten Fernabsatzverträgen, die etwa am Telefon oder vor der Haustür geschlossen wurden, können Verbraucher innerhalb von 14 Tagen vom Widerrufsrecht Gebrauch machen. Für Geschäfte gilt dies nicht. „Wenn sich die Verbraucherzentrale einschaltet, akzeptieren die Anbieter aber häufig eine Annullierung.“

Auch das Center-Management des Herold-Centers wurde über den Vorfall informiert. „Wir haben uns mit dem Geschäft in Verbindung gesetzt“, sagt Center-Manager Thomas Krause. Inzwischen sei die Telefonlandschaft allerdings so vielfältig und es gebe so viele Vertragsvarianten, dass es kein Wunder sei, dass mal etwas schieflaufe, meint Krause. „Wenn wir so etwas hören, versuchen wir aber gern zu helfen.“