Tierwelt

Handgesiedete Seife aus Quickborner Alpaka-Wolle

Daniela Grimm und ihre Alpakas auf dem Hof der Familie Grimm am Kampmoorweg in Quickborn.

Daniela Grimm und ihre Alpakas auf dem Hof der Familie Grimm am Kampmoorweg in Quickborn.

Foto: Thorsten Ahlf

Daniela Grimm hat sich mit ihrer Alpaka-Herde einen Traum erfüllt. Norderstedterin verarbeitet die Wolle der Tiere zu Seife.

Sie hat schon öfter ungewöhnliche Zutaten für ihre selbst gemachten Seifen verwendet. Mal war es die Milch von Stuten, mal Kamelmilchpulver. Sogar Bernsteinpulver war schon dabei – für eine spezielle Hundeseife, die gegen Zecken und Flöhe helfen soll. Doch als Martina Peters vor ein paar Wochen einen Anruf bekam, hat sie trotzdem erst einmal gestutzt, was ihr dort angeboten wurde. Alpaka-Wolle für ihre handgesiedeten Seifen – und das quasi aus der Nachbarschaft.

Aus Quickborn. „Ich war von der Idee sofort begeistert“, sagt die 53-Jährige, die seit 2008 Seifen herstellt. Zuerst nur als Hobby, heute als Kleinunternehmerin. Da ihre Rezepte regelmäßig von einem Labor sicherheitsbewertet werden müssen, hat sie jetzt auch 25 Rezepte für Alpaka-Seife eingereicht. Die ersten vier Sorten sind derzeit in Arbeit. Die Alpaka-Wolle hat sie persönlich abgeholt.

Ortswechsel: Zehn Kilometer sind es von der Seifenküche in Norderstedt bis zur Alpaka-Weide in Quickborn. Mit der Haltung dieser ganz besonderen Tiere hat sich Daniela Grimm (44) einen Lebenstraum erfüllt. An ihrem 40. Geburtstag, als sie schon lange aufgehört hatte, davon zu träumen. Zu glauben, dass es jemals klappen würde.

Die Geschichte von Daniela Grimm und den Alpakas beginnt, als sie zehn Jahre alt ist. Bei einem Praktikum im Zirkus lernt sie erstmals Lamas kennen: Agathe und Suleika. Wenn sie groß ist, das nimmt sich Daniela Grimm damals ganz fest vor, möchte sie ebenfalls Lamas haben.

Die ersten Alpakas der Grimms heißen Agathe und Suleika

Mit Kinderträumen ist das so eine Sache. Manche von ihnen verfliegen so schnell, wie sie gekommen sind. Und andere wiederum setzen sich fest, sie vergisst man nie mehr. So war es auch bei Daniela Grimm. Aber irgendwie hat es nie geklappt, den Traum zu verwirklichen. „Irgendwann mit 39 Jahren habe ich mir dann eingestanden, dass es wohl nichts mehr wird“, sagt Daniela Grimm und erinnert sich an ihren 40. Geburtstag. An die Überraschungsfahrt, zu der ihr Mann sie überredete. Und an die Tränen, die sie in den Augen hatte – Tränen der Enttäuschung, als sie zu einem Autohändler fuhren.

Andreas Grimm muss heute noch lachen, wenn er daran denkt, wie er seine Frau in die Irre geführt hat. Wie er immer weiter und weiter gefahren ist, bis sie schließlich am Ziel waren. Am Ziel der Fahrt und der Träume; bei einem Alpaka-Züchter in Kummerfeld bei Pinneberg. Doch selbst da erkennt Daniela Grimm die Tragweite noch nicht. Sie denkt, dass sie nur zu Besuch seien. Bis der Züchter am Ende zu ihr sagt: „Und jetzt suchen sie sich mal zwei Tiere aus.“

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt man. Auch Daniela Grimm, die einfach Dany genannt werden möchte, kommt es manchmal so vor. Es ist, als ob plötzlich eine gute Fee in ihr Leben getreten ist und den Zauberstab geschwungen hat. Sie entscheidet sich für zwei Alpakas und nennt sie Agathe und Suleika. So wie die Lamas aus dem Zirkus.

Mit Feuereifer bauen sie einen Stall, besuchen Seminare und legen die Prüfung für den Haltungs-Nachweis vor einem Amtsveterinär ab. Im Juni 2016, kurz nach der Schur im Frühjahr, ziehen die beiden Tiere in das neue Gehege. Sie sollen nicht lange alleine bleiben, beschließen die Grimms. Denn Alpakas sind Herdentiere. Sie lassen Agathe decken. Mit Erfolg. In einer Aprilnacht 2018 kommt das Baby zur Welt. Es ist viel zu früh, sechs Wochen!

„Wir wollten es noch retten. Doch es hat nicht geklappt“, erinnert sich Daniela Grimm. Die Erinnerung ist immer noch schlimm. Die Erinnerung an dieses hilflose, kleine Alpaka-Baby. Und an Agathe, die danach nicht mehr fressen wollte, stark abmagerte und selbst kaum überlebt hätte. „Zum Glück konnten wir sie mit Astronautennahrung aufpäppeln – und zum Glück…“, sagt Daniela Grimm und zeigt auf das Gehege, bevor sie den Satz beendet: „...ist sie noch mal trächtig geworden und hat ein Baby bekommen.“ Finn. Ein kleiner, brauner Wirbelwind, der durch das Gehege saust, immer wieder winzige Bocksprünge macht und sich übermütig Blätter wie die Großen von einem Baum abreißt – obwohl er die derzeit noch gar nicht kauen kann.

Hätte man Daniela Grimm früher gesagt, dass sie später nicht nur zwei oder drei Alpakas hat – sondern zehn, dann hätte sie es wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. „Aber irgendwie kam immer noch eins dazu“, sagt sie und lacht.

Für andere Leute mögen das einfach Tiere sein. Für sie sind es mehr. Vertraute, Freunde, fast Familie. Sie kennt alle Namen, alle Charaktereigenschaften. Jeder ist verschieden, jeder einzigartig. Der schneeweiße Olli, der von Danys Schwiegermutter so getauft wurde und der sein Futter jeden Tag von dem Rollator der alten Dame frisst.

Die beiden Schwarz-Weißen: Lady Hembra, die Aufpasserin der Herde, die ihre Artgenossen mit einem spitzen Schrei warnt, wenn an der Weide ein Hund vorbeigeht. Ihre Tochter Kilara, deren Name Mondlicht bedeutet, und die so ungestüm ist. Die braune Pepita mit den Haarpuscheln in den Ohren, die souveräne und gelassene Cosma sowie Jury – Bruder von Ylvi und Sohn von Suleika, die einen starken Beschützerinstinkt hat.

Einmal im Jahr werden die Alpakas geschoren

Auf die Alpakas lassen die Eheleute Grimm nichts kommen. Auch nicht, wenn es um die Sache mit dem Spucken geht. „Meinen sie ja nicht bös“, meint Dany. Wie oft sie schon angespuckt wurde? Sie lacht, zuckt die Schultern. Keine Ahnung, oft! Meistens, weil sie im falschen Moment am falschen Ort war, wie sie es nennt. Weil sie in einen Streit zwischen zwei Alpakas geraten ist zum Beispiel. „Aber wenn man auf die Zeichen achtet, passiert meistens auch nichts“, sagt sie und erklärt die drei Etappen des Spuckens. „Beim ersten Mal spucken sie nur Luft, danach Spucke und erst dann Magensaft, der so richtig stinkt.“

Dany und Andreas könnten stundenlang über die Tiere sprechen, schwärmen. Von ihrem ausgeglichenen und sanften Wesen, das es erlaubt, sie in der Therapie einzusetzen. Von der unkomplizierten Haltung, draußen in der Natur. Und von ihrer seidig-weichen Wolle. Einmal im Jahr, meistens im Mai, werden die Alpakas geschoren. „Sonst wird es für sie im Sommer einfach zu warm“, so Dany Grimm. 2,5 bis drei Kilo Wolle kommen pro Alpaka runter. Ein kostbares Gut, denn Alpaka-Wolle ist begehrt. Alpakafasern zählen zu den Edeltierhaaren wie Kaschmir oder Mohair. Bevor die Wolle verarbeitet werden kann, liegt jedoch ein weiter Weg Arbeit vor den Grimms: Die Fasern werden per Hand sortiert, aufwändig gewaschen und gekämmt. Danach wird das Vlies entweder mit der Hand gesponnen – an einem etwa 80 Jahre alten Flachs-Spinnrad, wie es einst die böse Fee in Dornröschen benutzte – oder weiterverarbeitet: zu gesteppten Bettdecken oder Seife. Bisher haben sie die Seife im sächsischen Vogtland herstellen lassen. Doch als sie dann durch Zufall von der Seifenmacherin in Norderstedt hörten, waren sie von der Idee begeistert, die Wolle in der Region verarbeiten zu lassen.

Wenn die Grimms Fremden das erste Mal von ihrer Seife erzählen, ist die Reaktion fast immer die gleiche: Unglaube. Fragende Blicke. Seife aus Alpaka-Wolle??? Dany kennt das schon und erklärt immer wieder geduldig, was es damit auf sich hat: „Das Alpakavlies enthält Keratine, aus denen eine mild schäumende Seife gemacht werden kann. Dafür wird das Vlies im Laufe verflüssigt und dem sogenannten Seifenleim zugesetzt.“ Das Thema begeistert sie, fasziniert sie. Mehr als das Spinnen, das ist nicht ihr Ding, das macht Andreas. Dany ist für das Sortieren, Waschen und Kämmen zuständig. Alles in Handarbeit. Das ist ihr Hobby, ihre Erfüllung, ein Ausgleich zum Job. Sie ist Personalerin, Andreas Grimm hat einen Isolierbetrieb.

Wenn sie morgens aufsteht und von dem Küchenfenster aus die Alpakas auf der Weide sieht, dann ist sie glücklich. Das Warten hat sich gelohnt.